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Dillingen

13.05.2019

Damit kein Rehkitz verstümmelt oder getötet wird

Immer wieder werden Rehkitze übersehen und von landwirtschaftlichen Maschinen verletzt oder getötet.
Bild: Kaufmann/Deutscher Jagdverband

Die Kreisjägervereinigung Dillingen hat Tipps zum Schutz der Jungtiere. Was Landwirte tun können.

Die erste Mahd wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Denn die Ernte fällt mit der Brut- und Setzzeit von Rehkitzen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Das teilt die Kreisjägervereinigung Dillingen mit. Die Überlebensstrategie der Tiere, das „Drücken“, schütze Kitze und Junghasen vor Fuchs und Greifvögeln, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk. Wenn die Bauern jetzt im Mai mit der Futterernte beginnen, fallen laut Pressemitteilung den riesigen Maschinen bundesweit jedes Jahr Hunderttausende von Rehkitzen, kleinen Hasen und Bodenbrütern zum Opfer.

90.000 Rehkitze jährlich getötet

Allein 90000 Rehkitze werden jährlich bei der ersten Grünlandmahd verstümmelt oder getötet. Helmut Jaumann, Vorsitzender der Kreisjägervereinigung, sagt: „Das Problem: Die Jungtiere laufen auch bei großer Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in den ersten vier bis fünf Lebenswochen in ihr Versteck. Maschinen mit großer Arbeitsbreite fahren oft mit hoher Geschwindigkeit über die Felder.

Da haben die Tiere keine Chance mehr.“ Deshalb appelliert Jaumann an das Verantwortungsgefühl der Landwirte. Effektive Wildtierrettung beginne bereits vor der Mahd. Nur wenn die Landwirte die Mähtermine für Silage und Grünroggen zur Biomasseproduktion rechtzeitig abstimmen, habe der Jagdpächter die Möglichkeit, Wildscheuchen aufzustellen und die Wiesen und Felder nach Jungwild abzusuchen. Tipps der Jäger:

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Den Tieren eine Fluchtmöglichkeit bieten

Mähstrategie: Beim Grünlandschnitt sollte die Wiese von innen nach außen gemäht werden, damit Tiere die Möglichkeit zur Flucht haben. In NRW sei dies eine gesetzliche Verpflichtung.

Schnitthöhe: Je höher der Schnitt, desto geringer sind die Verluste bei den Jungtieren, die sich auf den Boden drücken, und bei Bodenbrütern. Bei der Ernte von Grünroggen für die Biogasanlage hat sich eine Schnitthöhe von 15 bis 20 Zentimetern in der kritischen Aufzuchtzeit bewährt. Von einer höheren Schnitthöhe profitieren Bodenbrüter, aber auch bodennah lebende Insekten, Nager und Amphibien.

Vergrämung: Elektronische Wildscheuchen, die unterschiedliche Töne, wie Menschenstimmen, Musik oder Geräusche, in unterschiedlicher Lautstärke aussenden, versprechen Erfolg.

Deshalb sind Drohnen im Einsatz

Der Bayerische Jagdverband hat zusammen mit dem oberbayerischen Unternehmen Geokonzept ein sogenanntes luftgestütztes Kitzrettungssystem entwickelt. Die Drohne, die mit der Schlagkraft in der Landwirtschaft mithalten kann, arbeitet mit einer Wärmebildkamera. In wenigen Minuten wird die Wiese ohne Unterbrechung abgesucht. Nach dem Flug erhält man automatisch die genauen Koordinaten von der Stelle, an der ein Tier liegen könnte. Dabei können die Landwirte ihre Wiesen ohne Unterbrechung und ohne Zeitverlust mähen. Das sei gelebter Tierschutz. (pm)

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