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Kirche: Im Bistum Augsburg wird kurz vor den Neuwahlen Kritik am Diözesanrat laut

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Im Bistum Augsburg wird kurz vor den Neuwahlen Kritik am Diözesanrat laut

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    Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz, die 2014 erstmals Vorsitzende wurde, will wieder antreten.
    Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz, die 2014 erstmals Vorsitzende wurde, will wieder antreten. Foto: Annette Zoepf

    Die zurückliegenden Jahre seien eine „große Herausforderung“ gewesen, sagt Susanne Kofend. Die Corona-Pandemie erschwerte auch kirchliches Leben massiv. Ebenso die nicht abreißenden Diskussionen über Missbrauchsfälle und Kirchenreformen. Kofend ist Geschäftsführerin des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Augsburg, der nun vor einem Umbruch steht – und in der Kritik.

    Während seiner Herbstvollversammlung am Freitag und Samstag in Augsburg wird unter anderem der Vorstand nach vierjähriger Amtszeit neu gewählt. Hildegard Schütz, die 2014 erstmals Vorsitzende wurde, möchte wieder antreten. Ob es weitere Kandidatinnen oder Kandidaten geben werde, kann Kofend kurz davor nicht sagen. Was sie sagen kann, ist: „Ich habe den Eindruck, dass das kirchliche Leben in der Diözese intakt ist. Kirche ist nicht tot.“

    Der Diözesanrat im Bistum Augsburg versucht, Kirche vor Ort lebendig zu erhalten

    Der Diözesanrat ist nicht irgendein Gremium. Schließlich vertritt er mit seinen mehr als 80 Mitgliedern, die aus den Dekanatsräten oder den katholischen Verbänden kommen, die sogenannten Laien. Ihnen will er eine Stimme geben. Und das nach innen wie nach außen. Was heißt: Er unterstützt Pfarrgemeinden, um Kirche vor Ort lebendig zu halten, oder meldet sich in gesellschaftspolitischen Debatten zu Wort. So sprach er sich für den „uneingeschränkten Erhalt des Verbotes, für Abtreibungen zu werben, aus“ oder für die Einführung einer Sockelrente zur Bekämpfung der Altersarmut. Zudem berät er den Augsburger Bischof Bertram Meier.

    Der Augsburger Bischof Bertram Meier. Der Diözesanrat berät ihn - und möchte künftig mehr in Entscheidungsprozesse in der Diözese eingebunden werden.
    Der Augsburger Bischof Bertram Meier. Der Diözesanrat berät ihn - und möchte künftig mehr in Entscheidungsprozesse in der Diözese eingebunden werden. Foto: Ulrich Wagner (Archivbild)

    Ohne den Diözesanrat wäre manches nicht möglich im Bistum Augsburg, und doch sorgte er zuletzt für Unverständnis, intern wie extern. „Der Diözesanrat hat in den vergangenen Jahren an Relevanz verloren, vor allem was das kirchenpolitische Geschehen angeht. Er wirkte da recht blass“, kritisiert etwa Diözesanratsmitglied Alexander Lechner. Uli Spindler von der Reform-Initiative Maria 2.0 fühle sich nicht gut vertreten, sagt sie. Beide erinnern an das Abstimmungsverhalten eines Diözesanratsmitglieds bei der vierten Synodalversammlung des „Synodalen Wegs“ in Frankfurt am Main im September.

    Dieser Reformprozess zwischen den deutschen Bischöfen und engagierten Laien sollte eine Antwort auf den Missbrauchsskandal in Reihen der katholischen Kirche sein, führte allerdings zu heftigen Richtungskämpfen. Das Diözesanratsmitglied jedenfalls stimmte gleich bei mehreren Reform-Texten konsequent mit Nein und war damit Teil einer sehr überschaubaren katholisch-konservativen Minderheit. Der Mann votierte dabei nicht nur gegen eine „lehramtliche Neubewertung von Homosexualität“, sondern auch gegen eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts, für das zum Beispiel eine gleichgeschlechtliche eingetragene Lebenspartnerschaft ein Kündigungsgrund sein kann.

    Kritik an Abstimmungsverhalten bei der Synodalversammlung des Reformprozesses „Synodaler Weg“

    Lechner sagt dazu: „Ich betrachte dieses Abstimmungsverhalten als nicht repräsentativ für den Diözesanrat.“ Der 33-Jährige ist Vorsitzender des Diözesanverbands Augsburg des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und damit qua Amt Mitglied des Diözesanrats. An dessen Geschäftsführung schickte die 61-jährige Uli Spindler aus Herrsching im Namen von Maria 2.0 Ende Oktober einen Brief. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es über das Abstimmungsverhalten: „Unserer Meinung nach wurde in diesem Falle den Laien des Bistums keine Stimme gegeben.“ Im Gegenteil sei die Stimme „gegen die mehrheitliche Meinung der Laien verwandt“ worden.

    Susanne Kofend, die Geschäftsführerin des Diözesanrats, weist darauf hin, dass es sich bei den Abstimmungen auf der Synodalversammlung in Frankfurt um Gewissensentscheidungen gehandelt habe. Darauf habe man als Diözesanrat keine Einflussmöglichkeiten, auch habe man dem Delegierten kein Votum mitgegeben. Möglicherweise werde man nun auf der Herbstvollversammlung nochmals darüber sprechen.

    Vielleicht werden dann auch die weiteren Kritikpunkte Alexander Lechners Thema sein. Er erwarte von den Neuwahlen einen Neustart, sagt er im Gespräch. Die oberste Laienvertretung im Bistum Augsburg müsse diverser, jünger und synodaler werden. „Das heißt: Wir müssen noch ehrlicher miteinander sprechen, besser aufeinander hören und schneller zu gemeinsamen Positionierungen bei wichtigen Themen kommen.“ Lechner vermisst vor allem eine kritische Auseinandersetzung innerhalb der Vollversammlung, gerade mit Blick auf die derzeit viel diskutierten Kirchenreformen.

    Wahrgenommen wurden Initiativen wie „AugsburgOhneAngst“ oder „Maria 2.0" – der Diözesanrat dagegen kaum

    Kofend gibt ihm in einigen Punkten recht und kündigt an, bei Vollversammlungen mehr Raum für Diskussionen schaffen zu wollen. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt. Was sie für die kommenden Jahre anstrebe? „Unser Anliegen ist es, dass wir mehr in Entscheidungsprozesse in der Diözese eingebunden werden“, sagt sie. Und: „Wir wollen noch sichtbarer und noch präsenter sein.“

    In der Tat waren andere oft sichtbarer – und kritischer. Wie die 80 Mitarbeitenden und Verbände des Bistums Augsburg, die im April unter dem Namen „AugsburgOhneAngst“ von der Bistumsleitung einen „Kulturwandel“ im Umgang mit queeren Kolleginnen und Kollegen einforderten. Die Initiative fand die Unterstützung von mehr als 1000 Personen – und brachte den Bischof zu der öffentlichen Aussage, er wolle eine Kirche ohne Angst fördern. Vom Diözesanrat war hier wenig zu hören.

    Auch die im Jahr 2021 im Bistum Augsburg gegründete Gruppe der bundesweiten katholischen Reform-Initiative Maria 2.0 machte mit Aktionen auf sich aufmerksam – Uli Spindler schaffte es sogar in die ARD-„Tagesthemen“. Eine ihrer Forderungen: Frauen müssten Zugang zu allen Ämtern der katholischen Kirche bekommen.

    Mitglieder der 2021 im Bistum Augsburg gegründeten Gruppe der bundesweiten katholischen Reform-Initiative Maria 2.0 haben dem Bischof am vergangenen Freitag einen "Offenen Brief" hinterlassen. In dem setzen sie sich für Kirchenreformen ein - auf dem Bild die Zweite von links: Uli Spindler.
    Mitglieder der 2021 im Bistum Augsburg gegründeten Gruppe der bundesweiten katholischen Reform-Initiative Maria 2.0 haben dem Bischof am vergangenen Freitag einen "Offenen Brief" hinterlassen. In dem setzen sie sich für Kirchenreformen ein - auf dem Bild die Zweite von links: Uli Spindler. Foto: Margit Bosch

    Am vergangenen Freitag hat Spindler mit anderen aus ihrer Gruppe im Bischofshaus einen Offenen Brief abgegeben. Anlässlich des am Montag beginnenden Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe im Vatikan mahnten sie die Umsetzung von Reformen an. Die Gleichheit von Männern und Frauen sei ein allgemeines Menschenrecht, schrieben sie. Bischof Bertram Meier trafen sie nicht an.

    Uli Spindler hat sich inzwischen in den Pfarrgemeinderat ihrer Pfarreiengemeinschaft wählen lassen. Eine Mitgliedschaft im Diözesanrat könne sie sich mittelfristig durchaus ebenfalls vorstellen, sagt sie – „wenn ich dann noch in der Kirche bin“.

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