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Ziertheim

16.05.2019

Bald kann man im Gedächtnis der Gemeinde Ziertheim stöbern

Sie haben das Ziertheimer Archiv aufgebaut. Von links: Eugen Zacher, Doris Baumann und Antonie Schiefnetter.
Bild: Jakob Stadler

Zwei Jahre lang haben Eugen Zacher, Doris Baumann und Antonie Schiefnetter das Archiv der Egaugemeinde aufgebaut. Auch alte Klassenfotos gibt es dort.

Eugen Zacher setzt sich an den Computer im kleinen Zimmer des Gebäudes an der Ziertheimer Hauptstraße. „Man muss nur ein Wortsplitter eingeben, wie bei Google“, erklärt er, als er ein Programm öffnet. Einen Namen, ein Stichwort wie „Bauplan“ oder „Schützen“. Das Programm zeigt eine Liste der Ergebnisse, mit einem Zahlencode dahinter. Der verrät, wo im Archiv das Dokument zu finden ist.

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Rundherum, in den Regalen des neuen Ziertheimer Archives, liegen Boxen, darauf jeweils ein Aufkleber mit dem Zahlencode. Die erste Zahl steht für den Ortsteil, die weiteren für das Thema. Wenn der Computer einen Code ausgespuckt hat, ist die richtige Box schnell gefunden.

1500 Stunden ehrenamtliche Arbeit hat das Trio investiert

Dabei waren all die geschichtlichen Dokumente vor gerade einmal zwei Jahren noch komplett ungeordnet und lagerten in einzelnen Kartons. Seitdem haben Eugen Zacher, Doris Baumann und Antonie Schiefnetter rund 1500 Stunden ehrenamtliche Arbeit in den Aufbau des Archivs gesteckt. Das Sortieren war nur ein kleiner Teil der Aufgabe. „Sehr viel haben wir digital“, erklärt Zacher. Denn Treffer auf seinem Computer verweisen nicht nur auf die Kisten im Raum, sondern auch auf digitale Ordner auf der Festplatte des PCs. Er und seine Mitstreiterinnen haben in mühsamer Kleinarbeit hunderte Dokumente abgeschrieben – denn die altdeutsche Schrift kann heute kaum noch jemand entziffern. „

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Wenn jemand ein Interesse daran hat, gerade ein junger Bürger, dann kann er das jetzt lesen“, sagt Zacher und öffnet mit einem Klick einen Gemeinderatsbeschluss von 1893. Auf dem PC sind auch viele neue Dokumente gespeichert, darunter Bilder und Videoaufnahmen, zum Beispiel von der Renovierung der Ziertheimer Kirche. Auch alte Klassenfotos finden sich dort, bei denen die drei Archivpfleger zu fast jedem Gesicht einen Namen recherchiert haben. Natürlich wird auch jeder Artikel der Donau-Zeitung, in dem es um die Kommune geht, dort digitalisiert und archiviert. Auch das Buch, das Eugen Zacher 2012 über seine Gemeinde verfasst hat, findet sich unter den Dateien. „Man kann sagen, ich sammle schon seit 45 Jahren dieses Zeug“, erklärt er. „Das habe ich einbringen können.“

Fertig ist die Arbeit nie

Doch fertig ist ein Archiv nie. Schiefnetter betont: „Da ist schon noch einiges da.“ Die drei digitalisieren weiter einen Karton nach dem andern – und langweilig wird ihnen so schnell nicht. Trotzdem sind sie auf der Suche nach zusätzlichen Quellen, die etwas über die Gemeinde erzählen. Sie haben die Bevölkerung aufgerufen, ihnen interessante Dokumente, Bilder oder Objekte zu zeigen. Der Vorteil des Archivs: Die drei digitalisieren, was auch immer für die Nachwelt interessant sein könnte. Ein Gemälde würden sie zum Beispiel abfotografieren – wie Baumann erklärt, „braucht dann keiner Angst haben, dass er das nicht wieder bekommen würde“.

Ein großes Lob

Innerhalb von zwei Jahren ist das Gedächtnis der Gemeinde Ziertheim so von einer Menge alter Bücher in Kisten zu einem gut sortierten Archiv geworden. „Angestoßen hat das unser Bürgermeister Thomas Baumann“, erzählt Zacher. Kreisarchivpfleger Helmut Herreiner hatte ihn besucht und geschaut, wie es um die Archivalien bestellt ist. Danach hatte Baumann beschlossen, dass man handeln müsse, und sprach Zacher an. Baumanns Frau Doris war ebenfalls von Anfang an dabei und Antonie Schiefnetter, die gerade in den Ruhestand gegangen war, war begeistert von der Aufgabe. Herreiner lobt deren Arbeit als „vorbildlich“. Die Menge der digitalisierten Daten sei „für eine Kommune dieser Größe sehr ungewöhnlich“. Außerdem ist er beeindruckend, dass die drei von Null anfangen mussten und in kurzer Zeit auf diesen Stand gekommen sind. „In diesen Umfang ist das im Landkreis einzigartig für ein Archiv dieser Größe“, lobt Herreiner.

Bald soll jeder im Archiv suchen können

Bisher kennen das Archiv nur wenige – doch bald soll jeder die Möglichkeit haben, dort nach Historischem zu suchen. So kann man etwa der Geschichte der eigenen Familie nachspüren, oder des Vereins, oder schauen, wie die Nachbarschaft früher einmal aussah. Einschränkungen gibt es nur in manchen Fällen, wegen des Datenschutzes – so sind im Bestand zum Beispiel alte Zeugnisse, die nicht einfach so angesehen werden können. „Wir haben vor, dass wir es am ersten Dienstag im Monat für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, erklärt Zacher. Einen genauen Termin für die offizielle Eröffnung gibt es noch nicht – doch noch im Mai wollen sie den Schritt an die Öffentlichkeit gehen.

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