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Ziertheim/Dattenhausen

27.08.2018

Damit Egau und Riedegau weiter kreuzen können

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3 Bilder
Arbeiter aus Dattenhausen und Ziertheim nach der Fertigstellung der Flussquerung im Jahre 1926.
Bild: Eugen Zacher (Repro)

In Ziertheim fließen die Flüsse übereinander hinweg. Der dafür nötige Kreuzungsbau wird aktuell erneuert. Was die Baustelle so kompliziert macht.

Ein Fluss, der über einen anderen hinwegfließt: Fast hundert Jahre hat das Flussquerungsbauwerk, wo Egau und Riedegau sich kreuzen, seinen Dienst getan. Der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren am Kreuzbau hinterlassen oder auch am Ablass, wie die Ziertheimer und Dattenhausener Bürger die Anlage liebevoll nennen. Eine Erneuerung wurde deshalb unumgänglich.

Schon seit Jahren drängten die Gemeinde wie auch der Wasserverband Egauregulierung bei den zuständigen Behörden, dass die Erneuerung des Bauwerkes in Angriff genommen werden muss. Teile des Flussbetonbettes waren bereits abgebrochen, und es drohte sogar der völlige Einsturz der wasserführenden Querung. Es stand die Frage im Raum, wer letztendlich für die Finanzierung des Projekts zuständig ist. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den zuständigen Stellen und durch ein Gerichtsurteil ist inzwischen geklärt: Der Freistaat Bayern muss den Erneuerungsbau finanzieren. Es ist mit Kosten von circa einer Million Euro zu rechnen. Denn die besondere Baustelle birgt einige Tücken.

Schon die Vorbereitungen zur Einrichtung der Baustelle waren sehr aufwendig. So musste ein Zufahrtsweg neu angelegt werden, damit die Baufirma auch mit schwerem Gerät an die Baustelle gelangt.

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Das Wasser muss auch während den Bauarbeiten fließen können

Und das Wasser muss ja auch während der Bauphase weiter fließen können. Die behördlichen Anweisungen sehen vor, dass trotz der Bauarbeiten 400 Liter Egauwasser in der Sekunde im alten Flussbett weiterfließen müssen. Deshalb wird das Egauwasser durch große Röhren, die über ein spezielles Brückenbauwerk im natürlichen Gefälle über die Riedegau verlegt wurden, wieder dem Flussbett der Egau hinter der Baustelle zugeführt werden.

Erst als das erledigt war, konnten die eigentlichen Bauarbeiten mit der Absperrung des Gewässers vor und hinter der Baustelle erfolgen. Dann konnten sich die Arbeiter auf den Abbruch der alten Anlage vorbereiten.

Wie der für dieses Projekt aufsichtsführende Bauleiter vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, Roland Hummel, erklärt, wird das neue Bauwerk wegen der schwierigen Bodenverhältnisse auf Betonstützen verankert. Die reichen gut sechs Meter in den moorigen Untergrund – das soll ein Absinken der Flussquerungsbauanlage verhindern.

Das Egauwasser wurde umgeleitet, sodass die einsturzgefährdete Betonwanne der ehemaligen Flussquerung abgerissen werden kann.
Bild: Eugen Zacher

Warum kam man vor knapp 100 Jahren eigentlich auf die Idee, die beiden Flüsse übereinander hinweg fließen zu lassen? Ein Blick in die gemeindliche Chronik aus dem Jahre 1923 gibt Aufschluss, wie wichtig der Bau damals war. Die Wiesen waren durchnässt, standen monatelang unter Wasser. Mehrmals im Jahr soll es starkes Hochwasser und Überschwemmungen gegeben haben. Das führte zur Bodenversauerung und erheblicher Versumpfung des Wiesentales zwischen Ziertheim, Dattenhausen und bis nach Wittislingen.

Darum war die Flusskreuzung nötig

Durch saures und minderwertiges Futter entstanden bei Rindern und Schafen Leberegelseuche und ähnliche Viehkrankheiten. Oft soll es vorgekommen sein, dass die Heu- und Grummeternte durch die Überschwemmung fortgespült und mitgenommen wurde. Das Egautal zu entwässern erschien immer dringlicher. Die Folge war die Herstellung der Riedegau, die Konstruktion von Gräben und Vorflutern und – die größte Maßnahme – der Bau des Kreuzbaues. Das Kulturbauamt Günzburg, wie es damals hieß, wurde mit der Ausarbeitung des Projektes betraut. Zu Beginn der 1920er- Jahre machten sich die damaligen Gemeinden des oberen Egautales, Dattenhausen, Ziertheim und Wittislingen, an die Arbeit. Es gab keinerlei Maschinen, alle Arbeiten wurden im Hand- und Spanndienst ausgeführt. Lediglich der Transport der Erde erfolgte durch sehr einfache Baustellenloren, wie sie damals üblich waren.

An der Erneuerung des Bauwerkes führte wegen der Schäden kein Weg vorbei.
Bild: Eugen Zacher

Nach der Baustelle soll es idyllisch werden

Der Geschichtsschreiber berichtet, dass insgesamt mehr als 2000 Kubikmeter Erde fortgeschafft werden musste. Mit Pferdefuhrwerken wurde Kies herangefahren, den Beton mischten die Arbeiter von Hand. Täglich waren 50 bis 60 Männer auf der Baustelle. Heutzutage alles kaum vorstellbar, zieht man einen Vergleich mit dem derzeitigen Personalbestand an der Baustelle mit drei bis vier Fachkräften. Der Bauleiter der ausführenden Firma, Stephan Hiebl, erklärt, es sei mit einer Bauzeit von einem Jahr zu rechnen.

Wie Bürgermeister Thomas Baumann berichtet, will die Gemeinde das Umfeld der Anlage nach Fertigstellung des Bauwerkes wieder zu einem Anziehungspunkt für die Bevölkerung entwickeln. Schließlich führt der idyllische Fußweg – viele nennen den Wanderpfad „über drei Brücken“ – zwischen Ziertheim und Dattenhausen unmittelbar an der Flussquerung vorbei. Gut vorstellbar, dass dort dann ein paar Ruhebänke im Schatten der hohen Pappeln zum Verweilen einladen.

Von Eugen Zacher, Gemeindehistoriker von Ziertheim

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