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Bächingen

19.12.2018

80 Jahre Einsatz für Bächingen und die Natur

Am Donnerstag feiert Wilhelm Rochau seinen 80. Geburtstag. Den Ehrentag selbst will er im kleinen Kreis seiner Familie verbringen. Am Samstag wird es eine große Feier im Mooseum in Bächingen geben. 125 Gäste sind eingeladen.
Bild: Andreas Schopf

Wilhelm Rochau feiert am Donnerstag Geburtstag. Sein Leben ist geprägt von viel Engagement und zwei Schicksalsschlägen.

Wie fühlt es sich an, 80 zu werden? Wilhelm Rochau muss überlegen. „Ja mei“, sagt er, nimmt das Heft, das vor ihm auf dem Tisch liegt, in die Hand und streicht über den Titel „Im Fluss der Zeit“. „Das muss man hinnehmen.“ Er überlegt noch einmal, dann ergänzt er: „Man ist froh und dankbar, dass man lebt und noch aktiv sein kann.“

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Aktiv ist Rochau sein ganzes Leben lang gewesen. Am Donnerstag, 20. Dezember, feiert der Bächinger seinen 80. Geburtstag. Anlass für ihn, zurückzublicken – auf ein Leben, das geprägt war vom Engagement in der Politik, in Vereinen und vor allem für die Natur.

Da ist zum einen die Politik. Seit 1964 ist er Mitglied der CSU. Zwei Jahre später, im Alter von 28, wird der gelernte Maurer in den Gemeinderat gewählt. 1970 wird Rochau Bürgermeister von Bächingen. Sechs Mal bestätigen ihn die Bürger im Amt. Erst 2002 lässt sich Rochau nicht mehr aufstellen.

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Das Singen ist seine größte Leidenschaft

Mit ein Grund für diesen Entschluss ist die Gesundheit. Im Jahr zuvor stellen Ärzte bei ihm eine schwere Gehirnhautentzündung fest. Es besteht Lebensgefahr. Rochau wird notoperiert und überlebt. Es ist nicht der einzige gesundheitliche Rückschlag, den er erleiden muss. 2005 schlägt ein Arzt bei einer Vorsorgeuntersuchung Alarm. Rochau bekommt die Diagnose: Prostata-Krebs. „Das war ein Schock“, sagt er heute. Wieder muss er sich einer Operation unterziehen. Rochau besiegt den Krebs, bis heute, wie er sagt. Die Schicksalsschläge haben seinen Blick auf das Leben verändert. Auch wenn es mittlerweile hier und dort im Körper zwickt – Rochau weiß: „Es gibt Schlimmeres.“

Kraft zieht er aus seinen Hobbys. Seine größte Leidenschaft ist das Singen. Seit er 16 ist, ist Rochau Mitglied im Gesangverein Bächingen. Auch ein eigenes Liederbuch hat er bereits herausgegeben. Drucken lassen hat er außerdem seine Gedichte – das Dichten gefällt ihm ebenso wie das Singen. Weitere Hobbys sind unter anderem Wandern und Schwimmen.

Ganz besonders am Herzen liegt ihm die Natur. Schon als Bürgermeister habe er diesen Aspekt besonders im Auge gehabt, sagt Rochau. Er erzählt von den Folgen der Brenzbegradigung Ende der 60er-Jahre, und wie durch das Anlegen eines Biotops wieder neuer Lebensraum geschaffen wurde. Im Ruhestand gilt sein Fokus der Umwelt-station Mooseum. Rochau leitet als Vorsitzender des Fördervereins dessen Geschicke. Nach wie vor bringt er Schulklassen den Umweltschutz in Führungen nahe und hält Vorträge. Rochau ist bewusst, dass die Arbeit der Umweltstation nicht immer auf Gegenliebe stößt, etwa in der Landwirtschaft. „Wir legen den Finger in die Wunde.“ Aber man wisse, warum man sich engagiere. Man müsse der Verantwortung für nachfolgende Generationen gerecht werden, sagt Rochau.

Jetzt, mit 80 Jahren, möchte er jedoch langsam kürzertreten. Im kommenden März wird er nicht mehr zur Wahl des Mooseums-Vorsitzenden antreten, sein Nachfolger steht mit Reinhold Wilhelm bereit. „Ich möchte mich aber, solange es geht, noch als Kassierer beteiligen“, sagt Rochau. Er engagiert sich in zahlreichen weiteren Vereinen und Verbänden, unter anderem Bund Naturschutz, Rotes Kreuz, Verkehrswacht, Gartenbau-, Musik- und Schwäbischer Albverein.

Bächingen: Große Geburtstagsfeier für Wilhelm Rochau

Einige Vertreter davon werden am kommenden Samstag ins Mooseum nach Bächingen kommen, wo Rochau seinen Geburtstag groß feiern wird. 125 Gäste sind angekündigt, darunter auch Landrat Leo Schrell. Der Musikverein Eintracht Bächingen wird ein Ständchen spielen, der Filmemacher Ulrich Lieber aus Giengen wird einen Film über das Vereins- und Dorfleben von Bächingen präsentieren.

Rochau nimmt das runde Jubiläum zum Anlass, um zusammen mit seinen Gästen zurückzublicken. Mithilfe seiner Tochter hat er ein Heft erstellt, das die vielfältigen Stationen seines Lebens zeigt. Die Kindheit in einfachen Verhältnissen, die Erinnerungen an den Krieg, das politische Wirken in Bächingen, Begegnungen mit Franz Josef Strauß, Papst Paul II., Markus Söder oder Horst Seehofer. Jeder Gast bekommt ein solches Heft. Im Gegenzug wünscht sich Rochau Geldgeschenke zugunsten der Lebenshilfe Dillingen sowie der Kartei der Not, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung. Und was wünscht sich Rochau für sich selbst zum Geburtstag? „Gesundheit, Zuversicht und Gottvertrauen“, sagt er. „Mehr braucht man in diesem Alter nicht mehr.“

Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit Wilhelm Rochau zum zehnjährigen Bestehen des Mooseums.

Lesen Sie auch: Naturschutz durch Blühstreifen in Bächingen

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