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Allgäu
22.09.2022

Risse im Hochvogel: Wenn ein Berg auseinanderbricht

Der tiefe Riss im Gipfel des Hochvogels von einer Drohne aus fotografiert. Es ist aber nur einer von mehreren Rissen.
Foto: TU München

Der Hochvogel-Gipfel droht zu brechen. Seit 2019 versuchen Wissenschaftler zu klären, wann der Felssturz passieren kann – und haben bereits einige Ergebnisse.

Vielleicht ist es seine absehbare Vergänglichkeit, die den Hochvogel zum Mythos gemacht hat. Ein dominanter, freistehender Berg mit einer einzigartigen Form. Die aber ist in Auflösung begriffen. Am Gipfel zeugt ein riesiger Felsspalt davon - er ist für Bergsteiger zum Besuchermagnet geworden. Was aber viele nicht ahnen: Im teils überhängenden Gipfelbereich gibt es gleich mehrere Risse, die sich bis tief ins Innere des Hochvogels ziehen.

Derzeit arbeiten die Wissenschaftler der TU München an 3D-Modellen. Mit ihnen sollen die Risse und Gesteinsbereiche bis ins Innere des Berges dargestellt werden. Denn das zehnköpfige Team um Michael Krautblatter geht davon aus, dass der erwartete Felssturz in mehreren Etappen passieren wird. Rund 100.000 Kubikmeter sind über die Jahre bereits in Einzelteilen ins Tal gekracht. 260.000 Kubikmeter lauern noch im Gipfelbereich. Zum Vergleich: Beim größten der Felsstürze am nahegelegenen Vilsalpsee gingen 2013 ebenfalls rund 100.000 Kubikmeter Gestein ab. Das Getöse hörten Einheimische bis ins mehrere Kilometer entfernte Grän.

Der Hochvogel ist ein Testlabor für Felsstürze in anderen Regionen

Wie und wann die sechs ausgemachten Gesteinsblöcke ins Tal stürzen werden, können die Forscher noch nicht mit Sicherheit sagen. Um das zu erforschen, haben sie den Hochvogel zum Testlabor erkoren. „Wir schießen da mit Kanonen auf Spatzen, um herauszufinden, was am besten funktioniert", sagt Krautblatter. Auf dem Berg sei alles an Technik installiert, was es in diesem Bereich gebe. Sensoren arbeiten bei der Spaltenmessung im Bereich von 100tel Millimeter, Kipp-Sensoren überwachen bis zum tausendstel Grad Neigungen der Felsblöcke. Dazu kommen Drohnenbilder, Laserscans und Satellitenauswertungen. Am Hochvogel wird so untersucht, was sich bei der Frühwarnung vor einem Felssturz bewährt. Mit den Ergebnissen müsse dann andernorts künftig nicht mehr so ein immenser Aufwand betrieben werden, erklärt Krautblatter.

Denn es geht den Forschern bei ihrem vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Projekt „AlpSenseRely“ um mehr als nur den Hochvogel. Der Klimawandel bringt die Bergwelt aus dem Gleichgewicht. Die Folge sind unter anderem immer häufigere Felsstürze – und die sollen in Zeiten von immer häufigeren extremen Wetterereignissen besser vorhergesagt werden. Denn auch das ist ein Ergebnis vom Hochvogel: Nach extremen Regenfällen sammelt sich das Wasser in den großen Rissen und drückt dann über eine gewisse Zeit auf das Gestein. Langfristige Folge: die Risse wachsen in regenreichen Jahren mehr, als in trockenen.

"Der Felssturz am Hochvogel wird auch ohne Klimawandel passieren"

Rund 24.000 Kilometer steinschlaggefährdete Straßen gibt es in Deutschland, Murenabgänge kommen in den Bergen rund sechsmal häufiger vor als früher. Das Testlabor Hochvogel soll neue Einblicke in Hangbewegungen bringen. Und was die Sensoren vom Berg melden, spricht eine deutliche Sprache. „In den nächsten fünf Jahren wird es vermutlich zu einem größeren Abbruch kommen“, prognostiziert Krautblatter. Klar ist aber auch: „Der Felssturz am Hochvogel wird auch ohne Klimawandel passieren.“ Das Allgäuer Wahrzeichen ist eben Berg mit schon besiegeltem Schicksal.

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Mit seinem Kollegen Johannes Leinauer führt Krautblatter schon mal in der Nacht Telefonate. „Hast Du Sensor 2 und 6 gesehen?“, wird dann zum Beispiel diskutiert. Denn registriert die Messtechnik größere Bewegungen, gibt es via SMS Alarm in München. Dann schauen die Forscher sofort online nach, was sich auf dem Hochvogel tut. Im Extremfall würden sie dann eine Alarmierung initiieren. Die Pläne dafür liegen schon in der Schublade – oder besser gesagt auf der Festplatte. Auch das wollen die Forscher etablieren: Eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort, sowohl im Allgäu als auch im benachbarten Tirol.

Felssturz am Hochvogel: Wo am meisten Gefahr droht

Denn der Felssturz am Hochvogel wird auf der österreischischen Südseite in Richtung Hinterhornbach abgehen. Dort haben die Behörden bereits seit 2014 den Bäumenheimer Weg auf den Hochvogel gesperrt. „Der instabile Teil wird auf die Tiroler Seite stürzen. Das meiste Material wird im Weittal liegen bleiben“, sagt Johannes Leinauer. Letzteres liegt an der Südwestflanke des Berges und wird von Skitourengehern im Winter zum Aufstieg auf den Kreuzkopf genutzt. „Wir hoffen, dass wir bei einem bevorstehenden größeren Felsabbruch vom Gipfel ein bis drei Tage vorher warnen können“, so Leinauer. Denn zum Zeitpunkt eines Absturzes wäre ein Aufenthalt von Skitourengängern im Weittal gefährlich.

Sollte sich ein Felssturz ankündigen, würden vermutlich auch die Zugangswege von Norden über das Prinz-Luitpoldhaus gesperrt. Von der Tiroler Seite kann der Berg zudem über den Fuchsensattel bestiegen werden.

Derzeit ist der Hochvogel im ruhigeren Winterschlaf. Aber es gibt nicht nur Unterschiede zwischen Sommer und Winter. Der Berg ist tagesaktiv. Der größte Spalt, den man am Gipfel hautnah erleben kann, öffnet und schließt sich jeden Tag in der Größenordnung von einem Millimeter. Über einen Sommer hinweg wächst der Hauptspalt, den Bergsteiger am Gipfel sehen, um rund 20 Millimeter. „Das ist sehr schnell“, erklärt Michael Krautblatter.

Hermann von Barth übernachtete 1869 vermutlich im Gipfel-Riss

Als der Alpenpionier Hermann von Barth am 19. Juli 1869 auf dem Hochvogel übernachtete, suchte er in einem Spalt Schutz vor dem kalten Wind – höchstwahrscheinlich schlief er in dem damals noch schmalen Gipfel-Riss. Gute Luftbilder vom Gipfel gibt es seit etwa 1940. Seitdem hat sich die Kluft um den Faktor drei bis vier vergrößert.

Mit welchen Gefühlen sehen die Forscher dem Tag X entgegen? Mit Freude, weil mit dem Felssturz etwas eintritt, mit dem man sich jahrelang intensiv beschäftigt hat? „Direkt freuen würde ich jetzt nicht sagen, denn die Messungen, die wir im Moment aufnehmen können, sind mit die spannendsten“, sagt Johannes Leinauer. „Gespannt bin ich aber auf jeden Fall, was der Berg macht und wie unsere Messungen funktionieren. Und ich denke, ich werde schon noch erleben, wie mindestens ein Teil abstürzen wird.“

Dieser Text ist aus dem Archiv und erschien zum ersten Mal im Februar 2022.

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