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Dillingen

01.07.2020

Coronakrise in den USA: Paar aus Deisenhofen endlich daheim

Die ansonsten lebendigen Straßen der Stadt Naples in Florida waren nach dem Lockdown menschenleer. Dabei hat sich dort auch lange niemand für das Coronavirus interessiert.
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Die ansonsten lebendigen Straßen der Stadt Naples in Florida waren nach dem Lockdown menschenleer. Dabei hat sich dort auch lange niemand für das Coronavirus interessiert.
Bild: Reichertz

Plus Angelika und Karlheinz Reichert wollten Urlaub in den USA machen. Wochenlang harrten sie während des Lockdowns in Florida aus, denn es gab keinen Flug zurück. Nun sind sie wieder zu Hause in Dillingen, aber…

Es hätte ein entspannter Urlaub in Florida werden sollen – doch Angelika und Karlheinz Reichert mussten zwangsläufig ganze vier Monate in den USA verbringen. Flug um Flug wurde ihnen gestrichen. Jetzt ist das Ehepaar wieder zurück in Dillingen – und muss noch einige Tage in Quarantäne verbringen.

Mitte Februar landen die Reicherts in Naples im Westen Floridas. In der Küstenstadt ist alles sehr weiträumig, wie Angelika Reichert berichtet, das Wetter ist auch im Winter meistens freundlich, das Ehepaar macht dort gerne ausgiebige Radtouren und spielt Golf. Zu Beginn ihres Aufenthalts ist das Coronavirus noch kein großes Thema in Naples, in den Medien findet das Virus nicht groß statt. Doch dann mehren sich die Schreckensmeldungen. Aus New York werden täglich beunruhigendere Fallzahlen gemeldet.

Coronavirus: In Florida reagierten die Behörden spät

In Florida interessiert das die Menschen allerdings lange Zeit nicht. „Bis zum Lockdown hat man im öffentlichen Leben praktisch nichts von der Pandemie bemerkt“, sagt Angelika Reichert. Der Bundesstaat Florida reagiert erst relativ spät auf die Pandemie, erst am 1. April ruft der Gouverneur Ron deSantis den Lockdown aus. Die Wohnung darf man fortan nur noch aus triftigem Grund verlassen, etwa um einzukaufen.

Coronakrise in den USA: Paar aus Deisenhofen endlich daheim

Der geplante Rückflug wird abgesagt. Das Paar erreicht die Lufthansa ganze zwei Wochen lang nicht, erzählt Angelika Reichert, so überlastet sind deren Mitarbeiter. „Als wir realisiert haben, dass wir nicht nach Hause fliegen können, war das schon beängstigend“, sagt sie. Die Eheleute sitzen viel in der Wohnung und sehen amerikanische Nachrichten, stundenlang. Sie sehen Bilder von der Nationalgarde, von überfüllten Krankenhäusern, die Todeszahlen in den Vereinigten Staaten steigen und steigen. „Es war uns schnell klar, dass diese Krise nicht schnell vorbeigehen wird.“

Das Paar war von Donald Trumps Verhalten schockiert

Am bedrohlichsten sei es für sie aber gewesen, wenn Präsident Donald Trump selbst ans Mikrofon getreten sei, sagt Angelika Reichert. „Wenn wir den Reden von diesem Mann zugehört haben, waren wir wirklich schockiert.“ Und sie fügt hinzu: „Wir hoffen, die T-Ära geht bald zu Ende.“

Sie vertreibt sich die viele freie Zeit damit, ihr Englisch zu verbessern und Schutzmasken zu nähen – insgesamt werden es über 200 Stück. Abends ist es bald auch wieder möglich, draußen ein bisschen Fahrrad zu fahren. Die ansonsten geschäftigen Straßen von Naples sind wie ausgestorben. Schon bald wird für die Deisenhofener nun die Krisenlage vieler Amerikaner deutlich. Junge Leute bitten sie vor dem Supermarkt um Benzingeld.

Verpflegung für die Quarantäne: Angelika und Karlheinz Reichert bekommen von der Familie die Einkäufe geliefert.
Bild: Reichertz

Die Reicherts beantragen zweimal eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis

Nach langer Wartezeit gibt es einen neuen Rückflugtermin für Anfang Mai, doch auch dieser wird wenige Tage vorher abgesagt. Auch über die Deutsche Botschaft lässt sich keine Rückreise arrangieren. Das Besuchsvisum droht nun auszulaufen, das Paar muss insgesamt zweimal eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis beantragen. „Zum Glück waren die US-Behörden sehr zuvorkommend“, sagen die Eheleute.

Aus einem weiteren Rückflugtermin am 15. Juni wird noch einmal nichts, doch nach einem Gespräch mit der Airline klappt es schließlich, und das Ehepaar sitzt vier Tage später im Flieger zurück nach Deutschland. Der ist proppenvoll. Unter den Passagieren sind viele asiatisch aussehende Gäste, die Ganzkörperanzüge aus Plastik tragen. „Vermutlich mussten sie über einen Umweg zurück nach China“, vermutet Reichert.

Genau vier Monate nach ihrem Flug in die USA landen die Reicherts wieder in Deutschland.

Ehepaar Reichert steht nun unter Quarantäne

Doch noch ist ihr Abenteuer nicht zu Ende, denn sie müssen sich sofort in Quarantäne begeben und tun dies in der Dillinger Wohnung ihres Sohnes, der dafür mit seiner Familie in ihr Deisenhofener Haus einzieht. Eine Geste der Nachbarn rührt die beiden kurz nach der Ankunft. „Die haben uns über den Balkon mit einem Seil eine Flasche Sekt heruntergelassen, das hat uns sehr gefreut“, sagt Angelika Reichert. Und auch die Einkäufe, welche ihre Familie für die Eheleute erledigt, werden per Korb und Seil über den Balkon hereingebracht.

Am meisten freuen sich die Heimkehrer nun darauf, wieder Zeit mit ihren Enkeln zu verbringen. Ende der Woche wird es so weit sein. Der Tag, an dem sie sich wieder frei in ihrer Heimat bewegen können und nicht mehr auf Essenslieferungen per Flaschenzug angewiesen sind, ist ironischerweise der 4. Juli – der amerikanische Tag der Unabhängigkeit.

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