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31.07.2019

Das Dillinger Staudenparadies

Dagmar Widmann in ihrem Garten. Die 74-Jährige leitet den Dillinger Gartenbauverein, ist Schriftführerin im Obst- und Gartenbauverein des Landkreises und Mitglied der Deutschen Staudengesellschaft. Ihr Garten ist ihre Leidenschaft. Dennoch hat sie einen gelassenen Umgang mit den Pflanzen.
Bild: Homann

Zweimal im Jahr bewegt Dagmar Widmann unzählige Töpfe. Darin stecken vor allem Exoten. In unserer Gartenserie stellen wir ihr Paradies vor.

Dagmar Widmann hat nicht nur einen großen Garten; es ist ein Gelände voller Geschichten. Über Menschen, über ferne Länder, über Glück und Pech. Und ein Mal im Jahr holt die 74-Jährige einen großen Teil ihres Gartens ins Haus.

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Denn es sind vor allem exotische Stauden, die es der umtriebigen Rentnerin angetan haben. Und die sind unsere teils frostigen Winter nicht gewohnt. Mit weit ausgebreiteten Armen steht sie vor ihrer Terrasse und deutet zum Haus: „Wer null bis fünf Grad verträgt, steht da. Die Winterharten dort. Die, die zehn bis fünf Grad brauchen, stehen drinnen und im alten Orchideengewächshaus meines Mannes bewahre ich im Winter die Pflanzen auf, die es warm brauchen.“

Die Töpfe hat sie nie gezählt, den Inhalt kennt sie ganz genau

Wie viele Töpfe die Rentnerin mit dem flotten Pferdeschwanz im Frühjahr erst raus- und im Herbst wieder hineinträgt und -schiebt, weiß sie nicht. Jedes Jahr zieht sie neue Pflanzen an. „Heuer sind es viel zu viele“, seufzt sie. Links und rechts von der Terrasse stehen in kleinen Bassins unzählige kleine Töpfe, aus denen etwas Grünes ragt. Es sind vor allem Exoten der Südhalbkugel, die es der 74-Jährigen angetan haben. Beim Wandern auf Zypern oder Korsika habe sie Samen mitgenommen und teils die Pflanzen damit selbst gezogen. Hibiskus, Zistrosen, Winde, Korallenstrauch, roter Salbei, Engelstrompete, Zimmerknoblauch… die Liste scheint endlos. Wird das nicht irgendwann alles zu viel? „Ach, irgendetwas geht ja immer auch kaputt“, sagt Widmann leichthin. Es ist auch nicht einfach: Die Don-Juan-Pflanze (Juannulloa), die normalerweise im brasilianischen Urwald wächst, wird dort vom Kolibri und hier vom Taubenschwänzchen bestäubt. Kräftige, große orange Blüten hängen an langen, grünen Zweigen. Doch der Nachwuchs im vergangenen Jahr wollte nicht so recht. Also versucht die passionierte Gärtnerin und Vorsitzende des Dillinger Gartenbauvereins es heuer noch mal.

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Ein Wasserspiel, ein Teich, verschiedene Sitzgelegenheiten

Und das sind nur die Töpfe. Der Widmann-Garten ist 700 Quadratmeter groß. Bienen und Hummeln surren um das große Haus, das rundherum von Blumen und Bäumen umgeben ist. Lavendel, Jasmin, Christrosen (darunter eine korsische), Seidelbast, Clematis, Rhododendron, Efeu – das alles rahmt den Eingang des Hauses von der Straße her ein. Im Garten ein ausladendes Rasenstück, eingefasst von den besagten Töpfen. Zwischen Haus und Garten ein Beet mit Malven und Sumpfgladiolen.

Dahinter, zum Nachbargarten hin, ein Wasserspiel. Widmanns verstorbener Mann Herbert war Architekt. 1975 zog das Paar in das Haus, irgendwann legte er einen großzügigen Bachlauf an, der hinter dem Rasenstück an der Grenze zum Nachbarn verläuft. Grob gesagt. Denn eingewachsen von Alpenveilchen, winterharten Fuchsien, pinkem Bartfaden und anderen Blumen ist das nicht so genau zu verfolgen. „Irgendwas blüht immer“, sagt die erfahrene Hobbygärtnerin und zupft im Vorbeigehen ein paar vertrocknete Blüten ab. Immer wieder streifen ihre Hände über Gräser und Sträucher. Neben einer Bank ragt eine Zitronenverbene in die Höhe. „Riechen Sie mal“, sagt sie. So wie sie durch den Garten wandelt, wie liebevoll ihr Blick über die Pflanzen streicht, so ist auch ihr Umgang mit dem Grün: entspannt. „Die Zistrose da vorn habe ich im Winter draußen vergessen. Ich glaube, sie kommt besser als die, die im Winter drinnen standen.“ Gegossen wird kaum. Die Pflanzen würden sich das Wasser aus der Erde holen. Nur um Neuanpflanzungen kümmert sie sich mehr. Unkrautzupfen läuft quasi nebenher. Wenn irgendwo Läuse auftauchen, freuen sich die Meisen und auch kranke Rosen seien kein Desaster: „Das ist nicht so schlimm, das vergeht oft.“

Im Internet wird immer mal wieder etwas bestellt. Manchmal auch mehr...

Der Bachlauf mündet in einen Teich, davor ein kleiner Sitzplatz. Ein „gefüllter Granatapfelbaum“ trennt ihn vom Moorbeet, in dem Orchideen und Heide wachsen. Vorbei an Schneeball, südafrikanischem Hasenohr und dem Schmetterlingsstrauch aus Uganda führt der Weg weiter zum ersten großen Baum. Ein Missverständnis. „Meine Tochter hat ein Praktikum bei einem Wertinger Gärtner gemacht. Und mir einen Strauch mitgebracht“, Sagt Dagmar Widmann und deutet auf den Baum. 30 Jahre ist das her. Doch selbst dieser Baum kommt nicht an das heran, was um die Häuserecke zur Straße hinsteht: ein Blauglockenbaum aus der Toskana. Den hatte Widmanns Mann einst in Dillingen gekauft. Die gewaltige Krone hängt weit über den Zaun. „Die werden einfach immer größer, man glaubt es nicht“, sagt Dagmar Widmann. Was auch immer der Fachhändler ihr als „empfindlich“ oder „heikel“ verkauft habe – in ihrem Garten wächst es wie verrückt. Dazu bestellt Widmann regelmäßig neue Pflanzen, auch über das Internet. Als ihre Lieblingsblume, die Canarina canariensis, die Glockenblume von den Kanaren, einging, bestellte sich die Rentnerin flugs neue Samen. Von Teneriffa, Gran Canaria, Las Palmas – „und dann hab ich noch eine andere Pflanze gefunden – da werden die Augen halt immer größer“, gesteht sie und lacht.

Es gibt ein „Enkelinnenbeet“, wo sich der Nachwuchs austoben kann, diverse Insektenhotels, eine Igeltreppe, einen Altholzhaufen für Insekten … Einst hatte sie sich eine Clematis gewünscht, die ihrem Mann überhaupt nicht gefiel. „Ich habe sie dann heimlich besorgt. Eines Tages kam mein Mann aus dem Garten und meinte, da blühe eine wunderschöne Blume. Ja, habe ich gesagt, das ist die, die Du nicht gewollt hast“, sagt sie und lacht bei der Geschichte. Dann bleibt ihr Blick auf großen Blumen hängen und sie wird etwas nachdenklich. Seit vier Jahren ist Widmann Witwe. „Die Lilien da drüben, die haben wir meinem Mann auf seinem letzten Weg mitgegeben.“

Aktion Sie haben auch einen tollen Garten? Dann melden Sie sich bei uns. Wir stellen den ganzen Sommer über kleine Paradiese vor. Das können auch ein Balkon, ein Winter- oder ein Schrebergarten sein. Telefon: 09071/7949-12, E-Mail an redaktion@donau-zeitung.de

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