1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Die Flutpolder und viele offene Fragen

Hochwasserschutz

03.08.2017

Die Flutpolder und viele offene Fragen

Vertreter von Naturschutz und SPD suchten in Höchstädt nach Antworten

Ein „Riesenflutpolder“ soll nach Worten von Wolfgang Konle, SPD-Kreisrat, direkt vor den Toren Höchstädts gebaut werden. Die Rede ist vom geplanten Flutpolder Neugeschüttwörth. 32 Millionen Kubikmeter Wasser soll er fassen können. Wie sinnvoll Flutpolder überhaupt sind, dem wollte die SPD in einer Infoveranstaltung nachgehen. Rund 30 Besucher lockte die Veranstaltung nach Höchstädt, die der SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Dillingen, Christoph Schmid, eröffnete.

SPD-Stadtrat Konle erklärte, dass auch Höchstädt vom Hochwasser bedroht ist. Laut Unterlagen des Wasserwirtschaftsamtes von 2016 könnten 158 Gebäude davon betroffen sein, der Schaden läge zwischen 25 und 60 Millionen Euro. Als er auf die möglichen Dämme am Flutpolder Neugeschüttwörth zu sprechen kam, erkundigte sich ein Besucher danach, ob es topografische Daten gibt, um zu sehen, wie hoch die Dämme sein werden. Doch diese Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamtes werden laut Konle erst 2018 abgeschlossen sein.

Dieter Leippert, Vorsitzender des Bund Naturschutz im Kreis Dillingen, erklärte im Anschluss, sein Verband sei grundsätzlich gegen Flutpolder. „Technischer Hochwasserschutz funktioniert nicht. Wir müssen erst die Potenziale der Natur nutzen, dann können wir technische Möglichkeiten prüfen.“ Leippert zeigte die Ursachen für Hochwasser auf, etwa fehlende Rückhalteräume, den Verlust der Auen oder die Kanalisierung und Einengung der Fließgewässer. Als Lösungen schlug er die Reaktivierung von Auen und Mooren vor. Wenn Fläche versiegelt werde, müsse gleichzeitig woanders entsiegelt werden. „Wir müssen das Wasser halten, wo es entsteht, dann kommt in Donauwörth auch nicht so viel an.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die SPD-Landtagsfraktion hat sich nach dem Standort und den Dimensionen des Flutpolders Neugeschüttwörth erkundigt. Die Antwort der Staatsregierung stellte Landtagsabgeordneter Herbert Woerlein aus Stadtbergen vor. So sprächen eine große Hochwasserwirkung, das günstige Talgefälle, kaum Bauwerke und wenig Infrastruktur für das Gebiet, das schon zum Teil überflutet werde und zudem weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden könne.

Florian von Brunn, SPD-Landtagsabgeordneter, sagte dennoch: „Warum wir im Kreis Dillingen insgesamt drei Flutpolder brauchen, ist mir nicht klar.“ Von Brunn ist, wie Woerlein auch, Mitglied in den beiden Ausschüssen für Umwelt und Verbraucherschutz sowie für Landwirtschaft. Michael Audibert, Vertreter der BI Rettet das Donauried, bat beide, im Landtag zu fragen, wie es überhaupt in der Region zu einem HQ100 kommen kann. Vom HQ100 1999 an der Iller sei nur ein HQ20 im Kreis Dillingen angekommen. Lauingens Zweiter Bürgermeister Dietmar Bulling fragte nach, ob die drei Flutpolder-Standorte Leipheim, Helmeringen bei Lauingen und Neugeschüttwörth bereits zementiert seien. Diese Entscheidungen sind laut von Brunn und seinem Kollegen Herbert Woerlein gefallen. Gegnern bliebe nur noch der Klageweg. Hubert Mayer, Mitglied der BI Rettet das Donauried, wollte wissen, warum im Kreis Dillingen insgesamt sieben Flutpolder-Standorte untersucht wurden und woanders nichts. Außerdem gab er den Landtagsabgeordneten mit auf den Weg, nachzufragen, warum trotz anderslautender Verträge die Staustufenbetreiber noch nie die Donau ausgebaggert hätten. Zudem sollten die Sedimente darin untersucht werden, schließlich würde es die bei Hochwasser auf die Felder schwemmen. SPD-Kreisrat Reinhold Sing appellierte an die beiden Abgeordneten, mehr Druck für die Regenwasserversickerung aufzubauen. Sie sollte etwa in Bauplänen verpflichtend sein. Auch eine Einleitungsgebühr für Kommunen und Privatleute schlug Sing vor. Da erinnerte Woerlein seinen Parteikollegen daran, dass von 180 Abgeordneten im Bayerischen Landtag 101 von der CSU und 42 von der SPD sind. „Aber wir nehmen das gerne auf.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
IMG_1771_(002)(1).jpg
Landtagswahlen

AfD: Knallharte Oppositionspolitik

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden