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Bundeswehr Dillingen
13.03.2020

Welche Sorgen plagen Soldaten im Ausland?

Nach dem Vortrag im Bild: (von links) Kreisvorsitzender Oberstabsfeldwebel d. R. Werner Wölfel, MdB Pascal Kober, stellvertretender Kreisvorsitzender Hauptmann d. R. Marcus Müller.
Foto: Horst von Weitershausen

Vor dem Reservistenverband Schwaben Nord erzählt ein Militärseelsorger von seinen Erfahrungen. Auch die Aufgaben der Bundeswehr vor Ort in Dillingen sind ein Thema.

Ein Thema, das meist nur beiläufig oder fast nie im Zusammenhang mit den Aufgaben der Bundeswehr in der Öffentlichkeit zur Sprache kommt, stand im Mittelpunkt des 13. sicherheitspolitischen Jahresempfangs des Reservistenverbands Kreisgruppe Schwaben Nord im Offiziersheim der Luitpold-Kaserne Dillingen. Es handelte sich hierbei um die Militärseelsorge, insbesondere im Auslandseinsatz.

Pascal Kober berichtete in einem eindrucksvollen Referat über rund 90 Minuten von seinen Eindrücken und der Arbeit als Militärseelsorger bei Bundeswehreinheiten im Auslandseinsatz. Der Referent ist Bundestagsabgeordneter, evangelischer Pfarrer, ehemaliger Militärgeistlicher und stellvertretender Präsident im Reservistenverband Deutschland.

Für sechs Jahre verpflichtet

Zu Beginn seines Vortrages erläuterte Kober den historischen Hintergrund der Militärseelsorge in Deutschland. Gegründet auf die Erfahrungen in der Wehrmacht basiere die Militärseelsorge in heutiger Zeit als Gemeinschaftsaufgabe von Bundeswehr und den Kirchen. Militärseelsorger könnten sich höchstens für zwei mal sechs Jahre verpflichten, hätten nicht den Status eines Soldaten und somit auch keine militärischen Vorgesetzten. „Wir sind im Rahmen dieser Aufgabe Bundesbeamte auf Zeit und unterstehen in unserer seelsorgerischen Tätigkeit den Kirchen in Person eines Militärbischofs“, erklärte der ehemalige evangelische Militärgeistliche.

In der Bundeswehr werde die Militärseelsorge in der Regel von rund 100 evangelischen und 70 katholischen Militärgeistlichen im Rahmen der Ökonomie übernommen. Kober selbst sei ab März 2014 Militärseelsorger an den Standorten Stetten am kalten Markt und in Pfullendorf gewesen. In den Jahren 2015 und 2016 habe er zweimal an Auslandseinsätzen im afrikanischen Mali teilgenommen. Von Dezember 2015 bis März 2016 war er im Rahmen der Europäischen Ausbildungsmission in der Hauptstadt Bamako im Einsatz.

Ängste, Einsamkeit, Trennung von der Familie und Stress

Von April bis Juli 2016 sei er im Rahmen der UN-Mission MINUSMA im nördlichen Gao (Mali) als Militärgeistlicher im Einsatz gewesen. „Ähnlich wie im zivilen Leben gestalteten sich auch in der Einsatztruppe die Aufgaben für uns Geistliche.“ Laut Kober gehören dazu das Abhalten von Gottesdiensten, kirchliche Amtshandlungen, militärische Feiern, Rüstzeiten und lebenskundlicher Unterricht im Vordergrund. Die Seelsorge dagegen spiele sich ganz anders ab als im Zivilleben oder als Standortmilitärgeistlicher. Im Ausland spielten besonders Ängste, Einsamkeit, Trennung von der Familie, Stress durch angespannte Langeweile im Camp und damit verbundene Konflikte mit Kameraden sowie Belastungen mit Traumata durch getötete Kameraden im Kampfeinsatz die Hauptrolle.

Militärgeistliche sind im Auslandseinsatz ebenfalls militärisch gekleidet, um als Angehörige einer offiziellen Armee zu gelten. Dabei, so ergänzte Kober, müsse jedoch offen erkennbar sein, dass es sich hier um einen Militärgeistlichen handele.

Begleitet wurde der Vortrag von interessanten und erklärenden Bildern, die der Referent in seiner Zeit als Militärgeistlicher während seiner Auslandseinsätze aufgenommen hatte.

Nach diesem mit viel Beifall der Gäste bedachten Vortrag ehrten der Landesvorsitzende Oberst d. R. Klemens Brosig und seine Stellvertreter Oberstleutnant d. R. Werner Gebhard sowie MdB Pascal Kober mehrere Reservisten für ihre langjährige Mitgliedschaft (25, 40 und 50 Jahre) im Reservistenverband Kreisgruppe Schwaben Nord. Mit dem Ehrenschild der Kreisgruppe ehrte der Kreisvorsitzende Werner Wölfel den kürzlich ausgeschiedenen Kreisschriftführer Matthias Alram sowie den Organisationsleiter der Bezirksgruppe Schwaben, Robert Kölnberger, der zum 30. Mai aufhören wird.

Corona: Viele sind nicht zur Versammlung gekommen

Der Veranstaltung waren aus Angst vor dem Corona-Virus einige der 160 geladenen Personen ferngeblieben. Dennoch konnte Kreisvorsitzender Oberstabsfeldwebel d. R. Werner Wölfel Vertreter aus Politik, der Bundeswehr und ihrer zivilen Dienststellen, aus Ämtern, der Wirtschaft, des öffentlichen Lebens sowie Reservisten im Offiziersheim der Luitpold-Kaserne in Dillingen begrüßen. Unter ihnen vom Landeskommando Bayern, Oberstleutnant Andre Schäfer, der stellvertretende Landrat aus dem Kreis Donau-Ries, Reinhold Bittner, sowie als Vertretung von Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz dessen Stellvertreter Walter Fuchsluger, die in ihren Grußworten das großartige und wichtige Wirken der Reservistenverbände in Schwaben, in Bayern, in Deutschland würdigten.

Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung gestaltete der Reservistenmusikzug Nordschwaben „König Ludwig“ unter der Leitung des Obergefreiten d. R. Johann Rexel.

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