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Wittislingen

28.03.2019

Das Wittislinger Volleyball-Märchen

Das Volleyballteam der Grund- und Mittelschule Wittislingen hat zum zweiten Mal in Folge die Bayerische Meisterschaft gewonnen.
Bild: Tanja Ferrari

Von Volleyball haben sie gar nicht so viel Ahnung, aber die Wittislinger Schüler haben zwei Mal die Bayerischen Meisterschaft gewonnen. Wie ihr Geheimrezept aussieht.

Stolz ist es von den Bayerischen Volleyballmeisterschaften zurück nach Hause gefahren. Das Team der Wittislinger Grund- und Mittelschule hat es geschafft. Die Spieler haben ihren Titel verteidigt. Schüler Korbinian Weißelrieder, der seit zweieinhalb Jahren in der Mannschaft spielt, ist begeistert und sagt: „Das ist ein großer Erfolg für unser Team.“ Sein Sportlehrer und Coach Günter Hirschmann habe ihn schon vor drei Jahren, als er noch in die fünfte Klasse gegangen sei, gefragt, ob er nicht in der Volleyballmannschaft mitspielen wolle. „Lust hätte ich zwar gehabt, es ging aber nicht“, erzählt der 14-Jährige. Die Lern-AG ging vor. Ein Jahr später habe es die AG nicht mehr gegeben und er sei zum Volleyball gewechselt. Ein Glücksgriff, findet auch Trainer Hirschmann. „Wir nehmen so ziemlich alles, was laufen kann, und sind nicht wählerisch“, sagt er und lacht. Alle, die Jahrgang 2003 oder jünger seien, hätten die Möglichkeit, ins Team einzusteigen, so der Trainer. „Jeder, der infrage kommt, wird von mir angesprochen“, sagt der Coach.

Gegen deutlich größere Schulen durchgesetzt

Dass sein Team auch in diesem Jahr die Bayerischen Meisterschaften gewinnen konnte, freut Hirschmann ganz besonders. Er sagt: „Die anderen Schulen in der Liga sind viel größer, oftmals sind sogar Stützpunktschulen dabei. Unsere Leistung war deshalb wirklich großartig.“ In die Grund- und Mittelschule in Wittislingen gehen aktuell 84 Schüler, davon spielen acht in der Altersklasse U14. „Damit man auch als kleine Schule erfolgreich sein kann, braucht man Spieler mit Charakter“, sagt Hirschmann schmunzelnd. Motiviert und engagiert sind seine Schüler, trotzdem ist es mit dem Training nicht ganz einfach. Das Team habe die Möglichkeit, einmal wöchentlich im Sportunterricht und am Freitagnachmittag zu trainieren. „Die Zeit ist knapp bemessen“, findet auch Korbinian. Mit Auf- und Abbau blieben oftmals nur noch 20 Minuten für das eigentliche Spiel, erzählt er. Umso schöner findet es dann der Coach, wenn die Schüler sich für ihr Training einsetzten. In den Ferien hätten sie beispielsweise auch die ein oder andere Trainingseinheit eingelegt. Am liebsten würden die Schüler jeden Tag spielen, Regenerationsphasen seien aber auch wichtig, sagt Hirschmann.

Bild: Tanja Ferrari

Der Trainer war eigentlich Basketball-Experte

Seit 30 Jahren unterrichtet der Pädagoge schon an der Schule in Wittislingen. Das Volleyballteam habe er auch von Anfang an betreut. Und das, obwohl er eigentlich keine Ahnung von der Sportart gehabt habe, erzählt er lachend.

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„Ich kam ursprünglich von einer Basketball-Schule“, sagt Hirschmann. Ein Nachteil für das Team sei das allerdings nicht. Im Gegenteil: „Die anderen Mannschaften sind oftmals überfordert mit unserem Spiel, weil wir nicht nach Lehrbuch spielen und denken“, sagt er. Stattdessen würde das Team versuchen, aus verschiedenen Sportarten das Beste für ihr Spiel herauszusuchen. „Ich habe beispielsweise den Aufschlag vom Tennis abgeschaut und spiele ihn leicht angeschnitten“, sagt Korbinian. Auch beim Schmettern würden sie nicht wie normalerweise beim Volleyball mit beiden Beinen abspringen, sondern immer nur mit einem, so wie das beim Basketball gemacht wird. Das sieht auch Hirschmann so: „Insgesamt setzen wir bei unserem Training auf Abwechslung.“ Nicht nur auf Volleyball bezogen würde das Team versuchen, die unterschiedlichsten Qualitäten zu stärken. Beispielsweise sei für die Zukunft auch eine Drill-Einheit geplant, bei der die Spieler möglichst viele Schmetterbälle in der Minute schlagen müssten, sagt er. Wenn der Coach seinen Glückspullover trage, könne bei den Spielen allerdings sowieso nicht viel schiefgehen, erzählt der 14-jährige Markus Wegner und muss lachen. „Damit haben wir die letzten zehn Spiele gewonnen, neun davon ohne Satzverlust“, sagt er stolz.

Die Wittislinger haben große Pläne für die Zukunft

Seit einem Jahr spielt auch Markus nun schon für das Volleyballteam. Auf dem Feld überzeugt er vor allem durch seine Strategie und sein Denken. Der Vierzehnjährige erzählt: „Das mit der Technik habe ich recht schnell gelernt, aber bei den Spielen war ich anfangs sehr nervös.“ Auch bei den Bayerischen Meisterschaften sei ihm seine Nervosität zum Verhängnis geworden. „Ich musste im zweiten Satz ausgewechselt werden“, sagt er. Den Tunnelblick, den es für ein konzentriertes Spiel brauche, müsse er erst noch entwickeln. Mit seinen knappen 1,80 Metern sei Markus allerdings schon jetzt der neue Hoffnungsträger der Mannschaft, wie Trainer Hirschmann verrät. Denn für die Zukunft hat das Team schließlich große Pläne.

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