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Ereignis

29.05.2019

Blenheim Singers verzaubern in Blindheim

Die Blenheim Singers mit ihrem Dirigenten Tom Hammond-Davies (ganz links) wurden bei ihrem fulminanten Konzert vom Publikum bejubelt.
Bild: Gernot Walter

Das faszinierende Gastspiel des britischen Chors animiert die Hörer zu stehend dargebrachten Beifallsbekundungen

Bürgermeister Jürgen Frank würdigte in seiner Dankesrede die guten deutsch-britischen Beziehungen seiner Gemeinde und erinnerte an den geschichtlichen Hintergrund des Spanischen Erbfolgekrieges 1704. Seit 1987 gibt es Kontakte zum Blenheim Palace bei Oxford, das nach dem Schlachtort Blindheim benannt wurde. Im Rahmen ihrer Deutschlandtournee machten die Blenheim Singers am Sonntag in der Pfarrkirche St. Martin Halt. Die englische Schlossführerin Christine Gatsby hatte das Konzert initiiert, sie war begeistert von der herausragenden Akustik.

Die Zuhörer im voll besetzten Gotteshaus wurden Zeugen eines singulären musikalischen Ereignisses. Drei Damen und fünf Herren widmeten das Programm einigen Komponisten des „Elisabethischen Zeitalters“ aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und verzahnten es mit Werken englischer Tonschöpfer der amtierenden Queen Elizabeth II. Die Madrigalisten John Sheppard, Thomas Tallis, William Byrd, Adrian Batten und Orlando Gibbons schufen Motettten und Madrigale von einer Frische und einer Ursprünglichkeit der musikalischen Erfindung, die frappierte. Hauptsächlich aber deshalb, weil sie mit einer untrüglichen Authentizität vorgetragen wurden. Eine sängerische Vielfalt war zu bestaunen, die interpretatorische Möglichkeiten der Extraklasse zuließ.

Dirigent Tom Hammond-Davies vereinte Universalität, Kenntnisreichtum und ein sicheres Gespür für die kontrapunktischen Details, mit denen er den kompositorischen Hintergrund ausleuchtete. Seine suggestiven Gesten dienten einer unglaublichen rhythmischen Präzision und einer berückenden Klangdichte. Hammond-Davies gönnte den exzellenten Männerstimmen den harmonisch-dynamischen Spielraum, ließ die Frauenstimmen temperamentvoll erblühen und lenkte die Sängerschar mit klug durchdachten Impulsen. Bei den Motetten William Byrds und den Psalmvertonungen Orlando Gibbons faszinierten die ausdrucksstarken Stimmen durch exquisite Höhen, eine tragfähige Tiefe und nahtlose Übergänge. Wie spielerisch meisterten sie die musikalischen Aufschwünge und gestalteten den dramatischen Aufbau wirkungsvoll. Jedes Chormitglied steuerte beim achtstimmigen Lobgesang von Gibbons sein solistisches Talent bei einschließlich des unerhörten Countertenors. Benjamins Brittens „Gloriana“, fünf Chor-Tänze aus der gleichnamigen Oper, offenbarten strukturelle Chordisziplin mit einer starken Balance zwischen lebendigen Ausbrüchen und transparentem Chorklang. Dabei präsentierten sich die „Country girls“ mit beglückender Innigkeit der Tongebung und bewiesen die „Rustics and fishermen“ unangestrengte sängerische Souveränität. Als schließlich der Kuckuck rief im Frühlingssonett (Text Shakespeare) von George Shearing, hatten die Blenheim Singers eine besonders intensive Form an Ausdruckskraft erreicht wie auch in dem modernen Madrigal von John Rutter „It was a lover and his lass“. Dass jedoch die Zugaben „Somewhere“ aus der „Westside Story“ von Leonard Bernstein und „Guten Abend, gut Nacht“ (Joh. Brahms) zu verinnerlichten Kleinodien wurden, spricht für die tief empfundene Klangästhetik der Oxford-Studenten.

Was hier an Pianokultur, an schwebenden Klängen, an harmonischer Farbigkeit gezeigt wurde, verzauberte die Zuhörer. Stehend dargebrachte Beifallsbekundungen galten einer Sternstunde vokalen Musizierens.

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