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Sensation in Augsburg, Kempten, Neuburg: Machtwechsel bei OB-Stichwahlen

Kommunalwahl 2026

Sensationen in Augsburg, Kempten, Neuburg zeigen: Die Menschen wollen einen Politikwechsel

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    Der Augsburger Wahlsieger Florian Freund mit seiner Frau.
    Der Augsburger Wahlsieger Florian Freund mit seiner Frau. Foto: Marcus Merk

    Der Wahlsonntag in Bayern ist vielerorts ein Tag der Überraschungen. Nicht nur in München, auf das am Abend ganz Deutschland zu blicken scheint – auch aus anderen Städten kommt mit den ersten Auszählungsergebnissen Überraschendes, bisweilen Sensationelles. Zum Beispiel aus Augsburg, Kempten oder Neuburg an der Donau. Wählerinnen und Wähler wollen offensichtlich den Wechsel.

    Sie wollen den Wechsel in München, der größten Stadt Bayerns, und sie wollen ihn in Augsburg, der drittgrößten: Dort muss die CSU eine herbe Niederlage verkraften. Als die ersten Balken der Auszählung in Augsburg erscheinen, da überkommt in der CSU manche das kalte Grausen, in der SPD ist es ein ungläubiges Staunen. Mit 56,58 Prozent hat Florian Freund (SPD) die Stichwahl gegen Amtsinhaberin Eva Weber (CSU) gewonnen, und zwar überraschend deutlich. Weber, die seit 2020 im Augsburger Rathaus regierte, gelang es lediglich 43,42 Prozent der Stimmen zu holen. Die SPD stellt in Augsburg damit nach 18 Jahren erstmals wieder einen Oberbürgermeister.

    Augsburgs neuer OB Florian Freund: „Vor uns liegen große Aufgaben“

    Freund sagt, es habe eine Wechselstimmung in der Stadt gegeben. „Vor uns liegen große Aufgaben. Wir haben versprochen, dass wir Augsburg wieder in Ordnung bringen werden.“ Dies müsse nun als Politik umgesetzt werden. Im Wahlkampf hatte Freund stark darauf abgestellt, dass Infrastrukturprojekte wie die Theatersanierung und der Bahnhofstunnel teurer wurden, und der schwarz-grünen Stadtregierung fehlende Gestaltungskraft vorgeworfen.

    Weber führt ihre Niederlage in einer ersten Reaktion unter anderem auf mangelnde Mobilisierung des eigenen Wählerlagers zurück. „Viele haben sich wohl gedacht, das wird schon“, sagt sie. Sie sei sechs Jahre lang gerne Oberbürgermeisterin für die Augsburger gewesen. Vieles sei gelungen, im Wahlkampf seien dann aber stark die Dinge thematisiert worden, die nicht so gut funktioniert hätten. Dieses Bild sei wohl stärker in den Köpfen hängen geblieben als ihre Erzählung, die Zuversicht ausstrahlen wollte.

    Spannend bis zuletzt war es in Neuburg, wo Gerhard Schoder und Matthias Enghuber in die Stichwahl mussten.
    Spannend bis zuletzt war es in Neuburg, wo Gerhard Schoder und Matthias Enghuber in die Stichwahl mussten. Foto: Barbara Wild

    Mit Spannung erwartet worden war auch das Stichwahlergebnis in Neuburg an der Donau. Würde die Große Kreisstadt tatsächlich einen grünen Oberbürgermeister bekommen? Schon vor zwei Wochen lag eine Sensation in der Luft: Schließlich hatte Gerhard Schoder, gemeinsamer Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen und SPD, 38,4 Prozent der Stimmen geholt – und damit mehr als CSU-Kandidat Matthias Enghuber, der auf 33,5 Prozent gekommen war.

    Schoder: „Es fühlt sich noch nicht ganz real an“

    Am Sonntag dauert es nicht lange, bis die Sensation dann sichtbar wird: Schoder ist neuer Oberbürgermeister. Unerwartet schnell manifestiert sich bei der Auszählung ein Vorsprung von fast zehn Prozent. Der grüne Balken im Rathaus, das seit 24 Jahren unter CSU-Herrschaft war, bleibt am Ende bei 58,8 stehen. Enghuber kommt auf 41,2 Prozent der Stimmen. Während die wartende Menge ein Stück weit sprachlos ist angesichts dieser Ereignisse, ist der Sieger gar nicht da. Er wartet mit seinem Wahlkampfteam in einer Bar in der Innenstadt. Erst, als sein Sieg amtlich ist, kommt er ins Rathaus. „Bravo Gerhard“-Rufe schallen ihm entgegen, es wird gratuliert und gejubelt. Schoder bleibt ganz konzentriert und sachlich. „Es fühlt sich noch nicht ganz real an. Es gibt viel zu tun, aber es wird eine tolle, spannende Zeit“, sagt er. Erst bei der Wahlparty nach dem offiziellen Teil erlaubt er sich eine Sieger-Geste. Jetzt muss er die Hoffnungen auf den Wechsel, den die Neuburger mit ihm verbinden, auch erfüllen.

    Christian Schoch (rechts) gewinnt, Amtsinhaber Thomas Kiechle ist abgewählt.
    Christian Schoch (rechts) gewinnt, Amtsinhaber Thomas Kiechle ist abgewählt. Foto: Ralf Lienert

    In Kempten herrscht am Abend großer Jubel bei den Freien Wählern. Die Vertreter der CSU sind geschockt, als das Ergebnis in der Wahlzentrale verkündet wird: Herausforderer Christian Schoch (Freie Wähler) hat sich in der Oberbürgermeister-Stichwahl mit 55,0 Prozent der Wählerstimmen gegen den amtierenden Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) durchgesetzt. Der kommt auf 45,0 Prozent. „Es war eine demokratische Wahl und ein deutliches Ergebnis, das ich akzeptieren muss“, sagt Kiechle. Dennoch habe er in den vergangenen Wochen viel Rückhalt gespürt. Schoch dagegen zeigt sich nicht überrascht vom Ergebnis: „Ich habe es erwartet, denn ich habe in den vergangenen Wochen eine Wechselstimmung gespürt.“

    Schoch nach der Stichwahl in Kempten: „Ich habe es erwartet“

    Amtsinhaber Kiechle, der seit 2014 auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, hatte vor zwei Wochen im ersten Wahlgang nur 36,6 Prozent der Wählerstimmen erhalten und sein Herausforderer Schoch 31,0 Prozent. Für die anderen drei Kandidaten von Grünen, SPD und ÖDP hatte es für die Stichwahl nicht gereicht. Kiechle musste bei seiner dritten Kandidatur als Oberbürgermeister das erste Mal in die Stichwahl. Der 41-jährige Schoch ist Vater zweier Kinder und arbeitete bislang als Personalmanager bei einem Kemptener Unternehmen. Von 2018 bis 2021 war er bereits in der Kemptener Stadtverwaltung als Personalamtsleiter tätig.

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