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Internet der Dinge

08.03.2018

Jetzt kommt das Smart-Home für alle

"Alexa"-Lautsprecher von Amazon: Das Smart-Home bekommt eine einfaches offenes Betriebssystem.
Bild: Britta Pedersen (dpa)

Die hightech-gesteuerte Wohnwelt war bislang ein Luxus für wenige. Doch jetzt wird die Technik bequem, wohnlich und günstig. Woran das liegt.

Endlich Feierabend: Die Farbe des Lichts wechselt je nach Stimmung, entspannend cool wie in der Lounge oder gemütlich wärmend mit Kerzenschein-Atmosphäre. Nicht nur das Licht auch fast jedes andere Gerät im Haus folgt dem Besitzer gemütlich von der Couch aufs Wort. Die Hifi-Anlage spielt ein paar Wunschsongs aus einer Auswahl von Millionen Titeln. Dazwischen verrät die Stimme aus dem Lautsprecher, wann der Auflauf im Ofen oder die Wäsche in der Waschmaschine fertig ist. Die Rollläden gehen ebenso auf Zuruf elektrisch nach unten, die Gartenbeleuchtung erlischt, so wie der Heizungsthermostat genau zwei Grad kuscheliger heizt. Der ferngesteuerte Luftbefeuchter lässt einen Hauch Blutorange durch den Raum wehen.

Smart-Home: Von der Spielerei zum Trend

Das digital gesteuerte "Smart-Home" war erst eine Spielerei. Dann ein Luxus oder eine große Investition für jene, die für viel Geld ein neues Eigenheim bauten und gleich auf der Höhe der Zeit sein wollten. Mancher Bauherr ließ dafür extra Kabelstränge verlegen, deren Länge sich auf Kilometerlängen summierte. Doch im vergangenen Jahr kam die Wende und ein regelrechter Boom begann: Die neuen Errungenschaften der digitalen Heimtechnik werden langsam erschwinglich und nachrüstbar für Jedermann – egal ob im Neubau oder der Altbaumietwohnung. Und vor allem wird das Smart-Home endlich wohnlich, bequem und gemütlich.

Lange versprühte Smart-Home eher den Charme von kühlem Science-Fiktion-Fantasien – oft gepaart mit Sicherheitstechnik ausgeklügelter Alarmanlagen und digitalwachsamer Wassernotabsperrventile im Keller. Die Steuerung des Smart-Home erinnerte eher an die Zentrale einer Industrieproduktionsanlage, wenn ein Bildschirm die Daten des momentanen Stromverbrauchs an jeder einzelnen Steckdose auf einen Blick ausspuckte. Und die Vollautomatisierung, etwa mit automatisch bei Dämmerung schließenden Rollos oder per Bewegungsmelder anspringenden Lampen, nervte manchen Besitzer dann mit Zeit, nachdem dem die erste Faszination für die neue Technik verflogen war.

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Nun aber beginnt ein massenhafter Ansturm auf das elektronisch-intelligente Zuhause. Ein Fünftel aller deutschen Haushalte besitzt inzwischen mindestens ein Smart-Home-Gerät: Im vergangenen Weihnachtsgeschäft waren smarte Beleuchtungssysteme in vielen Geschäften ausverkauft, und weltweit hat der "Megatrend", wie ihn Experten nennen, viele Millionen Menschen angesteckt. Ausgelöst hat jüngsten Boom der Internetriese Amazon mit seinem Sprachsteuerungssystem Alexa.

Jeder fünfte Deutsche hat ein Smart-Home-Gerät

Es war nicht nur allein die Erfindung, der redenden Lautsprecher namens "Echo", die auf Kommando Musik aus dem Netz streamen, Antworten auf Fragen nach dem Wetter oder Nachrichten geben und eben auch elektrische Geräte steuern können. Vor allem füllt Amazons Sprachsoftware Alexa eine riesige klaffende Lücke aus: Endlich gibt es für die Smart-Home ein offenes, für jedermann einfach bedienbares Betriebssystem und zugleich einen neuen gemeinsamen Standard für alle erdenklich Arten von Gerätschaften.

Genau das hatte vorher gefehlt. Zwar hatte beispielsweise der IT-Konzern Apple schon vor vier Jahren die auf iPad-Benutzer ausgerichtete Smart-Home-Plattform "Apple HomeKit" auf den Markt gebracht. Das System konnte sich jedoch nicht in der breiten Masse durchsetzen. Apple machte den Herstellern von Smart-Home-Haushaltsgeräten rigide Vorschriften für die technischen Schnittstellen machte, sodass der Kreis der kompatiblen Geräte bis heute überschaubar ist. Die Alternative waren entweder teuere Touchscreen-Systeme, bei denen unterschiedliche Systeme verschiedener Hersteller von Spezialisten aufwendig aufeinander abgestimmt werden mussten. Die andere Alternative war auf dem Smartphone statt einem Programm für alle Geräte, das Smart-Home mit ein Sammelsurium verschiedener Apps jeweils unterschiedlich zu steuern.

Alexa dagegen entwickelt sich für das "Internet der Dinge" zu einem neuen gemeinsamen Standard, ähnlich wie es Googles Android für die Smartphone-Welt gelang: Eine im Prinzip kostenlose Steuerungssoftware, die sowohl für Kunden, Entwickler und Industrie völlig offen und quasi gratis zum Gerät mitgeliefert wird. Denn Alexa läuft nicht nur auf Amazons Echo-Geräten sondern auch auf den Streaming-Lautsprechern des aufstrebenden US-Unternehmens Sonos, das die HiFi-Branche derzeit ähnlich durcheinanderwirbelt wie der Elektroautobauer Tesla die Automobilbranche aufmischt.

Smart-Home vor allem in Deutschland und den USA

Die Smart-Home-Revolution findet derzeit vor allem in Deutland und den USA statt. Denn für Amazon ist Deutschland der zweitwichtigste Markt der Welt. So sind Deutsch und Englisch derzeit die einzigen Sprachen die Alexa beherrscht, Japanisch soll dieses Jahr folgen. Und auch wenn Datenschutzbedenken in Deutschland am größten sind, und mancher Unbehagen angesichts angeschalteter Mikrofone empfindet, dürfte Amazon hierzulande bereits mehrer Millionen seiner Echo-Lautsprecherverkauft haben. Auch wenn sich der Konzern darüber in Schweigen hüllt und erklärt, weltweit seien es "mehrere zehn Millionen.

Mit Alexa bewegt sich die Steuerung des Smart-Homes vom Touchscreen weg, und erfolgt per Stimme und Sprache. Amazon hatte für den Erfolg nicht nur gigantische Investitionsmöglichkeiten in Forschung und Entwicklung. Sondern ebenso eine gewaltige Marktmacht, sein System durchzusetzen. Denn der US-Konzern ist gleichzeitig einer der größten Händler für kompatible Smart-Home Geräte. Über tausend internationale Hersteller kooperieren bereits mit Alexa. Denn die technischen Voraussetzungen sind überschaubar: Viele Geräte, die bereits über Smartphone-Apps fernsteuerbar waren, sind dank kostenloser Entwicklungsprogramme von Amazon einfach für die Sprachsteuerung umrüstbar: Eines der erfolgreichsten Beispiels ist dabei das spektakuläre Beleuchtungssystem Philips "Hue".

Viele internationale Hersteller kooperieren mit Alexa

Das Lampensystem des niederländischen Konzerns schöpft das ganze Potenzial moderner LED-Technik aus. Farbtaugliche Hue-Glühlampen können nicht nur in allen Tönen von Kalt- bis Warmweiß leuchten, sondern per Fernsteuerung in 16 Millionen verschiedene ineinander fließenden Farbtöne erstrahlen. Damit wird Licht, dass die Wände in Farben tönt, zu einem ständig veränderbaren Mittel der Innenarchitektur. In fast jedem Wohnzimmer lassen sich damit spielend Lichtstimmungen wie in Bars, Luxushotels oder In-Restaurants erzeugen, bis hin zur natürlichen Sonnenuntergangs Atmosphäre erzeugen. Und das Bad verwandelt nur durch Licht in ein Spa-Center. Ein Befehl wie "Alexa: Wohnzimmer 30 Prozent" dimmt sofort das Licht. Dabei werden alle Lampen – auch LED-Leuchtstreifen für indirekte Beleuchtung – mit einem Befehl angesteuert, das heißt das komplizierte Verkabelungen und Dimmer entfallen. Im Amazon-Lautsprecher Topmodell "Echo-Plus" ist sogar die Funkfernsteuerung für Lampentechnik, der sogenannte "Hub" enthalten.

Mit rund 50 Euro bedeuten die einzelnen Farb-Glühbirnen zwar eine ordentliche Anfangsinvestition. Allerdings sollen die Lampen bei durchschnittlicher Nutzung mindestens zehn Jahre halten, so dass die LED-Lampen durch den Stromspareffekt aber günstiger als herkömmliche Glühbirnen sind. Auch Osram und Ikea bieten ähnliche Systeme an, die dank einem gemeinsamen Funkstandard in gewissen Maßen sogar untereinander kompatibel sind. Licht ist vielleicht der entscheidnset Smart-Home-Faktor, weil er die Sinne Sehen und Fühlen anspricht – zumal die Alexa tauglichen Lautsprechersysteme gleich noch das Hören mit dem Angebot verschiedener Musik-Streaming-Dienst mitbringen.

Die Zahl der Hersteller, die auf Alexa setzen wächst wöchentlich. Der Haugeräte-Hersteller Miehle zum Beispiel bietet inzwischen für fast jedes seiner neuen Produkte für 99 Euro ein einsteckbare Modul an, um es an das Smart-Home-Netzwerk anzuschließen.

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