In Europa sind in diesem Winter so viele Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Nach einer offiziellen Statistik starben in den Alpen und in anderen europäischen Gebirgen seit Anfang Oktober mindestens 135 Menschen, weil sie unter Schneemassen verschüttet waren. Unter den Toten sind auch mehrere Menschen aus Bayern.
Traditionell hört in vielen europäischen Skigebieten die Saison an Ostern auf. Auch am vergangenen Wochenende gab es noch einmal einige Unglücke. Besonders hart betroffen war in diesem Winter Italien, wo insgesamt 38 Lawinentote gezählt wurden - vor allem in Südtirol, das auch bei deutschen Alpinsportlern sehr beliebt ist. Dort ereignete sich auch das schlimmste Unglück: Beim Aufstieg zur 3.545 Meter hohen Vertainspitze im Ortler-Gebirge wurden Anfang November fünf Bergsteiger von Schneemassen mitgerissen und getötet. Alle fünf kamen aus Bayern. Unter den Opfern befanden sich eine junge Frau, deren Freund und dessen Vater aus dem Allgäu.
Mehrere Menschen aus Bayern starben diesen Winter bei Lawinenabgängen
Bei der Lawine, die die fünf Bergsteiger verschüttete, handelte es sich um eine sogenannte Schneebrettlawine, die durch den Temperaturanstieg am 1. November ausgelöst wurde. Andere Faktoren haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei dem Lawinenabgang keine Rolle gespielt.
Im März 2026 kam es im italienischen Alpenraum zu einem Lawinenabgang, bei dem ein Skitourengeher aus Ascholding in Oberbayern ums Leben kam. Ein weiterer Mann aus München konnte bei dem Lawinenabgang noch lebend geborgen werden.
In den Allgäuer Alpen starb im Februar ein Mann aus Augsburg bei einem Lawinenabgang am Iseler bei Bad Hindelang. Es ist der einzig bekannte tödliche Unfall in Bayern in diesem Winter. Der Tote wird aktuell nicht in der offiziellen Statistik vom European Avalanche Warning Service (EAWS) aufgeführt. Warum das so ist, lies sich nicht klären.
Der davor letzte tödliche Lawinenabgang in Deutschland war nach Angaben des Lawinenwarndiensts Bayern im Januar 2024. Ein Schneebrett riss einen Skitourengeher bei der Abfahrt vom Linkerskopf in den Allgäuer Hochalpen mit. Seit 2020 starben in den bayerischen Alpen demnach sechs Menschen durch Lawinenabgänge. In Italien, Österreich und der Schweiz sind die Zahlen jährlich meist deutlich höher. Der Winter 2025/26 sticht mit mindestens 135 Toten in ganz Europa jedoch deutlich hervor.
Fast doppelt so viele Tote wie im Winter 2024/25
Zum Vergleich: Im vorigen Winter 2024/25 gab es in Europa insgesamt 70 Lawinentote. Diese Saison waren es also fast doppelt so viel. Zuletzt wurden 2017/18 noch mehr Todesopfer gezählt: insgesamt 147. Die Statistik stammt vom European Avalanche Warning Service (EAWS), einem Zusammenschluss der nationalen Lawinenwarndienste verschiedener Länder und wird jedes Jahr erstellt.
Demnach starben in Frankreich im Laufe der vergangenen Monate 31 Menschen durch Lawinen, in Österreich 30 und in der Schweiz 15. Berücksichtigt wurden auch Unglücke, die sich außerhalb der Alpen ereigneten: zum Beispiel im Apennin in Italien oder weiter östlich in Europa in den Karpaten.
Experten vermuten Klimawandel als einen der Gründe
Als einer der Gründe für die höhere Zahl an Todesopfern wird von Experten der Klimawandel genannt. Demnach verändern sich die traditionellen saisonalen Rhythmen durch höhere Temperaturen, weshalb der Schnee nicht mehr so fest ist. Zudem verbinden sich Altschnee und Neuschnee nicht mehr so gut. Außerdem gebe es stärkere Winde, so dass sich oft gefährlicher Treibschnee ansammelt, heißt es.
Hinzu kommt, dass Skitouren und Abfahrten außerhalb der präparierten Pisten seit einiger Zeit beliebter werden. Unter den Lawinentoten dieses Jahres waren ungewöhnlich viele Tourengeher. Insbesondere an Steilhängen in hochalpinem Gelände mahnen die Lawinenwarndienste zu großer Vorsicht.
Auch an Ostern noch einmal mehrere Unglücke
In den meisten europäischen Skigebieten ist die Saison nach dem Osterwochenende vorbei. In höheren Lagen und auf Gletschern ist Skifahren oft aber noch bis Anfang Mai möglich. Einige Gletschergebiete ermöglichen Abfahrten auch im Sommer.
Zu Ostern gab es zuletzt mehrere Unglücke. So wurde an der 3.059 Meter hohen Grabspitze in Südtirol ein 37 Jahre alter Tourengeher erfasst. Der Mann war eineinhalb Meter tief unter Schnee begraben. Dank seines Ortungssenders wurde er verhältnismäßig schnell nach oben gebracht. Trotzdem musste er in kritischem Zustand ins Krankenhaus geflogen werden.
Dringend empfohlen wird von Bergwacht, Alpenvereinen und anderen Experten, bei Touren in hochalpinem Gelände Schaufel, Sonde und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) mit sich zu führen. Dies kann lebensrettend sein: Wenn eine Lawine zum Stillstand kommt, sind fast alle Verschütteten noch am Leben. Alles Weitere hängt dann davon ab, wie schnell man gefunden wird: Nach 15 Minuten werden 90 Prozent noch lebend gerettet. Danach nimmt die Zahl rapide ab. (mit dpa)
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