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Schule
04.12.2021

Digitale Schule: Sind 200.000 Lehrer-Fortbildungen nun viel oder wenig?

Die Schulen sollen immer digitaler werden - sind die Lehrkräfte dafür ausgebildet?
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Bayerns Kultusministerium jubiliert angesichts von 200.000 Teilnehmern bei digitalen Lehrer-Fortbildungen - und erntet dafür Kritik von den Grünen. Aus zweierlei Gründen.

Von beinahe einem Tag auf den anderen hieß es plötzlich: Küchentisch statt Klassenzimmer. Tablet statt Tafel. Homeschooling statt Hausaufgabe. Die Corona-Pandemie hat Bayerns Schulen vor riesige Herausforderungen gestellt – personell, pädagogisch, menschlich, technisch und vor allem auch digital.

Den Lehrerinnen und Lehrern sollten dabei Fortbildungen helfen, die zum einen virtuell stattfanden und zum anderen digitale Themen behandelten – vom richtigen Umgang mit der bayerischen Lernplattform Mebis über die Rolle von sozialen Medien bis hin zum Lesen im digitalen Zeitalter. „Tag für Tag können sich die Lehrkräfte neue Anregungen für guten digital gestützten Distanzunterricht holen. Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren davon enorm“, freute sich dann auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) im Februar über den Erfolg der seit September 2020 angebotenen „eSessions“ der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung. 100.000 Teilnehmer seien schon gezählt worden.

Jeder dritte Lehrer nahm an "eSessions" teil - ist das zu wenig?

Mittlerweile sind es laut Kultusministerium mehr als 200.000 – eine Aussage, die den Landtagsabgeordneten der Grünen, Max Deisenhofer, ärgert. Aus zweierlei Gründen. „In Wahrheit haben gerade einmal 47.000 Lehrerinnen und Lehrer teilgenommen; viele von ihnen haben allerdings mehrere Fortbildungen absolviert“, sagt Deisenhofer und wirft dem Kultusminister Schönfärberei vor.

Denn, das ist der zweite Kritikpunkt des Bildungsexperten aus dem Kreis Günzburg: „Rechnerisch hat also gerade einmal jede dritte Lehrkraft in Bayern teilgenommen – aus meiner Sicht ist das zu wenig.“ Er fordert: Mehr Freiraum für Lehrerinnen und Lehrer, die sich fortbilden wollen, und eine Fortbildungspflicht für Lehrkräfte, die sich eher drücken würden.

BLLV-Präsidentin Fleischmann: An Motivation der Lehrer mangelt es nicht

Im Kultusministerium heißt es dazu auf Nachfrage, dass die besagten „eSessions“ nur ein Teil von zahlreichen Fortbildungsmaßnahmen seien, die insgesamt „von sehr vielen Lehrkräften gut angenommen werden“. Eine Pflicht zur Fortbildung bestehe bereits. Sie gelte als erfüllt, wenn innerhalb von vier Jahren zwölf Fortbildungstage nachgewiesen werden. Dafür könnten die Lehrkräfte auch freigestellt werden, wenn dem keine „dienstlichen Belange“ entgegenstünden.

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Genau hier sieht Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, ein großes Problem. Viele Schulen hätten wegen Personalmangels kaum Spielraum, ihre Lehrkräfte auf Fortbildungen zu schicken. An Motivation mangele es aus ihrer Sicht dem Großteil nicht. Auch sie verweist darauf, dass es weit mehr Fortbildungen gebe als die „eSessions“ – allein die Kurse ihres Verbandes seien regelmäßig in kürzester Zeit ausgebucht. Dass es Lehrer gebe, die Neuerungen eher skeptisch gegenüberstehen, bestreite sie nicht. Hier sei es nötig, Fortbildungen möglichst dezentral und angepasst an die jeweiligen Anforderungen anzubieten.

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