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Landkreis Dillingen

31.01.2020

Das Coronavirus macht es für die Wirtschaft im Landkreis schwerer

Ein Mundschutz ist sinnvoll, um andere zu schützen, wenn man selbst krank ist. Doch die Sorge vor dem Coronavirus ist übertrieben: Die Grippe greift vielmehr um sich, so hat sich die Zahl der Erkrankungen in den vergangenen Tagen stark erhöht.
Bild: Hans Klaus Techt/APA/dpa

Plus Einige Unternehmen im Landkreis Dillingen bekommen die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. Im Gesundheitsamt gibt es zugleich merkwürdige Anrufe.

Das Coronavirus hält China in Atem – und nach den ersten Infektionsfällen in Bayern greift auch in Deutschland die Sorge vor Ansteckung um sich. In China sind Schulen und Kindergärten geschlossen, Menschen gehen kaum noch auf die Straße und die Regierung hat ganze Städte von der Außenwelt abgeschottet, indem sie beispielsweise Überlandverbindungen mit dem Bus gestrichen hat. Auch im Landkreis Dillingen ist die Aufregung inzwischen angekommen: Im Gesundheitsamt rufen Menschen an, die besorgt sind, weil sie in einem China-Restaurant essen waren. Oder weil sie einen asiatisch aussehenden Mann gesehen haben, der gerade gehustet hat. „Wer nicht gerade in China war und auch niemanden persönlich getroffen hat, der gerade von dort kommt, muss sich keinen Sorgen machen“, betont Dr. Uta-Maria Kastner, Leiterin des Dillinger Gesundheitsamtes. „Wer jetzt hustet und Fieber hat, der leidet am wahrscheinlichsten an einer Influenza.“

Die Grippe greift im Landkreis Dillingen um sich

Und die greift im Landkreis Dillingen tatsächlich um sich: Wie die Zahlen des Gesundheitsamtes zeigen, waren in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres nur zwei Personen an der Grippe erkrankt. In der vergangenen Woche waren schon zehn, in dieser Woche sind es 14. Die meisten Patienten sind an der Influenza A erkrankt, weniger an der Influenza B. Beide Influenzaarten wären durch eine Impfung abgedeckt, erklärt Dr. Kastner. Einen Todesfall durch die Grippe gab es bislang heuer nicht. Es wäre sinnvoller, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, als sich um den Coronavirus zu sorgen. Auf beide Erkrankungen sei der Landkreis vorbereitet. Patienten, die gerade in China waren, können sich beim Gesundheitsamt auf Grippe- und Coronaviren testen lassen. Letzteren würde man aber nur in so einem Fall durchführen. „Wäre das Standard, werden die Labore mit den Tests blockiert.“

Auch auf die Wirtschaft hat das Virus Auswirkungen: Ganze Unternehmen sind dichtgemacht worden, die Produktion steht still. Das macht sich sogar in Höchstädt bemerkbar, wie der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Dillingen, Gregor Ludley, auf Anfrage bestätigt: Ein Kunde, den Ludleys Firma Nosta in der Vergangenheit mit Präzisionsteilen belieferte, habe eine Bestätigung gefordert, dass die Produkte des Höchstädter Unternehmens frei vom Coronavirus sind. Zum Glück laufe derzeit kein Auftrag, denn er wisse nicht, wie eine solche Bestätigung aussehen soll, sagt der Geschäftsführer. Auch Logistik-Unternehmen, die Nosta-Kunden in China beliefern, seien verunsichert, hat Ludley festgestellt. Denn sie wüssten nicht, ob die Firma zum Zeitpunkt der Lieferung überhaupt arbeite.

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Für die Wirtschaft sei es schlecht, wenn maßgebliche Absatzmärkte in China wegbrechen, sagt der IHK-Regionalvorsitzende. Für Nosta werden sich voraussichtlich einige Lieferungen in die Volksrepublik verzögern. Angesichts der weltwirtschaftlichen Gesamtsituation komme das Coronavirus „zur Unzeit“. Ludley warnt aber auch davor, in Hysterie zu verfallen. Nosta habe derzeit die Anfrage erhalten, ob die Firma mit Produkten aushelfen könne, weil der Konkurrent in China gegenwärtig nicht liefern könne.

Auf Grünbeck hat das Virus konkrete Auswirkungen

Konkrete Auswirkungen hat das Virus auf die Firma Grünbeck in Höchstädt, die in der chinesischen Millionenstadt Qingdao eine Niederlassung mit acht Mitarbeitern betreibt, die dort für den Vertrieb der Produkte des Wasseraufbereitungs-Unternehmens zuständig sind. Wie Geschäftsführer Günter Stoll mitteilt, hat Grünbeck ein Reiseverbot verhängt. Höchstädter Mitarbeiter dürfen gegenwärtig nicht nach China reisen, und umgekehrt verzichtet die Firma derzeit auf die Schulung der chinesischen Beschäftigten vor Ort in Höchstädt. „Wir wollen kein Risiko eingehen und nehmen lieber ein Web-Meeting mehr in Kauf“, sagt Stoll. Bei Webasto, wo Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert worden seien, ist die ganze Firmenzentrale lahmgelegt worden.

Same Deutz-Fahr merkt derzeit keine Auswirkungen durch das neuartige Virus. Wie der Sprecher der Niederlassung in Lauingen, Robert Bielesch, erklärt, ist das Unternehmen nicht betroffen. „Noch nicht“, wie er betont. Eine Infizierung durch gelieferte Teile befürchte man aktuell nicht. „So wie ich das verstanden habe, geht das nur von Mensch zu Mensch. Da muss man direkt angehustet werden.“ Die alljährliche Grippewelle treffe das Unternehmen da stärker.

Auch die beiden Deutz-Fahr-Werke in China, wo insgesamt rund 700 Mitarbeiter Traktoren und Erntemaschinen herstellen, seien vom Coronavirus nicht betroffen. Die Produktionsstätten Linshu und Suihua sind zwischen 1000 und 2500 Kilometer von der momentan am stärksten betroffenen Region Wuhan entfernt. „Wir beobachten das. Aber aktuell ist alles gut.“

In Wertingen verfolgt einer die Debatte um das Coronavirus mit gemischten Gefühlen

Der Geschäftsführer der Erwin Müller Versandhaus GmbH, Tobias Eder, erläutert, dass das Unternehmen in Buttenwiesen derzeit keine Wareneingänge aus China erwarte. Die öffentliche Debatte um das Virus verfolge er mit gemischten Gefühlen, sagt Eder. Einerseits habe er die Sorge, dass sich das Coronavirus rasant ausbreiten könne. Auf der anderen Seite sei es gerade in diesen Tagen saisonal üblich, dass Beschäftigte unter einer „normalen“ Grippe leiden, die vermutlich nicht weniger gefährlich sei. Was das Coronavirus anbelangt, hat der Wertinger Apotheker Heinrich Klimesch bei seinen Kunden in der Martinus-Apotheke „eine große Gelassenheit“ ausgemacht. Zwei drei Anfragen habe es zuletzt wegen eines Mundschutzes gegeben. Der sei aber momentan vergriffen. Klimesch sagt auf Anfrage, dass es durchaus sinnvoll sein könne, wenn Menschen mit Virusinfektionen in einer vollen U-Bahn einen Mundschutz tragen. Er empfiehlt aber, das Coronavirus nicht überzubewerten. „Es soll ja weniger gefährlich als eine normale Grippe sein“, hat Klimesch gehört. Und die Arzneimittelhersteller arbeiten seinen Worten zufolge unter Hochdruck an einem Impfstoff. Im Dillinger China-Restaurant Hong Kong merkt man von der Aufregung übrigens nichts. Das Geschäft laufe wie gewohnt, sagt Xiao Xin Petzsch. Sie kennt in ihrer Heimat auch niemanden, der am Coronavirus erkrankt ist. Und die Verwandtschaft lebt größtenteils ohnehin in Kanada.

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