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Wittislingen

28.08.2019

Banken-Fusion: Ex-Bürgermeister kritisiert Vorgehensweise

Zehn Milliarden Euro an zusätzlichen Staatseinnahmen erhofft sich die SPD aus der Vermögensteuer. Profitieren sollen die Bundesländer, die damit den Investitionsstau in den Kommunen langsam auflösen könnten.
Bild: Monika Skolimowska, dpa

Plus Im Mai wurde die Verschmelzung der Raiffeisenbank Wittislingen mit der Raiffeisen-Volksbank Donauwörth beschlossen. Wittislingens Ex-Bürgermeister kritisiert, wie es dazu kam. 

Roland Hörl sagt: „So kann man es doch nicht machen.“ Die Verantwortlichen hätten „nicht zum Wohle der Bank“ verhandelt. Klaus Pelz hingegen sagt, betriebswirtschaftlich war die Entscheidung nötig. Und: „Der Schritt ist gut überlegt – auch mit diesem Partner.“ Es geht um die Fusion der Raiffeisenbank Wittislingen mit der Raiffeisen-Volksbank Donauwörth. Die wurde bei einer Generalversammlung im Mai beschlossen, 85,7 Prozent stimmten für die Bankenehe (wir berichteten). Pelz ist Vorstand der Genossenschaftsbank, Hörl, der frühere Wittislinger Bürgermeister, ist Mitglied.

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Man hat nicht miteinander geredet

Hörl stört, dass sich die Wittislinger Bank mit der Donauwörther Bank viel zu schnell auf einen Fusionspartner festgelegt habe. Die Verantwortlichen hätten „gar nicht mit anderen geredet“. „Alle anderen Möglichkeiten wurden nicht geprüft.“ Pelz sagt, dass tatsächlich nur mit den Donauwörthern Gespräche geführt wurden. Das sei aber normal. Und es bedeute nicht, dass man nicht auch andere Möglichkeiten geprüft habe. Die Bilanzen der Banken sind öffentlich – also könne man auch ohne Gespräch überlegen, welche Zusammenarbeit sinnvoll ist.

Hörl kritisiert zudem, es habe einen „Geheimvertrag“ mit den Donauwörthern gegeben, darüber, nur mit diesen zu verhandeln. Das Wort „Geheimvertrag“ sei auf der Versammlung gefallen. Pelz widerspricht: „Der Fusionsvertrag wurde offengelegt.“ Aber es gebe in so einem Prozess anfangs Gespräche, die vertraulich behandelt werden.

Dann ist da die Sache mit den Mitarbeitern und dem Gebäude in Wittislingen. „Knapp die Hälfte“ der etwa zehn Mitarbeiter werden künftig in Donauwörth arbeiten, erklärt Pelz. Genau lasse sich das nicht sagen, weil Modelle vorgesehen sind, bei denen einzelne Mitarbeiter einen Teil der Zeit in Donauwörth und einen anderen Teil in Wittislingen arbeiten. Hörl sagt, dass auch die Hälfte des Bankgebäudes leer stehen werde. Dabei hat es die Bank erst vor zwei Jahren für rund eine Million Euro saniert. Pelz räumt ein, dass einige Büros – er spricht von zwei bis drei – nicht mehr benötigt werden. Ob diese etwa vermietet werden, liege in der Verantwortung der neuen Gesamtbank. Er betont, die Sanierung sei keine kurzsichtige Entscheidung gewesen „Wir sehen das als Standortsicherung“, erklärt er. Die Entscheidung zur Fusion sei lange geplant: Dass es dazu kommen müsse, war schon bei der Sanierung klar. Das moderne Gebäude sei eine Garantie dafür, dass die Bank weiterhin in Wittislingen vor Ort sein werde.

Keinen Sinn darin gesehen

Weitere Kritikpunkte hat Hörl an der Generalversammlung selbst. Er hatte einen Antrag eingebracht, die Entscheidung über die Fusion zu verschieben. Darüber wurde abgestimmt – er wurde abgelehnt – allerdings sei Hörl davor nicht das Wort erteilt worden. Pelz bestätigt, dass bei der Versammlung zu diesem Punkt keine Diskussion vorgesehen war. Man habe keinen Sinn darin gesehen, über den Antrag zu diskutieren, weil sich die Diskussion um die Fusion selbst gedreht hätte. Beim zentralen Punkt der Versammlung, der Fusion, habe es dann die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern – was Hörl auch getan habe, so Pelz.

Hörl stören weitere Punkte: So habe Pelz die Genossenschaftsmitglieder „unter Druck gesetzt“, in dem er erklärt habe, wenn es nicht zur Fusion komme, müsse man das Geld etwa über Kontoführungsgebühren und beim Weihnachtsgeld der Mitarbeiter hereinholen. „Das sind minimale Beträge“, sagt Hörl. Damit könne man die Probleme nicht ausgleichen. Pelz stimmt dem zu – Kürzungen und Gebühren hätten die Fusion nicht verhindert. Er habe nur zeigen wollen: Es hätte noch Möglichkeiten gegeben, Geld zu generieren. „Allerdings sind diese Möglichkeiten sehr eingeschränkt.“ Man habe gerade nicht alle möglichen Einsparungspotenziale ausreizen wollen, um dann letztendlich doch zu fusionieren. Denn diese Entscheidungen würden nach einer Fusion wohl kaum rückgängig gemacht.

Zu guter Letzt: Hörl hat beobachtet, dass bei der Versammlung auch Mitarbeiter der Raiffeisen-Volksbank Donauwörth waren, die mit abgestimmt haben. Viele hätten zudem mehrere Stimmzettel gehabt. Pelz bestätigt, dass es Mitarbeiter anderer Genossenschaftsbanken, auch der Donauwörther, gebe, die Mitglied der Wittislinger Bank seien. Bereits in Bergheim sei eine Filiale der Donauwörther Bank, dementsprechend gebe es dort Mitarbeiter, die auch Mitglied der Wittislinger Bank sind. Es seien zum Beispiel auch Mitarbeiter der VR-Bank Donau-Mindel stimmberechtigt gewesen. „Es ist nicht so, dass da Mitglieder generiert worden wären.“ Und es habe Mitglieder mit mehreren Stimmzetteln gegeben. Ein Mitglied kann mit einer Vollmacht andere Mitglieder vertreten – maximal zwei, plus eigene, minderjährige Kinder. „Es wurde mit Vollmachten gearbeitet“, sagt Pelz. Das sei aber nicht nur zugunsten der Fusion gewesen. „Das gab es in beide Richtungen.“

Funktionieren die Überweisungen?

Für die Wittislinger Kunden hat die Fusion eine Folge: Ihre Iban ändert sich. In der Iban ist neben der Kontonummer auch die Bankleitzahl enthalten, dazu gibt es Prüfziffern. Weil sich die Bankleitzahl ändert, ändert sich also auch die Iban. Die Kunden bekommen deshalb neue Karten, „natürlich umsonst“, bestätigt Pelz. Stichtag für die neuen Nummern ist der 26. Oktober – an diesem Datum werden die Banken technisch zusammengeführt. Das genaue Datum für die juristische Zusammenführung steht noch nicht fest, dieses ist für Kunden auch nicht entscheidend. Außerdem funktionieren Überweisungen auf die alte Iban weiterhin, diese werden automatisiert umgewandelt. Das wird über mehrere Jahre so sein. Kunden müssten also kein Chaos befürchten.

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