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Höchstädt

04.06.2019

B16 Höchstädt: Muss die Trasse komplett neu geplant werden?

An der Schleife bei Steinheim endet die neue B16. Von dort aus quält sich die Blechlawine in Richtung Höchstädt (oben). Und viele Lkw fahren direkt durch die Stadt, ohne den Lückenschluss zu nehmen.
Bild: Berthold Veh

Schon wieder löst ein Schreiben eines Ministers eine Debatte aus. Nun gibt es einen Kompromissvorschlag. Was dieser für den Verkehr, die Stadt und das Wasserschutzgebiet bedeutet.

Die Partnergemeinde Ruppertsberg hat einen neuen Bürgermeister. Hildegard Wanner wurde im Landratsamt für ihre kommunalen Verdienste geehrt. Bei der Feuerwehr fand eine große Inspektion statt und im Rathaus kann jetzt kostenlos im Internet gesurft werden. Nicht zu vergessen: Höchstädter Unternehmer unterstützen finanziell die Installation von drei Defibrillatoren in der Stadt. Der Tagesordnungspunkt „Informationen“ der öffentlichen Sitzung des Höchstädter Stadtrates ist auch an diesem Montag vollbepackt. Dabei hat es gerade der allerletzte Punkt in sich. Denn das, was Bürgermeister Gerrit Maneth kurz vor 22 Uhr verkündet, ist ein Knaller. Es kann das Ende der jetzigen B16-Planungen bedeuten. Muss die Ortsumfahrung für Höchstädt neu geplant werden?

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Was Umweltminister Thorsten Glauber sagt

Maneth weiß seit wenigen Tagen, wie er sagt, dass es eine neue Idee, eine neue mögliche Trassenführung für die Umfahrung im Norden gibt. Ein entsprechender Kompromiss wurde mit allen betroffenen Behörden und Stellen ausgearbeitet. Am Montag, am Tag der Sitzung, habe Maneth nun einen Brief von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber erhalten. Maneth liest daraus einige Passagen vor. Glauber schreibt wortwörtlich von einem „für alle Seiten tragbaren Kompromiss“, einer „sinnvollen Variante“ und einer Trassenführung, die auch „von mir befürwortet wird“.

Der Kompromiss sieht vor, dass ein neuer Trassenverlauf ermittelt werden muss. Die Ortsumfahrung könnte demnach zwischen der aktuell geplanten B16 Nord WSG und der Trasse „Bürgerentscheid“ von 1996 verlaufen. Das Wasserschutzgebiet, um das seit Monaten gestritten wird, könnte mit einer geringfügigen Verkleinerung so angepasst werden, dass die neue Straße nicht durch, sondern knapp daran vorbeiläuft. Zudem könne Höchstädt „die städtische Wasserversorgung mit ihrem Gewinnungsgebiet weitestgehend mit neuen Brunnenstandorten beibehalten. Die sich ergebende Verringerung des Wasserangebots infolge einer Wasserschutzgebietsveränderung könnte durch Zukauf von Trinkwasser von der Bayerischen Rieswasserversorgung (BRW) ausgeglichen werden“. So schreibt es der Umweltminister.

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Kann Höchstädt die eigene Trinkwasserversorgung beibehalten?

Bürgermeister Maneth sagt am Montag, dass er dieses Schreiben zu diesem Zeitpunkt mit dem Gremium nicht diskutieren wolle, er wolle nur den aktuellen Stand mitteilen. „Außerdem kann ich nicht mehr dazu sagen. Es muss nun ein hydrogeologisches Gutachten erstellt werden. Das wird zeigen, ob das Wasserschutzgebiet verändert werden kann oder nicht. Mehr Details kenne ich noch nicht“, sagt Höchstädts Bürgermeister. Für ihn persönlich habe der Kompromiss einige Vorteile: Wasserschutzgebiet (WSG) größtenteils behalten und Höchstädt und Sonderheim weiterhin mit eigenem Trinkwasser versorgen; mehr Rechtssicherheit für die Trasse außerhalb des WSG; Tagesspitzen über die Bayerische Rieswasserversorgung abdecken; städtische Weiterentwicklung weiter möglich. „Auch das Landschaftsbild wird sichtlich verbessert, weil wir die Trasse tiefer legen könnten“, so Gerrit Maneth.

Laut Bürgermeister sei dieser Kompromiss nur möglich, weil der Stadtrat im Januar dem Anschluss an die BRW mehrheitlich zugestimmt habe. Maneth betont, dass es nie der Wunsch gewesen sei, dass Wasserschutzgebiet aufzulösen, „aber die B16 war für uns das Wichtigste. Für mich persönlich war klar: Wenn das Wasserschutzgebiet das Zünglein an der Waage ist, dann verzichte ich für die Straße darauf.“ Nun, so die Hoffnung, gehe beides – wenn das anstehende Gutachten die gewünschten Ergebnisse liefere. Details, wie etwa die Vorgehensweise mit den sanierungsbedürftigen Brunnen, müssten im nächsten Schritt genau betrachtet werden.

Die Meinung des Straßenplaners in Krumbach

Die Stadt müsse in Kauf nehmen, dass die Trasse wieder näher an die Bebauung rücke, das Bauamt müsse neu planen und das Umweltministerium würde einen Teil des Wasserschutzgebietes verlieren. „Wenn wir diesen Kompromiss schaffen, dann ist der trotzdem die ideale Lösung. Er wirft uns um ein Jahr zurück, aber das opfere ich gerne“, sagt Bürgermeister Maneth.

Das Gremium hört sich seine Ausführung genau an. Die Räte wussten von dem Schreiben des Umweltministers – wenn auch sehr kurzfristig. Ludwig Kraus schlägt deshalb vor: „Können wir bitte vor der Sommerpause eine extra Sitzung dazu machen? Ich denke, jeder von uns hat dazu etwas zu sagen. Wir stehen im Grunde wieder bei Null. Das können wir heute Abend nicht mehr ausdiskutieren.“ Wird es nicht. Nach „Informationen“ folgt schließlich am Montag noch der nicht öffentliche Teil der Sitzung.

Henrik Vosdellen kennt zwar nicht das Schreiben des Umweltministers, aber hat von dem ausgearbeiteten Kompromiss „schon etwas mitbekommen“. Er ist der zuständige Straßenplaner am Staatlichen Bauamt in Krumbach. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt er, dass seine Behörde in diesem Prozess miteingebunden gewesen sei, Ziel bleibe es, die Ortsumfahrung schnellstmöglich zu realisieren. Wie lange dieser Planungsprozess nun dauere, hänge von vielen Faktoren ab. „Jetzt muss der Kompromiss erst mal richtig ausgearbeitet werden und technisch geprüft werden, ob er so überhaupt umsetzbar ist“, so Vosdellen.

Wurde bei den Planungen etwas verschlafen?

Um jetzigen Zeitpunkt könne man mit dem neuen Vorschlag leben, es sei eine gute Variante. „Wir werden an den Diskussionen beteiligt, aber solche Kompromisse werden auf höherer Ebene entschieden. Wir sind die Ausführenden“, sagt er.

Aber warum ist der Kompromiss jetzt erst möglich, nachdem die Stadt Höchstädt über Monate um ihr Wasserschutzgebiet gestritten und sich für eine mögliche Aufgabe entschieden hat? Andreas Rimböck, Leiter des Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Donauwörth, drückt es so aus: „Im Raumordnungsverfahren von damals waren drei Trassen drin. Plötzlich wurde eine neue Trasse durch das Wasserschutzgebiet diskutiert, von der wir erst spät gehört haben und zu der wir auch relativ spät gehört wurden.“ Die WSG-Trasse sei laut Rimböck „nicht vernünftig mit allen abgesprochen“ gewesen. Beim jetzigen Kompromissvorschlag sei die Behörde voll eingebunden gewesen. Der Leiter sagt, dass das WWA diese neue Trassenführung auch begrüßen würde – wenn die Untersuchungen das entsprechende Ergebnis liefern würden. Rimböck betont deshalb deutlich, dass der Kompromiss ein Vorschlag und noch nichts festgelegt sei. Es müsse erst fachlich geprüft werden, ob die neue Trasse tatsächlich möglich ist.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Berthold Veh: B16-Planung in Höchstädt: ziemlich dilettantisch

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