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Winter
06.02.2022

11 Menschen sterben bei Lawinenabgängen in den Alpen

In Schmirn unterhalb der Gammerspitze gab es einen gewaltigen Lawinenabgang. Rettungskräfte versammelten sich daraufhin, um nach Verschütteten zu suchen.
Foto: Zeitungsfoto.At, dpa

In den Alpen sind seit Freitag elf Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen. Was genau passiert ist und wie man im Allgäu die aktuelle Lage einschätzt.

Es sind dramatische Nachrichten, die nicht nur Wintersport-Begeisterte schockieren: Seit Freitag starben in Österreich neun Menschen durch Lawinen. Acht Todesfälle gab es allein in Tirol, einen in Vorarlberg, wie die Polizeistellen berichteten. Auch in Bayern kam ein Wintersportler ums Leben, ebenso in der Schweiz. In Tirol sowie weiter westlich im ganzen Alpenkamm bis ins Wallis in der Schweiz galt auch am Sonntag Alarmstufe 3 von 5. Das bedeutet: erhebliche Lawinengefahr.

Im Allgäu ist man angesichts dieser Vorfälle angespannt. Benno Wechs, Obmann der Lawinenkommission in Bad Hindelang, spricht von einer „sensiblen Situation“, auch, wenn die Lawinenwarnzentrale die Gefahr in den Allgäuer Alpen heruntergestuft habe. „Die Lage ist nicht einfach einzuschätzen“, sagt Wechs.

Aufkommender Wind habe Schneeverfrachtungen begünstigt

Auch Luggi Lacher von der Bergwacht Oberstdorf ist der Ansicht, dass man die Situation nicht verharmlosen dürfe. Aufkommender Wind habe Schneeverfrachtungen begünstigt und der Wind gelte als „Baumeister der Lawinen“. Zudem sollen bis Dienstag in den Allgäuer Alpen 30 Zentimeter Schnee fallen. Das verschärfe die Situation noch einmal. Im Allgäu gilt in unteren Lagen derzeit die Warnstufe 1, in Höhenlagen Stufe 2.

Statistisch gesehen passierten bei Alarmstufe 3, wie sie derzeit in Tirol gilt, zwei Drittel der Lawinenunfälle, erklärt Rudi Mair, der Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. „Diese statistische Tatsache zeigt gerade auch die Gefährlichkeit dieser Lawinengefahrenstufe auf.“ Die Geschehnisse der vergangenen Tage machen diese Gefahr besonders deutlich: Am Samstag war in Schmirn, rund 40 Kilometer südöstlich von Innsbruck, ein Mitglied einer einheimischen Skitourengruppe bei einem Lawinenabgang tödlich verunglückt. Vier weitere Verschüttete konnten ausgegraben und ins Krankenhaus gebracht werden. In der Nacht zu Samstag bargen Retter kurz nach Mitternacht die Leichen eines Ehepaars in einem Lawinenkegel. Angehörige hatten die Bergrettung alarmiert, weil die beiden von einer Skitour in der Tiroler Wildschönau nicht zurückgekommen waren.

Verschütteter ruft per Handy seinen Freund an

Bereits am Freitag waren fünf Skisportler aus Schweden sowie ein einheimischer Bergführer im Skigebiet Ischgl/Samnaun an der Grenze zur Schweiz außerhalb der Pisten unterwegs und wurden von einer Lawine mitgerissen. Ein Schwede wurde nur zum Teil verschüttet und konnte per Handy einen Freund in seinem Heimatland alarmieren, der für den Einsatz der Bergrettung sorgte. Der 42-Jährige mit dem Handy überlebte als einziger.

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Auch außerhalb der Pisten, aber mit einem staatlich geprüften Snowboardführer, war am Freitag eine vierköpfige Gruppe im Skigebiet Albona am Berg Knödelkopf in Vorarlberg unterwegs, als eine Lawine herab donnerte. Für einen 43-Jährigen kam nach Polizeiangaben trotz Lawinenairbag jede Hilfe zu spät.

Auch deutsche Wintersportler gerieten am Freitag in Österreich in eine Lawine. Sie waren mit Dänen und Schweden in einer siebenköpfigen Gruppe im Ötztal unterwegs, wie die Polizei berichtete. Ein gewaltiges Schneebrett riss fünf von ihnen mit. Sie hätten zum Teil ihre Lawinen-Airbags ausgelöst und seien schnell befreit und in ärztliche Behandlung gebracht worden.

Mann stirbt bei Lawine im Berchtesgadener Land

In Bayern gab es ebenfalls ein tödliches Unglück. Ein Mann aus Österreich starb nach einem Lawinenabgang im Berchtesgadener Land. Ein zweiter Österreicher kam mit schweren Verletzungen in eine Klinik, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Die Skitourengeher waren am Mittag in der Nähe von Ramsau bei Berchtesgaden im Aufstieg über das Sittersbachtal auf das 2468 Meter hohe Steintalhörndl. Etwa 150 Meter vor dem Gipfel löste sich ein massives Schneebrett und riss die beiden Tourengeher, 61 und 41 Jahre alt, mit.

Die aktuellen Lawinenunglücke in den Alpen lösen Erinnerungen an den Februar vor 70 Jahren aus. Tagelange Schneestürme legten 1952 das öffentliche Leben im Allgäu weitgehend lahm. In der Nacht zum 11. Februar, einem Montag, ereignete sich dann eine der folgenschwersten Lawinen-Katastrophen im nördlichen Alpenraum: Am Südhang des Hohen Ifen oberhalb des Kleinwalsertals rasten gewaltige Schneemengen über eine Strecke von 800 Metern zu Tal und verschütteten drei Hütten im Bereich der Melköde. 19 Menschen waren auf der Stelle tot, drei schwer verletzt. Eine Frau erlag einen Tag später im Krankenhaus Sonthofen ihren schweren Verletzungen. Zu den Todesopfern gehörten auch ein Hüttenwirt und seine Frau. Die meisten Opfer waren Skitouristen, die am Sonntag in den kleinen Weiler Melköde in 1343 Metern Höhe aufgestiegen waren, dort in Hütten übernachteten und von der Katastrophe im Schlaf überrascht wurden.

Der Februar vor 70 Jahren war im Allgäu der schneereichste seit Menschengedenken. In jenen Tagen wurden an der Oberstdorfer Station des Deutschen Wetterdienstes 1,80 Meter Schnee gemessen. Zum Vergleich: Im schneereichen Winter 1998/99 mit der Lawinenkatastrophe im Tiroler Galtür waren es 1,50 Meter. Der Straßen- und Bahnverkehr war im Februar 1952 in weiten Teilen des Allgäus vollständig zum Erliegen gekommen. (mit dpa)

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