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Geplantes „Primärarztsystem“: Wie gut ist die Hausarztversorgung in Bayern?

Gesundheitsversorgung

Wie gut ist die Hausarztversorgung in Bayern?

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    Für viele Menschen wird selbst die Suche nach einem Hausarzt zur Geduldsprobe.
    Für viele Menschen wird selbst die Suche nach einem Hausarzt zur Geduldsprobe. Foto: Jens Büttner, dpa (Archivbild)

    Die Bundesregierung plant eine stärkere Steuerung der Patientinnen und Patienten. Ein zentrales Instrument dafür ist das sogenannte „Primärarztsystem“. Das bedeutet, dass in der Regel immer eine Hausarztpraxis der erste Ansprechpartner ist. Doch wie ist die Lage in der hausärztlichen Versorgung in Bayern überhaupt – und wie belastbar sind die Daten dazu?

    In den insgesamt 66 Empfehlungen einer unabhängigen Expertenkommission zu Einsparungen im Gesundheitswesen findet sich das „Primärarztmodell“ ebenfalls. Es wurde bereits im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vereinbart. Ziel ist es, Patientenwege stärker zu koordinieren. In der Praxis bedeutet das meist: zunächst hausärztliche Versorgung, danach gegebenenfalls die Überweisung zur Fachärztin oder zum Facharzt. Ob und wie das System unter den bestehenden Strukturen funktionieren kann, ist bislang aber offen.

    Hausarzt-Versorgung in Bayern: Daten zeigen ein uneinheitliches Bild

    Regionen wie Lauingen an der Donau oder Moosburg an der Isar gelten laut Bedarfsplanung des Bundesgesetzgebers offiziell im allgemeinmedizinischen Bereich als unterversorgt. Anders stellt sich die Lage in Städten wie Augsburg, Nürnberg oder Regensburg dar. Sie sind rein rechnerisch sogar überversorgt, in Augsburg liegt der Versorgungsgrad bei rund 110 Prozent. Das heißt, dass mehr Arztsitze vorhanden sind als notwendig. Der Planungsbereich war deshalb über Jahre gesperrt – neue Hausärztinnen und Hausärzte konnten sich nicht niederlassen. Erst zuletzt wurden wieder vereinzelt zusätzliche Sitze freigegeben.

    Grundlage der Bedarfsplanung ist vor allem das Verhältnis von Ärzten zur Bevölkerung. Rein rechnerisch kommen auf einen Hausarzt rund 1600 Einwohner – unabhängig von der tatsächlichen Auslastung der Praxen. Ob diese Kennzahlen die Versorgung im Alltag realistisch abbilden, bleibt offen.

    Bedarfsplanung ohne Aufnahmedaten: Lücken bei der Datengrundlage

    Auf Anfrage unserer Redaktion teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) mit, dass sie keine Daten dazu erhebt, welche Praxen neue Patientinnen und Patienten aufnehmen. Die Suche nach einem dauerhaften Hausarzt könne daher „mehrere Telefonate“ oder längere Wege erfordern. Hinweise auf generelle Versorgungsengpässe lägen den Beratungsstellen hingegen nicht vor, wie häufig solche Fälle auftreten, werde jedoch nicht erfasst.

    Die fehlenden Daten begründet die KVB unter anderem damit, dass zusätzliche Dokumentationspflichten für die Praxen mit einem erhöhten Zeitaufwand verbunden wären und zulasten der Behandlungszeit gehen könnten. Verfügbare Termine konzentrieren sich zudem häufiger auf größere Praxiseinheiten wie medizinische Versorgungszentren, da diese mehrere Arztsitze bündeln. Gerade in größeren Städten könne es laut KVB aufgrund von Bevölkerungsfluktuation und anonymen Strukturen länger dauern, bis Patientinnen und Patienten einen festen Hausarzt finden.

    Die AOK Bayern verweist auf die Bedarfsplanung und empfiehlt Betroffenen, die keinen Hausarzt finden, die Terminvermittlungsstelle 116 117 der KVB, über die freie Arzttermine vermittelt werden. Gleichzeitig setzen Krankenkassen wie die AOK auf eine stärkere Steuerung der Versorgung. Ein „Primärversorgungssystem“ soll nach ihren Vorstellungen dazu beitragen, Patienten gezielter durch das System zu leiten und Wartezeiten zu reduzieren.

    In den nächsten Jahren gehen viele Hausärzte in Ruhestand

    Dr. Wolfgang Ritter, der Vorsitzende vom Bayerischen Hausärzteverband, sieht die Ursachen für die eingeschränkte Aufnahme neuer Patientinnen und Patienten vor allem in begrenzten Kapazitäten der Praxen. Engpässe beim Personal, räumliche Grenzen oder der Wegfall von Praxispartnern könnten dazu führen, dass einzelne Praxen keine weiteren Patientinnen und Patienten aufnehmen, erklärt er auf Nachfrage unserer Redaktion. Auch organisatorische Faktoren spielten eine Rolle, etwa steigende Dokumentationspflichten oder ein wachsender Behandlungsaufwand durch eine älter werdende Bevölkerung. Gleichzeitig betont der Verband, die Versorgung sei insgesamt weiterhin gesichert.

    Deutlich kritischer äußert sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz auf unsere Anfrage. Vorstand Eugen Brysch warnt: „Viele Hausärzte gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Das allein schon dünnt die ambulante Versorgung weiter aus.“ Hinzu komme, „dass immer mehr Medizinerinnen und Mediziner weniger arbeiten oder sogar das Berufsfeld verlassen wollen. Diese Entwicklung ist mit der geplanten Erst-Hausarzt-Pflicht der Bundesgesundheitsministerin unvereinbar. Zudem bleibt ungeklärt, wie etwa 2000 Patienten zusätzlich pro Hausarzt in einem Primärarztsystem gepresst werden sollen.“

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