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Lauingen

22.01.2020

Belästigungsvorwürfe an Lauinger Gymnasium: Das sagen Eltern und Schüler

Am Lauinger Albertus-Gymnasium sollen sich Lehrer mehrfach Grenzüberschreitungen gegenüber ihren Schülern geleistet haben. Von Partys und Kommentaren in sozialen Medien ist die Rede. Schulleitung und Elternbeirat sind von den Vorwürfen überrascht.

Plus Ehemalige Schüler erheben Vorwürfe gegen Lehrer am Lauinger Gymnasium. Von Alkoholexzessen, körperlicher Nähe ist die Rede. Das Vorgehen sehen manche kritisch.

Es sind schwere Vorwürfe, die ehemalige Schüler gemeinsam mit dem Psychotherapeuten Christoph Radaj gegen Lehrer des Lauinger Albertus-Gymnasiums erheben: Pädagogen sollen sich mehrfach unangebracht verhalten haben. Ein ehemaliger Schüler berichtet etwa von einer Feier in einer Lauinger Bar, bei der ein Lehrer so betrunken gewesen sein soll, dass seine Schüler ihn nach Hause ins Bett bringen mussten. Dort habe er einen von ihnen darum gebeten, sich mit ihm ins Bett zu legen. Weil ihm der Mut zum „Nein sagen“ gefehlt habe, willigte der Schüler ein – unter der Bedingung, dass sie nur Rücken an Rücken liegen. Nach kurzer Zeit jedoch, so die Aussage des Schülers gegenüber des BR, habe sich der Lehrer umgedreht und mit seinem Arm eine Art Klammergriff um seinen Schüler gelegt. Zurück in besagter Bar will der Schüler den Vorfall einer Lehrerin geschildert haben, diese soll ihm aber geraten haben, das Ganze freundschaftlich zu sehen.

Die Anschuldigungen werden von der Staatsanwaltschaft geprüft

Ein anderer Fall spielt in den sozialen Medien: Lehrer sollen vor allem Schülerinnen immer wieder Selfies geschickt und Fotos unangemessen mit Aussagen wie „Sieht gut aus“ kommentiert haben – eine Aussage, die die vermeintlich Geschädigte zwar nicht als Anmache sehe. Aber: „Von einem Lehrer will ich kein Kompliment haben“, wird die 19-Jährige vom BR zitiert.

Ob und was an den Vorwürfen dran ist, bleibt unklar. Schulleiterin Iris Eberl war davon jedenfalls überrascht: „Das trifft uns aus heiterem Himmel“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Anschuldigungen nehme man natürlich sehr ernst. „Gleichzeitig will ich einen fairen Umgang mit den Lehrern.“ Sie wünsche sich deshalb eine juristische Prüfung des Falls.

Belästigungsvorwürfe an Lauinger Gymnasium: Das sagen Eltern und Schüler

Die wird es wohl auch geben: Wie vom Kultusministerium zu erfahren war, werden die Anschuldigungen zusammen mit der Dienstaufsicht geprüft. Der Fall wurde laut Polizei auch an die Staatsanwaltschaft weitergegeben, um eine strafrechtliche Relevanz zu prüfen.

"Die Schüler wollten einfach gehört werden"

Die Vorsitzende des Elternbeirats am Albertus-Gymnasium, Monika Kogge, stellt sich vorerst hinter das Lehrerkollegium. „Für mich gilt die Unschuldsvermutung“, sagt sie auf Nachfrage unserer Redaktion. Kogge selbst habe von den Vorwürfen nichts gewusst. Weder vonseiten der Eltern noch von der Polizei habe es Hinweise gegeben. „Mich macht das stutzig“, sagt sie. „Für mich wäre in so einem Fall der erste Weg zur Polizei zu gehen.“

Der Lauinger Psychotherapeut Christoph Radaj, der die Vorfälle gemeinsam mit den Betroffenen öffentlich machte, sieht sich in der Angelegenheit als „Prellbock“ für die Betroffenen. „Ich wollte mich schützend vor die Jugendlichen stellen“, erklärt er. Dass die Lehrer mit ihren Schülern auch mal feiern gehen, sei aus seiner persönlichen Sicht kein Problem. Allerdings nur, wenn dabei keine Grenzen überschritten werden. Er nennt die Vorfälle „höchst eigenartig. Die Jugendlichen mögen diese Schule, sie gehen unheimlich gern hin“. Der Vorfall sei öffentlich gemacht worden, weil Radaj das Gefühl habe, dass niemand die Betroffenen beachtet habe. „Die Schüler wollten mit ihrem Anliegen einfach gehört werden.“

Ehemalige Schüler betonen das gute Verhältnis zu den Lehrern

In Lauingen waren die Vorfälle am Mittwoch Thema Nummer eins. Mehrere ehemalige Schüler betonen gegenüber unserer Redaktion, dass das Verhältnis zu den Lehrern immer gut gewesen sei. Dass manche der Pädagogen auch mal bei Feiern in einer Lauinger Bar angetroffen wurden, habe die Beziehung eher verbessert. „Die Lehrer waren einfach fassbarer. Wie ganz normale Menschen“, sagt eine Ehemalige. Von dem Abend, als ein betrunkener Lehrer von seinen Schülern ins Bett gebracht wurde, habe sie zwar gehört. Der Rest der Anschuldigung war für sie neu. Ein anderer betont, dass er selbst fassungslos sei. Er bestätigt das gute Verhältnis zu den Lehrkräften. Ob es tatsächlich zu den Grenzüberschreitungen, wie sie die Beschuldigten darlegen, kam, wussten beide nicht.

Schulleiterin Eberl, seit August am Albertus-Gymnasium tätig, sagt, sie habe ihre Schüler immer als sehr glücklich und zufrieden erlebt. „Unsere Schule genießt einen sehr guten Ruf“, betont sie. Aus den Anschuldigungen zog die Schulleitung erste Konsequenzen: Am Mittwoch wurde das Thema in allen Klassen eine ganze Schulstunde lang behandelt. Und auch mit dem Lehrerkollegium gab es ihr zufolge erste Gespräche. Eberl sei wichtig, die Perspektive ihrer Kollegen zu erfahren und sich ein ganzheitliches Bild zu machen. „Ich hoffe, dass das Ganze extrem übertrieben ist“, sagt sie. Jetzt sei besonders wichtig, bei allen genau hinzuhören.

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