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Rosenschloss Gundelfingen

28.06.2017

Aus dem Dornröschenschlaf gerissen

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3 Bilder
Das Schloss Schlachtegg in Gundelfingen stammt aus dem 12. Jahrhundert. Vor 25 Jahren entschieden die Floristenverbände aus Bayern und Baden-Württemberg, hier ihr Bildungszentrum einzurichten. Und holten es damit aus einem Dornröschenschlaf.
Bild: Appel

Vor 25 Jahren fiel die Entscheidung, im Rosenschloss in Gundelfingen ein Bildungszentrum für Floristen aufzubauen. Seitdem gab es viele Höhen und manche Tiefen.

Im Garten blühten die Rosen. Der Efeu und der Wein rankten an den Mauern hinauf. Auf den ersten Blick, sagt Barbara Storb, war das Schloss Schlachtegg im Sommer 1992 ein idyllisches Fleckchen Erde. Auf den ersten Blick. „Auf den zweiten und dritten Blick war es schon grausam, eine Bruchbude“ Zehn Jahre stand das Gebäude, das zuletzt ein Alten- und Pflegeheim war, leer. Ungeheizt, ungelüftet. Ein Gastronom wollte sich hier den Traum von einer Eventgastronomie mit Schaubrauerei verwirklichen. „Aber der war seiner Zeit damals einfach voraus“, sagt Barbara Storb.

Die Floristenfachverbände aus Bayern und Baden-Württemberg dagegen waren gerade auf der Suche nach einem Ort, wo Schulungen angeboten werden konnten. Nachdem die Idee eines Neubaus verworfen worden war, machte man sich entlang der A7 auf die Suche, schrieb Bürgermeister und Landräte an. Das Landratsamt Dillingen brachte das Schloss Schlachtegg in Gundelfingen ins Gespräch. Bald darauf gab es vor Ort den ersten Termin. Und schnell stand fest: Das ist es. Die Verkehrsanbindung, die Größe, die allgemeine Lage im Grenzgebiet der beiden Bundesländer. Alles passte. Ein Planer wurde damit beauftragt, ein Konzept zu entwerfen. Am Ende, erzählt Barbara Storb, stand da eine Summe von 10,1 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro wollten die beiden Floristenverbände ausgeben. „Wir waren da schon so weit, dass wir gesagt haben: „Okay, vielen Dank, Tschüss.“ Doch Gundelfingens Bürgermeister Peter Schweizer, Landrat Anton Dietrich und Bezirkstagspräsident Georg Simnacher wollten uns nicht einfach so ziehen lassen“, sagt Storb. Schließlich war auch ihnen daran gelegen, dass das zum Schandfleck verkommene Schloss, ein Denkmal, wieder aufblüht. „Und wir hatten ja ein tolles Konzept.“ So gab es schließlich ein Treffen im Kultusministerium. Ein sehr erfolgreiches. „Da haben dann alle gesessen und haben virtuell in ihren Taschen gekramt, bis 10,1 Millionen auf dem Tisch lagen.“

1994 wurde dann der Grundstein gelegt, das Bildungszentrum für die Floristen war schon 1995 fertig. Auch wenn dort, wie oft bei alten Gebäuden, einige Überraschungen zu Tage traten. Nach dem Bildungszentrum im ehemaligen Stadel war dann das Schloss an der Reihe. Dort war Barbara Storb, Geschäftsführerin der bayerischen Floristen mit ihrem Mann Werner Appel, damals Geschäftsführer der Baden-Württemberger, schon im August 1992 eingezogen. In, gelinde gesagt, teilrenovierte Räume. „Im Nachhinein würde man sagen es war Abenteuer pur. So etwas dürfte man heute nicht einmal Asylbewerbern anbieten“, sagt sie lachend. Mit Schlossromantik war erst mal nicht viel. „Im Winter zog es wie Hechtsuppe.“ Doch mit viel Liebe zum Detail und zum Denkmal aus dem 12. Jahrhundert wurde auch das zu einem Schmuckstück, das aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde.

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Und weil Barbara Storb am Telefon immer wieder erklären musste, dass man trotz des Namens Schlachtegg weder etwas mit Metzgern noch mit Militär zu tun habe, bekam das Kind, rosenumrankt wie es war, auch gleich einen neuen Namen: Rosenschloss. Und das, sagt Barbara Storb, erblühte in den ersten Jahren regelrecht. Bis ins Jahr 2000 waren die Kurse ausgebucht, es gab Wartelisten für die Seminare. Doch dann kam die Euroeinführung. Das Geld saß beim Verbraucher nicht mehr so locker. Vor allem nicht für Dinge, die man nicht notwendig zum Leben braucht. Zum Beispiel für Blumen. Innerhalb weniger Jahre wurden aus 1000 Mitglieder im bayerischen Fachverband 500. „Damit sind Kursteilnehmer und auch Finanzierung weggebrochen.“

2010 dann der nächste Schlag. Da zogen sich die Baden-Württemberger nach einem Wechsel an der Verbandsspitze aus dem Bildungszentrum zurück. Die Bayern standen nun alleine da. „Das war einfach nur bitter“, sagt Barbara Storb im Rückblick. Auch, weil keiner, der einmal im Rosenschloss zu Gast war, die Entscheidung verstanden habe. Geholfen habe das aber alles nichts. Ein zweites Standbein musste her. Bei einem Urlaub auf Sri Lanka, den ihr ihr Mann in dieser anstrengenden Zeit quasi verordnet hatte, kam Barbara Storb dann die Idee: „Ich lag auf der Liege beim Massieren und habe mich gefragt: Wieso fliegst du dafür eigentlich so weit?“ Noch auf Sri Lanka schrieb sie ein Konzept für ein Ayurveda-Zentrum. Setzte wieder zu Hause vollen Elan in das Projekt. Und hatte wieder einmal aufs richtige Pferd gesetzt. „Die Rechnung ist aufgegangen, wir haben begeisterte Gäste, die bei uns nachhaltige gesundheitliche Erfolge erzielen und sich wohlfühlen.“

Das, sagt Barbara Storb, sei immer das gewesen, was das Rosenschloss mit seinen 22 Gästezimmern auszeichnet. „Bei uns kommt der Mensch an. Das Haus hat einfach eine eigene Ausstrahlung. Die ist so flexibel, dass sich die Menschen aufgehoben fühlen.“ Sei es bei einem Seminar, bei Konzerten, einem Krimidinner, einer Hochzeit oder, oder, oder. Auch Barbara Storb und ihre Familie fühlen sich seit einem Vierteljahrhundert wohl als Schlossbewohner. „Das Tollste ist es, eine eigene Kapelle zu haben. Das ist für mich schon so ein Kraftraum. Und der große Kühlraum ist auch super“, schwärmt Barbara Storb. Genauso wie die 1,10 Meter dicken Wände im Sommer. Auf der anderen Seite ist das ganze Unternehmen für sie aber auch ein Vollzeitjob. Privates und berufliches verschwimmt oft. Mittelfristig wünsche man sich deshalb eine Partnerorganisation, die als zweite Schulter ins Rosenschloss mit einsteigt. „Das Dach ist noch nicht ausgebaut, da gibt es noch Räume. Vielleicht für ein Büro, das auch Seminarräume, Gästezimmer und Verpflegung braucht.“

Die Geschichte des Schlosses Schlachtegg, die ist immer wechselvoll gewesen, sagt Barbara Storb. In diesem Bewusstsein habe man es damals auch saniert und umgebaut. „Wir wollten auch nachfolgenden Generationen die Möglichkeit geben, hier etwas besonders zu schaffen.“

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