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Finningen

03.10.2018

Die Bachmuscheln sind gerettet

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Sie ist stark gefährdet: die Bachmuschel.

Landwirte, Feuerwehr und das Team Bodenständig haben gemeinsam einen Abschnitt am trockenen Brunnenbach bewässert. Die Muscheln hatten sich bereits unter Laub vergraben.

Es war eine rundum gelungene Aktion, die einige Landwirte aus Finningen mit dem Team von „Bodenständig“ und der örtlichen Feuerwehr sowie dem Landschaftspflegeverband Donautal-Aktiv in kürzester Zeit ins Leben gerufen hatten. Die Rettung der seltenen Bachmuschel stand auf dem Plan, denn durch die Dürre der vergangenen Monate hatte auch der Wasserstand im Brunnenbach stark gelitten. Stellenweise war das Bachbett schon trocken, sodass sich die Muscheln unter das letzte verbliebene feuchte Laub vergraben hatten.

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Als Bernhard Bacherle vom Projekt-Team Bodenständig dies erkannte, rief er die Bauern aus der Umgebung zu Hilfe: „Eigentlich war ich unterwegs, um bei den Landwirten für Flächentausch, Flurneuordnung und die Anlage von Rückhalteelementen zu werben. Dabei besuchte ich auch den Muschelbeauftragten Werner Oblinger und berichtete ihm von meiner Beobachtung.“ Dann ging alles ganz schnell. Oblinger übernahm laut Pressemitteilung die Organisation, unterstützt von Susanne Kling von Donautal-Aktiv. Innerhalb weniger Stunden war der Muschel-Rettungsplan erstellt.

Viele Helfer trafen sich am nächsten Tag bei der Brunnenmühle bei Landwirt Michael Keis, um von dort die nötigen Maßnahmen anzugehen. Mitglieder der Feuerwehr errichteten provisorische Dämme aus Folien und Sandsäcken, und zwei gereinigte Güllefässer wurden mit Wasser befüllt, das dann in den Brunnenbach geleert wurde. Es dauerte eine Weile, bis sich das feuchte Nass vorgearbeitet hatte. Doch schließlich war die Freude groß: Das Bachbett füllte sich und die Muscheln kamen schließlich langsam wieder aus dem Laub hervor.

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Bacherle zeigte sich begeistert von dem Zusammenhalt der Beteiligten: „Das Ganze ist ein tolles Beispiel, wie Landwirte und Menschen vor Ort sich um ihr Naturerbe kümmern und aktiv den Artenschutz unterstützen. Toll fand ich auch, mit welcher Dynamik die Aktion innerhalb weniger Stunden auf die Beine gestellt wurde.“ Unterstützung erfuhren sie auch vom Landkreis mittels einer kleinen Finanzspritze.

Am Brunnenbach gibt es eines der letzten großen Vorkommen der stark gefährdeten Bachmuschel (Unio crassus) in Schwaben, wie Susanne Kling erklärt: „Daraus entstand das erste Pilotprojekt Bodenständig zum Schutz der Bachmuschel unter Federführung des Amtes für Ländliche Entwicklung Schwaben und unter der Projektleitung des Landschaftspflegeverbandes bei Donautal-Aktiv.“ Das Prinzip: Nachhaltiger Boden- und Wasserschutz lässt sich nicht durch kurzfristigen Aktionismus erwirken. Es brauche dafür einen langen Atem. Die Initiative Bodenständig möchte erreichen, dass immer mehr Menschen in einer Region beim Boden- und Gewässerschutz selbst aktiv werden.

Bacherle betont: „In der Initiative Bodenständig geht es um die Menschen, die zutiefst mit ihrer Heimat verbunden sind und die sich aus diesem Grund auch für einen sorgsamen Umgang mit ihren Lebensgrundlagen Boden und Wasser einsetzen.“ Es gehe von Anfang an um das voneinander Lernen. Nicht die Planung, sondern das miteinander Gestalten stehe im Mittelpunkt. Bodenständig-Projekte entstehen, wie es in der Mitteilung heißt, immer dort, wo fachlicher Bedarf gesehen wird und engagierte Menschen vor Ort – unter den Landwirten und bei den Gemeinden – selbst aktiv werden wollen, erläutert Bacherle. „Dass dies gelingt, dafür ist unsere Muschel-Rettungsaktion ein wunderbares Beispiel.“ (pm)

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