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Corona-Pandemie

05.05.2020

Ausgebremst: Fahrlehrer fühlten sich bisher vergessen

Stillstand herrscht während der Corona-Pandemie auch bei der Fahrschule Tischmacher in Dillingen. Die Geschäftsführer Peter Hitzler (vorne) und Richard Wagner fühlen sich von der Politik vergessen.
Bild: Thomas Straka

Plus Unternehmer aus dem Landkreis beklagen ihre Situation: Sie dürfen nicht arbeiten und hatten bis Dienstag keine Perspektive.

Peter Hitzler, Geschäftsführer der Fahrschule Tischmacher in Dillingen, ist zornig. Das hört man auch am Telefon. „Wir fühlen uns von der Politik einfach vergessen“, schimpft Hitzler, „obwohl gerade unsere Branche zur Funktion von Wirtschaft und Gesellschaft einen mehr als wesentlichen Beitrag leistet.“

Schließlich würden ohne den Beitrag der Fahrschulen zur Erlangung einer Fahrerlaubnis, für welches Kraftfahrzeug auch immer, Millionen von Rädern gar nicht rollen. Sei es für den Individual- oder wirtschaftlichen Liefer- und Versorgungsverkehr auf Deutschlands Straßen. Doch dieser Beitrag scheint während der Coronakrise in Bayern keine Rolle zu spielen, sagt Hitzler. „Warum sonst kamen im Rahmen der Lockerungen für den Handel und andere Branchen die Fahrschulen nicht vor?“, fragt er.

Seit 17. März ist der Betrieb eingestellt

Im Freistaat galt seit 17. März für Fahrschulen eine komplette Betriebsuntersagung. Nach der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten Markus Söder am gestrigen Dienstag zeigt sich nun Licht am Ende des Tunnels. Am 11. Mai sollen auch Fahrschulen wieder öffnen dürfen. Allerdings nur unter strengen Auflagen. Hitzler hält dies für dringend notwendig. „Wir können nicht einmal unsere Büroarbeiten erledigen“, erläutert der Geschäftsführer die aktuelle Situation, die für ihn und seine 21 Mitarbeiter existenzbedrohend wird. Weil sie sich vergessen fühlten, haben Hitzler und Kollegen aus dem Landkreis zwei Briefe an den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger geschrieben. Darin unterbreiteten sie Vorschläge, wie das Abstandsgebot, Maskenpflicht und Desinfektionsmöglichkeiten inklusive Online-Unterricht im Fahrschulbetrieb einzuhalten wären.

Die bisherige Ungewissheit sei auch für viele Fahrschüler eine Zumutung gewesen. Der Geschäftsführer sagt: „Sie alle haben den Führerschein privat oder beruflich fest eingeplant und müssen für diese Dienstleistung der Fahrschulen auch einiges an Geld investieren.“ Uli Englet von Ulis Fahrschule in Dillingen stimmt seinem Kollegen zu. Außerdem erinnert er an das Verbot für die Kraftrad- oder Motorrollerausbildung. Das bisherige Verbot ist dem Fahrlehrer absolut unverständlich – bestehe doch ausbildungsbedingt zwischen Fahrlehrer im Kfz und Fahrschüler auf dem Kraftrad oder Motorroller ein Abstand von mehr als 80 Metern. Gerade die sogenannte A196-Bestätigung ist beliebt: Wer seinen B-Klasse-Führerschein mindestens fünf Jahre hat, kann mit wenig Aufwand die Erlaubnis für das Fahren eines 125er-Motorrads oder Motorrollers bekommen. Vier Theorie- und fünf Praxis-Stunden à 90 Minuten in einer Fahrschule reichen dann, schon kann man ein Motorrad fahren. Eine Führerscheinprüfung vom TÜV über die Fahrtauglichkeit des Bewerbers für das Kraftrad oder den Motorroller ist nicht notwendig.

Der Frust bei den Fahrschulen ist groß

Voll auf der Bremse wie seine Branchenkollegen steht seit Wochen auch Lorenz Guffler von der Fahrschule Guffler in Wertingen und Betreiber der „Akademie für Berufskraftfahrer Nordschwaben GmbH“. Auch sein Frust ist groß: „Wir haben nichts darüber gehört, wie es weitergehen soll, weder von unseren Verbänden noch den zuständigen Gremien der Kommunal- und Landespolitik.“ Er wisse auch nicht, was er seinen Kunden sagen soll. Besonders für den Bereich der Lkw-Ausbildung könnten seiner Ansicht nach die Beschränkungen gelockert werden. Sowohl Lastwagen als auch Busse seien breit genug für den nötigen Abstand zwischen Fahrlehrer und -schüler. Darüber hinaus bestehe auch die Möglichkeit der Online-Theorieausbildung, wie sie in Schulen bereits seit Wochen durchgeführt werde. Zudem habe er aber auch in seiner Schule genügend Platz, damit die Abstandsregeln zwischen den Kursteilnehmern eingehalten werden können. „Hier wird ein ganzer Berufszweig vollkommen alleingelassen“, beschwerte sich Guffler. Er fürchtet gravierende Auswirkungen auf den Stand der Berufskraftfahrer: So könnten wichtige Weiterbildungen, die alle fünf Jahre notwendig sind, zurzeit nicht durchgeführt werden. „Dies führt zu einem Anmeldestau, der nicht den Ansprüchen entsprechend zu bewältigen sein wird“, sagt Guffler.

Kollektives Aufatmen in der Region

Die Betriebsuntersagung konnte auch Fahrschulunternehmer Bernd Meyer aus Höchstädt nicht nachvollziehen. Solche Pauschalentscheidungen hätten den Anschein von Willkür – mit drastischen Folgen. „Laut einer repräsentativen Umfrage stehen gut 30 Prozent der bayerischen Fahrschulen unmittelbar vor der Insolvenz.“ Wie seine Kollegen im Kreis forderte auch Meyer, in die Zweiradausbildung wieder einsteigen zu dürfen. Damit wäre seinen Worten zufolge vielen bayerischen Fahrschulen kurzfristig geholfen. Sie könnten so zumindest einen Minimalanteil des gewöhnlichen Umsatzes erwirtschaften.

Am Dienstag gab es nun nach der Ankündigung der Lockerungen ein Aufatmen bei den Fahrlehrern in der Region. Ab 11. Mai soll es unter Auflagen wieder losgehen. Meyer ist überzeugt, dass die Bestimmungen problemlos eingehalten werden können. Auch Lorenz Guffler zeigt sich erleichtert: „Seit sieben Wochen stehen wir in den Startlöchern, jetzt können wir endlich wieder losfahren.“

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