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Die neue Kita-Testpflicht ist zum Kopfschütteln

Kommentar Von Lea Thies
07.12.2021

Viel zu lange hat die Staatsregierung gebraucht, um festzustellen, dass die Kitas in Pandemiezeiten nun doch nicht so sicher sind. Das dürfen nun die Eltern ausbaden.

Wer sich die neuen Beschlüsse aus München zur Kita-Testpflicht ab Januar durchliest, könnte vom Kopfschütteln fast ein Schleudertrauma bekommen. Fast zwei Jahre hat die Staatsregierung gebraucht, um festzustellen, dass die Kitas in Pandemiezeiten nun doch nicht so sicher sind, wie in der Vergangenheit oftmals beschworen.

Freilich: Schnelltests sind besser als gar keine Tests

Nun wird hoppladihopp eine Testpflicht für alle Jungen und Mädchen ab einem Jahr beschlossen, obwohl derzeit nicht einmal klar ist, ob im Januar überhaupt genug Selbsttests zur Verfügung stehen. Dass das Gesundheits- und Sozialministerium ihre Hausaufgaben nicht rechtzeitig gemacht haben, dürfen nun die Eltern ausbaden. Väter und Mütter müssen regelmäßig mit Bezugsscheinen in Apotheken gehen, hoffen, dass es dort ausreichend Schnelltests gibt, und ihre Kinder dann mit einem System testen, das bei den Kleinen erwiesenermaßen nicht so zuverlässig anschlägt wie bei Großen.

Freilich: Schnelltests sind besser als gar keine Tests – aber auch nicht die beste Lösung. Die Staatsregierung hat im Sommer wertvolle Zeit verschlafen, um für den Herbst ein Pooltestkonzept zu etablieren und mit Labors Preise zu verhandeln. Nun, da das Haus brennt, rollen Söder und Co. den Schlauch aus, den sie längst hätten verlegen und nutzen können. Immerhin wurde mit Boston Consulting nun eine namhafte Profitruppe engagiert, die nun Laborkapazitäten für Kitas prüft.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.12.2021

Alles Lamentieren hilft nichts. Der Wähler hat vor einigen Jahren gewählt und es so gewollt.

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08.12.2021

Klasse… vor allem weil sich die kleinen ja so bereitwillig die Stäbchen bis tief in die Nase schieben lassen, was bei Selbsttests notwendig ist.
Wenn dann Lolli Pool Tests verpflichtend für alle Kinder….
Alles andere würde bei unseren Kindern nicht funktionieren….

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11.12.2021

Es gibt auch Selbsttest-Lolli-Tests für zuhause. Allerdings muss man die erst mal bekommen. Wenn demnächst Selbsttests Mangelware werden, dann muss man vermutlich nehmen was man kriegen kann.

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07.12.2021

Schön, dass Sie diese absurden Regelungen kritisieren, aber auch an diesem Kommentar sieht man wieder das fehlende Fingerspitzengefühl in unserem Lande hinsichtlich des Umgangs mit Kindern und das Totalversagen der Bundes- und Landesregierungen im Umgang damit. Warum kommt in solch einem Kommentar nicht das offensichtlichste zur Sprache? Den Kindern wird schon zugemutet, dass sie die wichtige Mimik der Erzieher|innen und Pfleger|innen wegen der Maskenpflicht nicht erlernen können und teilweise die soziale Interaktion nicht lernen können, jetzt soll ihnen die Freude am Gang in die Grippe oder Kita auch noch dadurch genommen werden, dass sie dieses - für Kinder - furchtbare Gestochere in der Nase 3x wöchentlich aushalten müssen? Da stellt sich sogar mir als bisherigen Befürworter und Unterstützer der Impf- und Corona-Maßnahmen die Frage:
Wollen sich CSU und Freie Wähler jetzt immer noch weiter von der Gruppe der Eltern da draußen entfernen und sich endgültig selbst zerstören? Das passt wunderbar zur „Erneuerung“ und „Verjüngung“ dieser Partei. Es wird Zeit für einen fundamentalen Politikwechsel in Bayern.

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07.12.2021

Kinder kann man 3 Mal die Woche testen. Skifahrern ist ein Test nicht zumutbar. An der bayrischen Coronapolitik kann man als Eltern wirklich nur verzweifeln. Hoffentlich merken sich das viele Leute noch bis 2023.

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07.12.2021

Ja, da kann man nur den Kopf schütteln. Kein anderes Land ist derart kinderunfreundlich wie Bayern. Dass bereits jetzt bei den kleinsten ein Testregime eingeführt werden soll, ist im europäischen Kontext sicherlich ein Unikum.

Testen ja, wenn Kinder Symptome zeigen. Wenn die Kinder stark erkältet sind, dann sollten sie eh Zuhause bleiben. Ich möchte nicht, dass meine Kinder in einer Hygienediktatur aufwachsen, wo regelmäßige Tests für viele, viele gesunde Kinder Normalität sein soll...

In den sozialen Medien macht heute der Hashtag #söderquältkinder die Runde. Kann ich nichts mehr dagegen sagen und es reift die Erkenntnis, dass ich meine Kinder weniger vor Corona schützen muss, sondern durch die zunehmend frei drehende Gängelung durch Söder und Co.

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07.12.2021

Seltsam !

Sie äußern völlig andere Ansichten als Frau Thies !

Ein beredetes Beispiel für die immensen Probleme , die die Exekutive seit fast 2 Jahren hat :

Es jedem in der Corona- Krise Recht machen , jeden - wie die sog. Psychologen es nennen - "mitnehmen" .

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07.12.2021

Lieber Lothar, ich möchte nicht, dass meine Kinder mit Kindern in einer Kita sind, bei denen zumindest ein Elternteil ernsthaft das Wort "Hygienediktatur" verwendet und immer noch nicht begriffen hat, dass infizierte Kinder nicht notwendigerweise überhaupt Symptome aufweisen müssen. Wenn Sie für Ihre Kinder diese "Gängelung" nicht in Kauf nehmen wollen, dann betreuen Sie sie doch zu Hause. Niemand schreibt Ihnen vor, dass ihre Kinder in einer Kita betreut werden müssen.

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08.12.2021

Ja, lieber Martin, man kann es natürlich auch umdrehen: Wer Panik schiebt und meint, die eigenen Kinder sind in der Kita einem (deutlich) erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, der soll die Kids halt zu Hause lassen.

Die Studienlage wäre eigentlich klar: Die meisten Infektionen bei Kindern werden aus den Haushalten in die Kita oder Schule getragen (die meisten Kontakte hat die arbeitende Bevölkerung), Infektionen innerhalb einer Kohorte im Kita- oder Schulbereich sind dagegen deutlich seltener. Infizierte Kinder haben eine meist geringere Viruslast und stoßen im Vergleich zu Erwachsenen weniger Aerosole aus. Zudem ist die Schleimhautimmunität bei Kinder noch viel besser ausgeprägt als bei Erwachsenen. Das ist auch der Grund, warum Kinder nur sehr selten schwer erkranken und eine C-Infektion sehr mild oder sogar asymptomatisch verläuft. Wer keine Symptome hat, also viel hustet und rotzt, kann auch das Virus schlechter übertragen, weshalb die Angriffsraten bei symptomatischen Personen algemein geringer sind als bei symptomatischen.

Dass dieses Wissen nicht überall vorhanden, da kann ich niemanden einen Vorwurf machen. Wir wurden ja jetzt über fast zwei Jahre durch politisch-mediale Äußerungen darauf hingewiesen, dass Covid19 für alle gleich gefährlich ist und dass jeder Infizierte mindestens Long Covid bekommt usw. Panik und mehr emotionale anstatt rationale Debatten. Diese verzerrte Risikokommunikation hat sich leider bisher nicht wesentlich verändert (andere Länder sind da schon weiter) - derweil zeigt das Risikoprofil von Covid19 eine klare Altersabhängigkeit...

Einfach mal hier reinschauen und sich fortbilden: https://corona-kita-studie.de/
Altersabhängigkeit von Sekundärinfektionen https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34321438/

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09.12.2021

Lieber Lothar,
ich kann vieles unterschreiben, was Sie sagen. Umso seltsamer finde ich es, dass Sie Wörter wie "Hygienediktatur“ gebrauchen, aber eine rationale Debatte anmahnen.

Mir fehlt in Ihrer Antwort, dass das Immunsystem von Kindern generell noch agiler und lernfähiger ist als bei älteren Menschen. Außerdem, dass die Langzeitfolgen einer Infektion noch nicht wirklich absehbar oder bekannt sind. Ja, eine Erstinfektion führt nur selten zu schwerem Verlauf und Long Covid trifft nur einen sehr, sehr kleinen Teil. Die Gruppe der Coronaviren neigt aber auch zum Persistieren und sie können Schäden im Gehirn anrichten. Trotz aller bestehenden Bemühungen, vermuten wir zu alledem im Grunde mehr, als dass wir wirklich etwas wissen.

Die verlinkte Studie (Altersabhängigkeit von Sekundärinfektionen) ist gut, aber nicht unbedingt auf die aktuelle Situation übertragbar. Delta und die bevorstehende Omikron Variante könnten hier durchaus andere Ergebnisse liefern. Man weiß es eben (noch) nicht.

Der Kern ist aber ein anderer und Sie nennen diesen auch beim Namen: "Die meisten Infektionen bei Kindern werden aus den Haushalten in die Kita oder Schule getragen."

Die Tests versuchen dieses Eintragsrisiko zumindest zu reduzieren. Bei allen damit verbundenen Unsicherheiten (Fehlerrate, zeitliche Verzögerung etc.) ist es meiner Meinung nach dennoch das beste Mittel, das wir momentan für diesen Zweck haben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für Kinder Lollietests sein sollten. Alles anderen Testmethoden sind aus meiner Sicht tatsächlich unnötige Quälerei.

Dass diese Maßnahme jetzt überhaupt für eine Bevölkerungsgruppe eingeführt wird, die zur aktuellen Lage wohl den geringsten Beitrag geleistet hat, ist sehr bitter. Die Politik, aber auch die Gesellschaft als solche, hat die Familien schon im bisherigen Pandemieverlauf immer wieder "vor die Wand gefahren".

Trotzdem halte ich diese Maßnahme an sich für sinnvoll. Die Ausgestaltung ist allerdings (man muss leider schon sagen "gewohnt") schlecht. Dabei habe ich keine Panik oder sehe die Kita als Ort eines deutlich erhöhten Risikos. Aber es besteht ein Risiko und auch wenn Sie es vielleicht anders bewerten: Eine bestehende und zumutbare Möglichkeit einer Risikominimierung, die allen Kitakindern zugute kommt, sollte man als Eltern mittragen. Ansonsten verhält man sich ebenso wie sich die Gesellschaft in leider zu großen Teilen gegenüber den Kindern und Jugendlichen verhalten hat und weswegen diese Maßnahme jetzt überhaupt zur Debatte steht.

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