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Wertingen

05.05.2019

Alte Landmaschinen haben auch junge Freunde

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4 Bilder
Manche Teilnehmer müssen nur ein paar hundert Meter anreisen. Andere kommen aus Göppingen oder Aalen nach Reatshofen gereist, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und schöne alte Maschinen zu begutachten. „Sie besuchen uns, und wir besuchen sie“, sagt Andreas Huber, Vorsitzender der „Freunde alter Landmaschinen Gottmannshofen“.
Bild: Benjamin Reif

In Reatshofen treffen sich zahlreiche Fans von Bulldog-Oldtimern. Nachwuchssorgen gibt es hier nicht.

Der Bulldog, den Karl Stegmiller aus Laugna zum Oldtimer-Treffen nach Reatshofen gefahren hat, sticht aus den ausgestellten Stücken heraus. Zur Mittagszeit sind bereits über 90 Bulldogs, Unimogs und vereinzelte Motorräder von ihren Besitzern in den Wertinger Ortsteil gefahren worden und stehen nun sauber aufgereiht zur Begutachtung bereit. Die meisten Ausstellungsstücke sind aber deutlich kleiner als Stegmillers Deutz aus dem Jahr 1957. Denn der ist im Vergleich zu den meisten anderen riesig und hat sechs Zylinder, alle luftgekühlt. Der Fachmann weiß, dass ein solcher Riesenbulldog in den 50er-Jahren nicht in der Heimat unterwegs war, sondern irgendwo in Nordamerika. „Wozu hätten die Landwirte in der Region so etwas auch gebraucht?“, fragt Stegmiller rhetorisch. Mit einem solchen Stück erntet man hierzulande eher Bewunderung als Getreide. Eine Gruppe Bekannter steht um Stegmillers Rarität herum. Es wird gefachsimpelt und aus vergangenen Zeiten erzählt, als die versammelten Herren noch junge Burschen waren. Als Stegmillers Deutz 1957 gefertigt wurde, besorgten sich die Landwirte in der Region Wertingen meistens ihre ersten Traktoren. Meistens sehr kleine Modelle, motorisiert mit zehn bis 20 Pferdestärken. Und auch diese seien so manchem schon unheimlich geworden, sagt Stegmiller. So mancher frischgebackene Besitzer eines Bulldogs habe diesen noch mit einem beherzten „Hü-Hott!“ starten wollen. Und stoppen konnte sein Gefährt auch nicht jeder. Also wurde so manche Ehrenrunde um den Hof gedreht, bis der Tank leer war. So erzählt man es sich zumindest im Dorf.

In Reatshofen treffen sich Fans von Bulldog-Oldtimern

Andreas Huber ist Vorsitzender der „Freunde alter Landmaschinen Gottmannshofen“, welche das Treffen seit über zehn Jahren in Reatshofen ausrichten. Er freut sich über die schönen Ausstellungsstücke, die am Sonntag Vormittag in Reatshofen von hunderten Besuchern bestaunt, inspiziert und fotografiert werden. Vor allem sind es kleine zweizylindrige Bulldogs, viele sind von ihren Besitzern extra für die Schau liebevoll geputzt und mit Deutschland- oder Bayernfähnchen drapiert worden. Die Maschinen haben teilweise lange Anfahrtstrecken hinter sich – neben Traktoren aus dem Landkreis Dillingen stehen Stücke aus Aalen, Göppingen oder Ulm. Unter den Oldtimerfreunden in Deutschland gelte der Grundsatz der gegenseitigen Besuche, sagt Huber. So werden die Gottmannshofer Vereinsfreunde nicht nur mit der Anwesenheit von außerhalb beglückt, sondern statten diesen auch regelmäßig ihrerseits Besuche ab. Je nachdem, mit welchem Gefährt man unterwegs ist, kann eine Anfahrt dann schon einige Stunden dauern – schließlich bringt manches Ausstellungsstück keine 20 Sachen auf den Tacho – falls es einen solchen überhaupt besitzen würde.

Einen gewissen Generationenwechsel gibt es deshalb auch unter Sammlern, sagt Huber. Die junge Generation wächst in einer schnellebigen Welt auf, und will deshalb auch nicht mehr gar so behäbig unterwegs sein, glaubt er. Ergo stehen bei den jüngeren Freunden alter Landmaschinen Sammlerstücke höher im Kurs, die auch mal 30 oder 40 Stundenkilometer schaffen. Das sei immer noch weit entfernt vom Leistungsvermögen moderner Traktoren, mit denen die junge Generation aufwächst.

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Die Freunde alter Landmaschinen Gottmannshofen freuen sich über viele Besucher

Doch der Nachwuchs scheint an diesem Vormittag auch riesigen Spaß mit den alten Maschinen von Röhr, IHC, Deutz, Eicher oder Porsche. Zahlreiche Familien haben sich eingefunden, und viele Buben und Mädchen veranstalten Trockenübungen auf dem Fahrersitz. So zum Beispiel der dreijährige Manuel Hickl, der mit seinen Großeltern zum Treffen gekommen ist. Gerade turnt er auf einem hochglanzpolierten Traktor von Porsche herum. Energisch bedient er das Lenkrad, während seine Oma Regina Kolb aufpasst, dass er nicht herunterpurzelt. Sein Opa hat zuhause ebenfalls einen Traktor, sagt sie. „Wenn er mit dem Opa auf dem Bulldog eine Runde dreht, hat er die größte Freude.“

Hier gibt es mehr Bilder von der Veranstaltung:

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34 Bilder
Das war bei der Oldtimer-Schau in Reatshofen geboten
Bild: Benjamin Reif

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