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12.05.2017

Die Kanzlerin gibt dem Ehrenamt die Ehre

Eine gut gelaunte Kanzlerin trägt sich ins goldene Buch der Stadt Heidenheim ein: Links neben ihr Bundestagsabgeordneter Roderich Kieswetter, rechts Oberbürgermeister Bernhard Ilg.
Bild: Brigitta Ernst

Eine gut gelaunte Angela Merkel besuchte gestern Heidenheim

Ausnahmezustand in Heidenheim. Rund um das Schloss gibt es am gestrigen Donnerstag keine Parkplätze mehr. Grund: Angela Merkel reist zu einem Ehrenamtsempfang nach Heidenheim. Gastgeber im Congress-Centrum sind Oberbürgermeister Bernhard Ilg und Landrat Thomas Reinhardt. Stadtverwaltung und Landratsamt haben dazu Repräsentanten aus den Bereichen Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement in großer Zahl eingeladen.

Als die Kanzlerin von Sicherheitsleuten umringt pünktlich um 15.30 Uhr erscheint, ist sie gut gelaunt und lässt sich die Wappen erklären, während sie sowohl im Goldenen Buch der Stadt wie auch in dem des Landkreises unterschreibt. Als Stadtoberhaupt Bernhard Ilg in seiner Begrüßung auf die Wirtschaftskraft der Stadt hinweist und darauf, wie gut in Heidenheim beinahe die Hälfte der weltweiten Kulturen zusammen leben, geht sie launig darauf ein und sagt: „Wenn wir in Mecklenburg Fachkräfte haben, dann nicht lange. Denn die sitzen schon in zwei Sonderzügen. Einer fährt nach Baden-Württemberg und der andere nach München. Die sind also auch bei Ihnen.“

Gleichzeitig ist zu spüren: das Thema Ehrenamt ist ihr eine Herzensangelegenheit und ihr Interesse jenseits von politischem Kalkül. „Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter hat mich mit dem Thema gekapert, denn es ist wichtig. Das Ehrenamt ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammen hält“, weist sie in der Begrüßung auf den Initiator ihres Kommens hin. Gleichzeitig weiß die Kanzlerin: „In Zeiten, in denen immer mehr Mobilität gefragt ist, die Menschen immer mehr Zeit auf der Straße verbringen, bleibt wenig Zeit fürs Ehrenamt. Sie setzen sich dennoch ein. Dafür danke ich Ihnen und den anderen Helfern Ihrer Organisationen, für die Sie heute stehen. Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben und da sind.“

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Landrat Reinhardt verweist bei seiner Begrüßung auf die Flüchtlingshilfe als eines von vielen Beispielen für die Breite des bürgerschaftlichen Engagements im Landkreis Heidenheim. Denn gerade hier sei in kurzer Zeit ein großes Netzwerk mit rund 1000 Ehrenamtlichen entstanden. Natürlich greift die Kanzlerin das Thema auf. „2015, in Zeiten einer humanitären Notlage, waren wir gezwungen zu handeln. Es galt für die Flüchtlinge alles zu koordinieren, von der Unterbringung über die Arztbesuche bis hin zu Behördengängen. Unsere hochentwickelte Bürokratie hat uns hier viel Arbeit gemacht, das wissen wir selbst“, sagt sie selbstkritisch. Deshalb ist ihr umso wichtiger zu betonen: „Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre das nicht möglich gewesen. Nun ist die Zeit weitergegangen und unser Augenmerk liegt darauf, die Menschen zu integrieren.“

Gleichzeitig macht die Kanzlerin zwischen den Zeilen eine klare Ansage: „Die Attraktivität unseres Landes beruht auf Regeln. Daran muss man sich halten, damit das Zusammenleben gut funktioniert.“ Sehr interessiert ist sie an der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement „Ich für uns“ sowie am von der Stadt erworbenen und vom Landkreis betriebenen „Integrationszentrum Heidenheim“ für die behördenübergreifende Flüchtlingsarbeit. Nach Meinung von Oberbürgermeister Bernhard Ilg ist dies landes- und bundesweit ein einmaliges Projekt, da auf kurzen Wegen wichtige Institutionen zusammenarbeiten und so weniger bürokratische Hürden entstehen. Gerade diese waren es, die den Podiumsgästen immer wieder auf dem Herzen lagen. Vertreter aus der Flüchtlingshilfe, von der Freiwilligen Feuerwehr, den Blaulichtorganisationen, der Bildungspolitik sowie dem Sport beklagen die Bürokratie, die zahlreiche Gesetze hier mit sich bringen.

Interessiert hört sich Merkel die Statements an. So wünscht sich Ulrich Steeger als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, dass die vielen ehrenamtlichen Stunden, die von den Freiwilligen Feuerwehren geleistet werden, für die Rente angerechnet würden. Dr. Volker Wiedenmann, Vorsitzender des Heidenheimer Sportbundes (HSB), klagt darüber, dass Sportvereine in manchen Bereichen vom Gesetzgeber wie große Konzerne behandelt würden, was die Kosten für den Verwaltungsaufwand explodieren ließe. Merkel merkt an, wie schwierig es sei, ehrenamtliche Leistungen aus unterschiedlichen Bereichen gleichzuschalten für eventuelle Rentenberechnungen. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass viel Bürokratie entstand, weil man rechtliche Regelungen schaffen musste, was von Vereinen und Verbänden gefordert wurde, so zum Beispiel die Unfallversicherung oder Polizeiliche Führungszeugnisse. „Wird mehr Rechtssicherheit gefordert, bringt dies Regelungen und damit auch ein Stück weit Überwachung und Bürokratie. Deshalb bin ich grundsätzlich dafür, nach dem Maß zu schauen, wo wir Regeln benötigen.“ In Ergänzung zu ihrem abschließenden Fazit spricht sie vom bundesweiten Ehrenamtspass. „Doch ich will ehrlich sein, da haben wir noch wenig Kompetenz. Eigentlich dürfte ich zu dem Thema gar nicht hier sein.“ Sie bittet jedoch die Podiumsteilnehmer konkret: „Schreiben Sie die Belange auf, wo welche Kosten entstehen und lassen Sie es mir zukommen. Es ist immer wichtig zu überprüfen, wo wir nachbessern können.“

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