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Lutzingen

18.06.2019

Der Klosterring im Herzen von Unterliezheim

Die Straße Klosterring in Unterliezheim hat eine reiche Geschichte. Sie ist ringförmig und im Herzen der Ortschaft. Sie ist auch deshalb sehr bekannt, weil rund um die Kirche und das Klosterbräu viele Radtouristen vorbei kommen.
Bild: Manfred Schiedl

Straßenserie: Die Straße Klosterring in dem Lutzinger Ortsteil hat eine reiche Geschichte. Wir werfen einen Blick zurück.

Unterliezheim Der Klosterring ist, wie der Name schon sagt, eine ringförmige Straße im Herzen von Unterliezheim. Er umschließt das ehemalige Frauenkloster und die Kirche Sankt Leonhard. Bereits im Jahr 1026 stiftete ein Graf Adalbert mit seiner Gemahlin Judita ein Nonnenkloster. Sie übergaben am 21. April 1026 diese Abtei Unterliezheim dem Augsburger Bischof Bruno, Prinz von Bayern (1006-1029). Das Übergabeprotokoll hatte ungefähr folgenden Wortlaut: Es sei gegenwärtigen und kommenden Gläubigen bekannt gemacht, wie der edle Herr Adalbert, Graf, mit seiner Gemahlin Judita die feierlich gelobte Abtei Liedesheim vor dem Altar der heiligen Maria in Augsburg, dem Bischof Bruno, in Gegenwart des Bischofs, in die Hände seines Advokaten feierlich und gesetzmäßig übergeben hat.

Judita von Werdenberg hatte das Kloster für adelige Frauen gestiftet

An den einzelnen Jahren sollen von eben erwähntem Altar fünf Silberdukaten an Zins an das Kloster gezahlt werden. Jeder Insasse des Klosters wird zum Dienst für den Bischof verpflichtet, gemäß der Wahl der Äbtissin und der anderen Klosterfrauen, die in diesem Kloster nach der gemeinschaftlichen Regel leben. Jeder darf sich des Schutzes und der Verteidigung durch den Bischof erfreuen und keiner darf von bösen Menschen geplagt werden. Wie in verschiedenen Auszügen in der Studienbibliothek Dillingen zu entnehmen ist.

Judita von Werdenberg hatte dieses Kloster für adelige Frauen gestiftet, die nach den Regeln des heiligen Benedikt lebten. Die Zahl der Klosterinsassen schwankte zwischen 11 und 13. Laut Übergabebrief vom 26. April 1026 sind die Lebensverhältnisse der Klosterfrauen folgendermaßen geregelt: „Täglich sollen ihnen zwei Brote gegeben werden, und zwar eines von Spelt (Dinkel) und eines von Weizen, mit einem bestimmten Gewicht. Drei Tage in der Woche sollen sie zwei Speisen von Fleisch und die anderen Tage zwei Speisen von Fisch, Käse oder Eiern beziehungsweise Hülsenfrüchte und Gemüse erhalten.“ Dazu noch sechs Krüge Bier. Bier war damals schon das Volksgetränk des kleinen Mannes und wurde aus Weizen und Gerste hergestellt.

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Weiterhin wurde bestimmt, „daß jedes Mitglied jährlich ein Kleidungsstück, aus Leinen oder Wolle gewebt, bekommt. Keine Äbtissin oder irgend eine andere Person soll an diesen Dingen einen Abzug erleiden oder weniger Recht haben“.

Das Kloster bestand bis 1540

Dieses Kloster bestand bis um 1540, als es Herzog Ottheinrich von Pfalz-Neuburg aus finanziellen Gründen aufheben ließ. Der Übertritt des Herzogs zum Protestantismus im Jahre 1542 bedeutete das endgültige Aus für das Frauenkloster, denn alle pfalz-neuburgischen Untertanen mussten den Religionswechsel ihres Landesherrn nach dem Prinzip „Cuius regio eius religio“ mit vollziehen.

Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, der 1613/1614 zum katholischen Glauben zurückgekehrt war, ließ sein Herzogtum rekatholisieren. In Unterliezheim griffen diese Maßnahmen aber erst mit einiger Verspätung, da das ehemalige Klostergut zum Witwengut der streng protestantischen Herzogin Anna von Pfalz-Neuburg, der Mutter Wolfgang Wilhelms, gehörte. Der Sohn und Nachfolger von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm, Philipp Wilhelm übergab 1655 das Kloster dem Reichsstift Sankt Ulrich und Afra in Augsburg, damit es von dort aus mit Benediktinerordenspersonal besetzt wurde. Es lebten drei Mönche damals in Unterliezheim. Das Reichstift übernahm die Pfarr- und Klosterkirche in sehr ruinösem Zustand. „Der alte Bau“, sagt ein Bericht im Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen von 1907, „war durchaus geschlaudert, hatte zu Zeiten der Lutheranismi als Pferdestall gedient und glich durchaus keiner Kirche.“

Die neue Kirche kostete 30.000 Gulden

Erst 1731 traf man ernsthafte Vorbereitung für einen Neubau der Kirche. Im folgenden Jahr wurde der Grundstein gelegt, 1741 war der Bau in der Hauptsache vollendet. Schon am 14. September 1740 wurde der Kirche mit ihren fünf Altären die Weihe erteilt. Die Kosten beliefen sich auf mehr als 30.000 Gulden. Cölestin Mayer Probst in Liezheim, unter dessen Amtsführung der Bau begonnen worden war, steuerte aus seinem Privatvermögen 5000 Gulden bei.

Nachdem man sich vom Kirchenbau finanziell etwas erholt hatte, konnte die kleine Klostergemeinde an den Neubau der Wohn- und Ökonomiegebäude denken. Das Ganze wurde 1777 fertiggestellt und mit einer Mauer umfriedet. Mit der Säkularisation der Probstei zugunsten des Bayerischen Kurfürsten Maximilian Joseph am 8. November 1802 ging die Klostertradition in Unterliezheim zu Ende. Die seelsorgerische Betreuung der Gemeinde übernahm 1806 ein Kurator. Im Jahre 1847 wurde Unterliezheim mit königlicher Billigung zur Pfarrei erhoben. Die Wallfahrt hatte bereits vor der Säkularisation einen deutlichen Rückgang erfahren.

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