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Landkreis Dillingen

23.01.2019

Die Genossenschaftsbanken im Landkreis sind im Umbruch

Veränderung im Bankensektor, hier ganz bildlich. Die Hauptgeschäftsstelle der VR-Bank Donau-Mindel in Dillingen wird aktuell saniert, im März wird sie wieder eröffnen. Auch der Kreisverband sieht viele Veränderungen, blickt aber positiv in die Zukunft und sieht sich sehr solide aufgestellt.
Bild: Jakob Stadler

Trotz Niedrigzinsen kann der Kreisverband solide Zahlen der VR-Banken vorstellen. Die Branche jedoch ist im Wandel, was man auch an Filialschließungen sieht.

In der Bilanz des Kreisverbandes der VR-Banken stehen 18 Geschäftsstellen mit Personal. Vollkommen richtig, da sich die Zahlen auf 2018 beziehen. Doch seit 2019 ist die Kicklinger Filiale der Raiffeisenbank Aschberg geschlossen. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Geschäftsstellen der Genossenschaftsbanken im Kreis aufgegeben. „Wir wollen uns nicht vom Land zurückziehen“, betont Alexander Jall, der Vorsitzende des Kreisverbandes der Genossenschaftsbanken. Er und sein Stellvertreter Alexander Lehmann sitzen dem Verband vor, der unter anderem die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit der eigenständigen VR-Banken im Kreis macht. Wenn, wie es in Kicklingen war, nur noch wenige Kunden in eine Filiale kommen, müsse man reagieren, auch genossenschaftliche Banken müssten wirtschaftlich handeln.

Geld abheben, wo man kein Geld ausgeben kann?

Die Frage sei in so einem Fall auch, ob man am Standort der Filiale das Geld überhaupt ausgeben kann. Wenn andere Infrastruktur nicht mehr vorhanden ist, mache es oft keinen Sinn, die Kosten für Leitungen, Technik, Wartung und Gebäude zu leisten. Wenn die Menschen zum Einkaufen ohnehin in den Nachbarort fahren, können sie ihre Geldgeschäfte auch dort erledigen, so erklären es Jall und Lehmann.

Doch man spare nicht nur Geld ein. „Es gibt ja viele Bereiche, in denen wir investieren“, sagt Jall. So baut die VR-Bank Donau-Mindel, in deren Vorstand Jall sitzt, gerade die Hauptgeschäftsstelle an der Dillinger Kapuzinerstraße um. Anfang März soll der Umbau abgeschlossen sein (Lesen Sie dazu: Die VR-Bank Donau-Mindel soll zu einem Treffpunkt werden ). Viel investiert werde auch in den Bereich des Onlinebankings, das für die Kunden Überweisungen, den Überblick über Kontoauszüge und weitere Dienstleistungen komfortabler mache, erklärt Lehmann. Dass das immer mehr genutzt werde, sei ein Grund, warum die Banken vor Ort weniger gebraucht werden. Aktuell nutzen diese Möglichkeit etwa die Hälfte der Privatkunden, schätzt Jall – im Geschäftskundenbereich seien es bereits alle. „Wir halten alle Kanäle für alle Kunden bereit“, betont Jall. Der Kontakt über das Telefon und in der Bank sei weiter essenziell.

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Ob die 17 Geschäftsstellen bleiben, hängt vom Kundenverhalten ab

Heißt das, die 17 verbliebenen Geschäftsstellen bleiben? „Das hängt maßgeblich vom Kundenverhalten ab“, sagt Jall. Wenn etwa der Anteil der Online-Banking-Nutzer auf 80 Prozent steigen würde, würden wohl Filialen auf dem Prüfstand stehen.

Für Kunden, die nicht mobil sind, bietet die VR-Bank einen Geld-bring-Service. Dieser werde allerdings wenig nachgefragt, erklärt Jall. Die Betroffenen würden offenbar ohnehin in Nachbarorte zum Einkaufen fahren und gefahren werden, oder sie lassen sich von Familie und Freunden helfen. Das Angebot steht aber. Und dass es nicht freudig aufgenommen wird, wenn eine Bankfiliale vor Ort schließt, ist Lehmann und Jall bewusst. „Dass das in den Einzelfällen Emotionen hervorbringt, ist nachvollziehbar.“ Nach wie vor haben die VR-Banken 57 Automaten im Landkreis, zu den 17 Geschäftsstellen kommen zehn SB-Geschäftsstellen hinzu. Jall sagt: „Ich denke, dass wir mit Fug und Recht von einer ortsnahen, flächendeckenden Versorgung sprechen können.“

Bild: Jakob Stadler

Anstieg bei Einlagen und Krediten

Die Zahlen, die der Kreisverband für 2018 vorlegt, zeigen, dass die Banken trotz Niedrigzinsen und verschärfter Regularien gut dastehen. Die Banken zählen 36.665 Mitglieder im Kreis (Minus 0,7 Prozent), die Kundeneinlagen sind auf knapp 1,36 Milliarden Euro gestiegen (plus 3,1 Prozent), das betreute Kundenanlagevolumen liegt bei 2,17 Milliarden Euro (plus 6,7 Prozent). Auch das betreute Kreditvolumen steigt (um 2,3 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro). Bei den Krediten sei verstärkt der Wunsch nach langfristiger Zinsbindung zu sehen, „was bei den historischen Niedrigzinsen sinnvoll ist“. Gute Renditen sind zurzeit aber nur schwer möglich. So sind auch die ausgeschütteten Dividenden an die Mitglieder der Bank zurückgegangen: 570.000 Euro waren es 2018, 15,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch bei den Spenden an Organisationen in der Region gab es ein leichtes Minus von 5000 Euro. Die Banken haben vergangenes Jahr 140.000 Euro gespendet. Glücklich zeigen sich Jall und Lehmann darüber, dass die Zahl der Auszubildenden von elf auf 13 gestiegen ist, denn der Fachkräftemangel sei zu spüren. Die Banken könnten aber Karrierechancen bieten – und eine große Flexibilität. „Es gibt inzwischen auch Jüngere, die sagen, ich arbeite nur noch 90 Prozent“, sagt Jall. Das sei kein Problem. „Da kann jeder einen Antrag stellen“, erklärt Lehmann. „Da finden wir immer eine Lösung.“

Hintergründe zur Filialschließung in Kicklingen: Die Kicklinger Bankfiliale schließt

Der Umbau der VR Bank Donau-Mindel:
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