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Landkreis Dillingen

22.03.2019

Als Orkan Wiebke wütete und das Zusamtal geflutet war

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In den Wäldern des Landkreises hat Orkan Wiebke am 1. März 1990 gewütet. Ein verheerendes Bild bot sich hinterher im Medlinger Hart, der von dem Sturm zerstört wurde.
Bild: DZ-Archiv

Plus Katastrophenschutz-Experte Peter Bohmann erinnert anlässlich des Weltwettertags an Hochwasser und Unwetter im Landkreis Dillingen. Zur grundsätzlichen Wetterlage in der Region hat er eine klare Meinung

Lassen Sie uns heute mal über etwas Alltägliches reden – das Wetter. Dazu gibt es an diesem 23. März einen besonderen Anlass. Denn am Samstag ist der Internationale Tag der Meteorologie, auch Weltwettertag genannt. Und das Wetter soll diesem Datum ja vollauf gerecht werden, denn die Wetterfrösche kündigen am Wochenende Sonnenschein und Temperaturen bis zu 20 Grad an. Aber wie ist das Wetter grundsätzlich bei uns im Dillinger Land und im Zusamtal? Die anhaltende Trockenheit des vergangenen Sommers hat viele Menschen ins Grübeln über die Folgen des Klimawandels gebracht. Und auch die Region wird immer wieder von Unwettern heimgesucht. Damit hat Peter Bohmann im Dillinger Landratsamt Erfahrung. Seit 1985 ist er mit dem Katastrophenschutz in der Region betraut. Und gleich nach dem Beginn dieser Tätigkeit erlebte der heutige Fachbereichsleiter die Folgen des Zusam-Hochwassers – für Bohmann immer noch das heftigste Hochwasser der jüngeren Zeitrechnung in der Region. Bei den Unwettern liegt für den Experten Orkan Wiebke an der Spitze. Er wütete am 1. März 1990 und richtete auch im Landkreis massive Schäden an Gebäuden und in den Wäldern an. Bohmann hat auf Anfrage unserer Zeitung eine Liste mit größeren Überschwemmungen und Unwettern während der vergangenen dreieinhalb Jahrzehnte erstellt:

Man konnte an einen Hurrikan denken

28. bis 29. Mai 1985, Zusam-Hochwasser Wenn man Bilder aus unserer Zeitung aus Oberthürheim und Wertingen betrachtet, denkt man an eine Naturkatastrophe in den USA, etwa einen Hurrikan. Im Mai 1985 war ein Jahrhundert-Unwetter der Auslöser für ähnliche Bedingungen im Zusamtal. Die Boote der Feuerwehr fuhren damals durch die Straßen. Bis zu den Knien standen Bewohner im Hochwasser. In den Gärten und in den Kellern der Anwohner sah es auch Tage danach noch aus wie auf einem Schlachtfeld.

Februar und März 1990 Die beiden Orkane „Vivian“ und „Wiebke“ fegten über den Landkreis hinweg. Die Schäden im Wald waren gewaltig. Der Orkan Vivian soll 10000 Festmeter Holz zerstört haben, bei „Wiebke“ ist der Schaden um ein Vielfaches höher. In Teilen des Landkreises fiel der Strom aus, Schulen blieben geschlossen, die Turmspitze der Bissinger Stadtpfarrkirche wurde verbogen.

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Pfingsthochwasser 1999 Laut Bohmann war dies das erste richtige Hochwasser im Landkreis nach den Überschwemmungen an der Zusam. Die Donau trat über die Ufer, auch Staatsstraßen, etwa von Höchstädt nach Binswangen, mussten gesperrt werden.

26. Dezember 1999, Orkan Lothar Am Zweiten Weihnachtsfeiertag tobte Orkan Lothar mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern. Ein Hausgiebel des Gasthauses Sonne in Lauingen hält dem Sturm nicht stand.

Augusthochwasser 2002 Donauwasser wurde in den Riedstrom ausgeleitet. Das Wasser stand bis zur Gundelfinger Kreissporthalle.

Etwa 15.000 Sandsäcke wurden abgefüllt

Augusthochwasser 2005 Der Landkreis wartete bange auf die Donauflut. Freiwillige Helfer waren bei Blindheim und Sonderheim die ganze Nacht zur Dammsicherung im Einsatz. Rund 15000 Sandsäcke wurden in Blindheim abgefüllt, um gefährdete Teile des Donaudeichs bei Sonderheim zu sichern. „Wir wussten damals nicht, ob die Dämme halten“, sagt Bohmann. Die Sache ging am Ende gut aus.

Januar 2007, Orkan Kyrill Vor zwölf Jahren versetzte der Orkan auch die Menschen im Landkreis Dillingen in Angst. Kyrill wurde medial begleitet wie kein Sturm zuvor, denn das Internet bot hier neue Möglichkeiten. In Live-Tickern war zu lesen, welche Schäden der Orkan angerichtet hatte. „Wir waren in Alarmstimmung“, sagt Bohmann. Am Ende war im Landkreis aber „alles halb so schlimm“.

März 2008, Orkan Emma Das Sturmtief blies heftig und steigerte sich bis Samstagmittag stetig. Lange war unklar, ob die Landkreisausstellung „WIR 2008“ in Dillingen überhaupt eröffnet werden kann. Es gab zwar Schäden im Landkreis Dillingen. Die Bilanz fiel aber nicht so schlimm aus wie befürchtet.

Ein Baum stürzte auf ein Auto - 24-Jährige erliegt ihren Verletzungen

Unwetter am 30. Juni 2012 Die Schlagzeile in unserer Zeitung lautet: „Jahrhundertsturm tobte über dem Landkreis: 24-Jährige im Auto von Baum erschlagen.“ In der Nacht von Samstag auf Sonntag fegte der Sturm zwischen 21 und 22 Uhr über den Landkreis. Danach bot sich ein Bild, als ob ein ausgewachsener Hurrikan gewütet hätte. Die Schneise, die der Sturm schlug, reichte von Bächingen bis Dillingen und ins Kesseltal. Auf der B16 bei Gundelfingen stürzte ein Baum auf das Dach eines vorbeifahrenden Autos. Die 24-jährige Fahrerin starb noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen.

Junihochwasser 2013 Das Ereignis ist Peter Bohmann nicht nur wegen der zeitlichen Nähe im Gedächtnis, sondern auch deshalb, weil es für die Helfer vom 1. bis zum 4. Juni sowie vom 10. bis zum 13. Juni den längsten Einsatz brachte.

Der Georg-Schmid-Ring in Dillingen musste gesperrt werden

Gewittersturm am 7. Juli 2015 Der Gewittersturm legte gegen 22.30 Uhr los. Einzelne Dächer wurden abgedeckt. Am meisten betroffen war der Dillinger Raum. Viele Bäume wurden entwurzelt. Der Georg-Schmid-Ring in Dillingen musste am Tag danach für die Aufräumarbeiten gesperrt werden.

Starkregen am 8. Juni 2016 Das bisher letzte große Unwetter wirkte sich auf einem lokal eng begrenzten Raum aus: Im Landkreis Dillingen traf Starkregen den Wertinger Stadtteil Roggden. „Das war abartig“, sagte Kreisbrandmeister Olaf Dehlau. Der Aufbach im Dorf trat über die Ufer, Anwesen wurden überflutet, 14 Keller liefen voll.

Die Auflistung könne einen falschen Eindruck entstehen lassen, sagt Katastrophenschutz-Fachbereichsleiter Bohmann. Denn Menschen im Landkreis Dillingen dürften bisher nicht über das Wetter klagen. „Wir leben“, wie Bohmann betont, „in einer Gegend, die bei Unwettern bislang immer vergleichsweise glimpflich davongekommen ist.“

Lesen Sie auch: Jahrhundertsturm tobte über dem Landkreis: 24-Jährige im Auto von Baum erschlagen

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