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Bissingen

10.11.2020

Der Michelsberg im Kesseltal ist ein Ort mit vielen Geheimnissen

Ein landschaftlicher Fixpunkt im oberen Kesseltal und eines der lohnenswertesten Wanderziele weit und breit ist der Michelsberg mit seiner Umgebung.
Bild: Helmut Herreiner

Vor 40 Jahren wurde in die Michaelskirche bei Fronhofen eingebrochen. Heute ist dieser besondere Ort im Kesseltal ein beliebtes Wanderziel.

Ein geheimnisumwitterter Berg ist der Michelsberg im oberen Kesseltal. Er gilt neben der Hochsteiner Kapelle, der Wallfahrtskirche Buggenhofen und der Ortsansicht von Bissingen als eines der Wahrzeichen des Kesseltals und ist zu allen Jahreszeiten ein herrlich gelegenes Wanderziel.

Weithin bekannt sind die Höhle Hanseles Hohl und die Michaelskirche. Diese war genau vor 40 Jahren Schauplatz eines Geschehens, über das bis heute im Kesseltal gesprochen wird. Vor einigen Jahren, als der als Wanderziel mittlerweile sehr beliebte Erlebnisweg „Rund um den Michelsberg“ angelegt wurde, stellte man an einem markanten Felsblock, der unmittelbar an diesem Weg am Fuße des Nordhangs des Berges liegt, eine Informationstafel auf. Die Tafel und der tonnenschwere Felsblock erinnern daran, was in der Nacht vom 7. auf 8. März 1980 geschah. Damals drangen unbekannte Täter durch die mit einem Schraubenzieher aufgebrochene Tür der Sakristei in die einsam auf der Bergeshöhe gelegene Michaelskirche ein und entwendeten eine ganze Reihe sakraler Gegenstände. Dies waren ein Kreuz mit Christusfigur, eine Madonnenfigur und eine kleine Michaelsstatue, zwei Engelsfiguren und zwei Putten sowie ein vergoldeter Kelch und ein vergoldetes Ziborium.

Von Nordschwaben bis nach Mittelfranken

Dass der Schaden nicht noch größer war, verdankte die Pfarrei Fronhofen wohl dem großen Felsblock, der als eine Art „himmlische Alarmanlage“ just in der Diebstahlsnacht den steilen Nordhang des Michelsberges hinunterstürzte. Das ungeheure Gepolter muss die Diebe zu einer überstürzten Flucht veranlasst haben, darauf sollen zumindest noch einige Spuren tags darauf hingedeutet haben.

Ein tonnenschwerer Felsblock, der verhinderte, dass Kirchendiebe in der Michelskirche einen noch größeren Schaden anrichteten, ist am Rande des Erlebnisweges „Rund um den Michelsberg“ zu besichtigen.
Bild: Helmut Herreiner

Auf der Informationstafel am Felsblock heißt es jedenfalls: „Durch das Geräusch, das der Felssturz verursachte, sind die Einbrecher so erschrocken, dass sie die Kirche fluchtartig verlassen haben. Durch die hastige Flucht mussten die Räuber einige wertvolle Figuren zurücklassen. Leider sind einige Kunstwerke bis auf den heutigen Tag nicht wieder aufgetaucht.“ Was man über diesen Kirchenraub trotzdem weiß, ist, dass er wohl im Zusammenhang mit einer groß angelegten Diebstahlserie in den Jahren 1979/1980 in ganz Nordschwaben, aber auch im angrenzenden Mittelfranken und Oberbayern stand.

40 Einbrüche und Diebstähle

Allein in Schwaben sind in diesem Zeitraum etwa 40 Einbrüche und Diebstähle verzeichnet. Die Täter entwendeten in der Diebstahlsnacht vom 7. auf 8. März 1980 auch noch eine große Christusfigur auf einem Feldkreuz zwischen Fronhofen und Thalheim. Meist wurde die Diebesbeute über Hehler an Interessierte im In- und Ausland weiterverkauft. Im Juni 1980 verhaftete die Polizei einen 33-jährigen Hilfsarbeiter, der im Verdacht stand, unter anderem auch am Einbruch in der Michelskirche unmittelbar beteiligt gewesen zu sein. Dem Mann war die Polizei durch einen Zufall auf die Spur gekommen.

Silberfiguren aus Binswangen

Bei einem Verkehrsunfall am 5. Mai nahe Immenstadt im Allgäu wurde nämlich im Kofferraum des Unfallautos die Fronhofener Rosenkranzmadonna gefunden. Der Fahrer des Wagens hatte sie von dem Hilfsarbeiter auf dem Schwarzmarkt erworben. Als die Polizei den möglichen Räuber festnahm, fand sie bei ihm auch noch einige Silberfiguren, die zu einer in Binswangen bei Wertingen gestohlenen, wertvollen Monstranz gehörten. Da der 33-Jährige hierzu nur sehr unglaubwürdige Angaben machte, wurde er in Untersuchungshaft genommen. Über sein weiteres Schicksal ist bis auf die Tatsache, dass er sehr hartnäckig leugnete, zumindest im Kesseltal nichts bekannt.

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