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Buttenwiesen

11.11.2019

Buttenwiesen setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Bürgermeister Hans Kaltner enthüllen gemeinsam die neue Tafel am Louis-Lamm-Platz in Buttenwiesen. Damit machten sie die Umbenennung am Sonntagabend offiziell.
Bild: Brigitte Bunk

Indem die Gemeinde dem Platz vor der ehemaligen Synagoge einen neuen Namen verleiht, erinnert sie an einen ihrer berühmtesten Bürger, Louis Lamm. Die 87-jährige Charlotte Knobloch kam dafür extra aus München angereist.

Ein blaues Tuch verhüllt die Standtafel vor der ehemaligen Synagoge im Ortskern von Buttenwiesen. Gemeinsam ziehen am Sonntagabend Bürgermeister Hans Kaltner und Charlotte Knobloch das Tuch weg und machen damit die Umbenennung des ehemaligen Schulplatzes in Louis-Lamm-Platz offiziell. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und amtierende Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern war dafür extra angereist.

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Viele Menschen vor der Synagoge Buttenwiesen

Nicht umsonst habe man den 10. November für den Akt gewählt. Auf den Tag genau vor 81 Jahren, am 10. November 1938, hatte sich laut Kaltner ebenfalls eine größere Menschenmenge auf dem Platz vor der Buttenwiesener Synagoge versammelt. Allerdings aus einem völlig anderen Anlass: „Damals wurden jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger drangsaliert, beschimpft und diffamiert – und viele schauten einfach nur zu.“

Viele Menschen und Zuschauer aus dem Landkreis und darüber hinaus versammelten sich am Sonntagabend erneut auf besagtem Platz im Herzen von Buttenwiesen – Vertreter jüdischer Verbände und Förderkreise, Politiker und Ehrenbürger, Pfarrer, Schulvertreter und Mitbürger. Im Gegensatz zu 1938 gebe es laut Kaltner heute einen wesentlichen Unterschied, der gleichzeitig große Hoffnung macht: „Heute schauen viele Menschen nicht einfach weg.“ Allein das Kommen jedes Einzelnen an diesem Abend sah Kaltner als Zeichen der Solidarität: „Ein Bekenntnis gegen den Antisemitismus und ein Beweis dafür, dass die Verbrechen der Nazis nicht in Vergessenheit geraten sind.“

Buttenwiesen setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Kindheit in Buttenwiesen verbracht

Einen Tag nach dem Jahrestag des 9. November 1938, dem Beginn der Novemberpogrome, sieht Charlotte Knobloch diese Neubenennung zu Ehren von Louis Lamm als „das richtige Signal zur richtigen Zeit“. In unserer Zeit „politischer und gesellschaftlicher Verrohung“ und des wachsenden Judenhasses und zunehmender Angriffe auf diese Weltkultur sei dieser Schritt besonders wichtig und wertvoll. Die 87-Jährige erinnerte daran, dass Louis Lamm einen Großteil seiner Kindheit in Buttenwiesen verbrachte – „zwischen den Häusern dieses Ortes, zwischen dem elterlichen Haushalt und der damaligen Synagoge verbrachte er seine frühesten Jahre“.

Später zog es Louis Lamm nach Berlin, wo er einen Verlag mit Buchhandlung und Antiquariat gründete. Dieser entwickelte sich zu einem der führenden Verlage für jüdisch religiöse, philosophische und historische Literatur in Deutschland. In zahlreichen Publikationen erforschte er auch die Geschichte Schwabens. Während der NS-Zeit emigrierte Lamm nach Amsterdam, wo er weiter als Verleger tätig war. Trotz Emigration konnte Louis Lamm den Nazis nicht entkommen: 1943 wurde er im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

„Mit der Benennung dieses Louis-Lamm-Platzes tragen Sie als Gemeinde Buttenwiesen dafür Sorge, dass diese große Persönlichkeit auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht in Vergessenheit gerät“, betonte Charlotte Knobloch.

Auch Spaenle in Buttenwiesen

Mit dem Ende ihrer Worte traf auch Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Staatsregierung in Buttenwiesen ein. Er zeigte sich wie Knobloch beim Rundgang durch das historische Ensemble von Friedhof, Synagoge und der frisch sanierten Mikwe – dem jüdischen Ritualbad – erstaunt: „Was Sie hier geschaffen haben, ist sagenhaft.“ Bei der Führung durch das Ensemble verdeutlichte Gemeindearchivar Johannes Mordstein, dass das jüdische Leben einst im Zentrum neben Kirche, Rathaus und Gastwirtschaft stattgefunden habe. Das eigentliche Verwischen der jüdischen Spuren habe erst in den Nachkriegsjahren stattgefunden, als die Mikwe in ein Wohnhaus und die Synagoge in eine Schule umgewandelt wurden. Mit dem Auszug der Schule 1994 hatte letztlich auch der Name Schulplatz ausgedient. Im Frühjahr dieses Jahres setzte die Gemeinde Buttenwiesen mit der Entscheidung, den Platz in Louis-Lamm-Platz umzubenennen, somit in mehrfacher Hinsicht bewusst ein Zeichen.

Weitere Fotos von der Veranstaltung in Buttenwiesen finden Sie hier:

Buttenwiesen setzt Zeichen gegen Antisemitismus
35 Bilder
Charlotte Knobloch und Ludwig Spänle in Buttenwiesen
Bild: Brigitte Bunk

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