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Kreis Dillingen

16.07.2020

Als Säugling ausgesetzt: So geht es dem Jungen heute

Das Findelkind von Unterglauheim hat sich gut entwickelt.
Bild: dpa (Symbol)

Plus Mehr als 30 Stunden lag ein ausgesetzter Bub alleine in einer Wiese in Unterglauheim. Doch er hat sich gut entwickelt.

Der Start ins Leben war denkbar schlecht. Direkt nach der Geburt ist ein Säugling in einer Wiese in Unterglauheim ausgesetzt worden. Mehr als 30 Stunden lag er einsam im Gras, die Sonne verbrannte seine empfindliche Haut, Zehen starben aufgrund der Kälte ab, Tiere knabberten ihn an. Mindestens 20 verschiedene Keime stellten die Ärzte an und in seinem Körper fest, fünf verschiedene Antibiotika waren nötig, um eine Blutvergiftung in den Griff zu bekommen.

Ausgesetztes Baby litt an Nierenversagen, Austrocknung und Atemproblemen

Dazu kamen eine völlige Austrocknung, Atemprobleme, Nierenversagen, eine Gerinnungsstörung des Blutes sowie ein drohendes Herzversagen. Drei Wochen lang kämpften die Ärzte auf der Intensivstation um das Leben des Jungen. „Mit maximalen Maßnahmen“, wie eine Rechtsmedizinerin vor Gericht aussagt. Derzeit wird der Mutter wegen versuchten Totschlags der Prozess gemacht. Der Bub hatte großes Glück, dass er trotz seines lebensbedrohlichen Zustands und mehrerer Defekte, die allesamt tödlich hätten enden können, überlebt hat. „Das hätte einen völlig anderen Ausgang nehmen können“, betont die Medizinerin.

Doch der Junge scheint dies alles gut weggesteckt zu haben. „Er hat sich prima entwickelt“, sagt sein aktueller Kinderarzt als Zeuge aus. Ein Jahr nach der Geburt und den dramatischen Folgen sei der Bub in einem „sehr guten“ Zustand. „Es geht ihm blendend. Er ist ein fröhlicher und glücklicher Junge“, sagt der Kinderarzt. Rückschläge habe es in den vergangenen zwölf Monaten keine gegeben. Zwei Mal sei der Bub lediglich wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen, dies ist jedoch ausgestanden. Insgesamt ist die Entwicklung etwas verzögert. Momentan könne er noch nicht selbstständig stehen und laufen. Doch dies sei alles im Rahmen, so der Mediziner. Ob er aufgrund seiner drei amputierten Zehen Probleme beim Laufen bekommen wird, werde sich erst in einigen Jahren zeigen. „Er wächst so auf und wird das kompensieren“, ist sich der Arzt sicher. Er lobt die Pflegefamilie des Jungen, die ihre Sache prima mache. „Dort ist er gut aufgehoben.“

Sozialarbeiter von Jugendamt ist der Vormund für Findelkind aus Unterglauheim

Lob gibt es auch von einem Sozialarbeiter des Dillinger Jugendamtes, der Vormund des Kindes ist. „Wir sind sehr zufrieden mit der Pflegefamilie, das hat von Anfang an gut geklappt“, sagt er. Alle vier Wochen besucht der Vormund die Familie. Auch sein Fazit lautet: „Der Junge entwickelt sich gut.“ Anfängliche Verzögerungen in der Entwicklung habe er gut aufgeholt. Wie es mit dem Bub weitergeht, ist noch nicht absehbar. Bis er volljährig ist, könnte er in der Pflegefamilie bleiben. Auch eine Adoption komme theoretisch infrage, so der Mitarbeiter des Jugendamtes.

Körperlich geht es dem Jungen gut. „Ob er je mit der Tatsache fertig werden wird, dass seine Mutter ihn ausgesetzt hat, ist unklar“, gibt Thomas Junggeburth, der Staatsanwalt im Prozess, zu bedenken.

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