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Asyl

16.06.2017

Afghanische Sicherheitskräfte suchen in Wertingen Schutz

Im Haus rechts neben dem ehemaligen, derzeit eingerüsteten Raucherstüble in Wertingen werden in Kürze weitere Kontingentflüchtlinge einziehen, wie es vonseiten der Regierung von Schwaben heißt. Vieles spricht dafür, dass es sich dabei um Sicherheitsleute aus Afghanistan handeln wird.
Bild: Bärbel Schoen

In Wertingen steht ein neues Flüchtlingsheim zur Verfügung. In der Augsburger Straße 21 sollen in Kürze die ersten Personen einziehen. Früher wohnten hier bessergestellte Leute.

Vor knapp zwei Jahren erlebte Wertingen erstmals hautnah die Flüchtlingskrise. Wöchentlich kamen etwa hundert Asylsuchende in der Zusamstadt an. In der Augsburger Straße standen dafür zwei Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung: Der Augsburger Hof diente zunächst als Erstaufnahmelager, heute ist er eine Gemeinschaftsunterkunft. Und das frühere Raucherstüble wurde zu einem Übergangswohnheim für Kontingentflüchtlinge und Spätaussiedler.

Auch wenn der Druck inzwischen nachgelassen hat, wird nach wie vor dringend Wohnraum benötigt. Deshalb hat die Regierung von Schwaben nun ein weiteres Objekt in der Augsburger Straße angemietet, das neben dem Raucherstüble liegt. Die Umbauarbeiten sind vor zwei Tagen vom Eigentümer, dem Bauunternehmen Kimmerle aus Höchstädt, abgeschlossen worden. Karl-Heinz Meyer, Pressesprecher der Regierung von Schwaben, teilte unserer Zeitung mit, dass das Haus Nummer 21 eine Erweiterung des angrenzenden Anwesens bildet.

Wann genau die ersten Kontingentflüchtlinge eintreffen werden, konnte der Pressesprecher allerdings nicht sagen. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab. Die konkrete künftige Belegung der Unterkunft werde sich nach dem jeweils aktuellen Unterbringungsbedarf richten. Außerdem stehe noch nicht abschließend fest, welche Personengruppen einziehen werden.

Vieles spricht dafür, dass es sich um Sicherheitsleute aus Kabul handeln könnte, vermutet Reiner Ritter, Objektleiter bei der Regierung von Schwaben. Die Afghanen müssten seit dem letzten verheerenden Bombenanschlag auf Regierungsgebäude um ihr Leben fürchten. Der Helferkreis um Wolfgang Plarre ist auf den Zuzug neuer Flüchtlinge vorbereitet: „Die letzte Neubelegung liegt noch nicht lange zurück und erfolgte am 23. Mai.“ Bei der neuen Flüchtlingsunterkunft in der Augsburger Straße 21 handelt es sich um ein Haus, das um die Jahrhundertwende gebaut worden ist. Die Handschrift sei unverkennbar die des damals äußerst aktiven Baumeisters Andreas Balletshofer, sagt Alfred Sigg, Geschichtsforscher in Wertingen. Balletshofer sei für Wertingen stilprägend gewesen: „Er baute den Augsburger Hof, das ehemalige Amtsgericht, die Villa Klein in der Dillinger Straße sowie einige Villen in der Augsburger Straße.“ Anfang des 19. Jahrhunderts seien überwiegend bessergestellte Leute, teils aus dem Umland, nach Wertingen gezogen, um sich in der Augsburger Straße niederzulassen. Der kunstvolle Fachwerk-Erker von Nummer 21 spreche für den Wohlstand des Bauherrn.

Für den Umbau dieses Hauses zeichnet Melanie Feistle-Trägner aus Weisingen verantwortlich. Die Architektin war im Auftrag des Unternehmens Kimmerle tätig. Neben dem Erhalt stilprägender Details musste sie vor allem auf Brandschutzmaßnahmen achten: „Die Türe zum Treppenhaus mussten wir aus sicherheitstechnischen Gründen austauschen. Sie ist nun brandsicher. Das Treppenhaus dient als Fluchttreppe.“

Dagegen seien die übrigen Innentüren, „schöne alte Holztüren“, belassen worden. Zu den Umbauarbeiten zählte die Erneuerung von Fenstern und Böden. Außerdem seien Installationen und Elektrovorrichtungen durchgeprüft und auf den neuesten Stand gebracht worden.

Objektleiter Reiner Ritter von der Regierung von Schwaben war am vergangenen Mittwoch vor Ort, um mit der Architektin das neue Wohnheim in Augenschein zu nehmen. Ritter betreut neben den Wertinger Wohnheimen weitere in Tapfheim und Asbach-Bäumenheim. Das Haus kann 14 Menschen aufnehmen, im Notfall auch mehr. Auf zwei Etagen befinden sich jeweils drei Zimmer, die von Familien oder Einzelpersonen genutzt werden können. Auf jedem Stockwerk wurde eine Gemeinschaftsküche eingebaut.

Aktuell sind in Wertingen 76 Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Türkei und Somalia von der Regierung untergebracht: Augsburger Hof (60, Platz für 69), Raucherstüble (16, Platz für 22).

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