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Landkreis Dillingen

01.06.2019

Diese Frauen entscheiden im Landkreis Dillingen mit

Der Anteil von Frauen in den Kommunalparlamenten ist ziemlich gering.
Bild: Rainer Jensen, dpa

Warum Frauen nach wie vor weniger Mitspracherecht haben und welche Gemeinde beim Thema Frauenquote schon jetzt fast vorbildlich arbeitet.

Männer dominieren die Gesellschaft. Zumindest in den Parlamenten ist dies eine Tatsache, die sich bis in die Kommunalpolitik durchschlägt. In den Stadt- und Gemeinderäten im Landkreis ist weniger als ein Drittel der Mitglieder weiblich. Selbst in konservativen Parteien stößt dieser Umstand inzwischen auf Kopfzerbrechen. Johanna Eser-Weidel, CSU-Mitglied, Gemeinderätin in Buttenwiesen und Vorsitzende der Frauen-Union im Landkreis, stellt für ihre Partei sogar fest, dass „es schon mal mehr Frauen in der Kommunalpolitik gegeben hat“. 1984 hat sie selbst in der Jungen Union begonnen, politisch tätig zu werden, ihre Schwester war damals JU-Vorsitzende. Zwischenzeitlich habe sich da etwas gedreht, bedauert die Rechtsanwältin. Auch in der Jungen Union habe es schon mal mehr Frauen gegeben.

Seit 2014 im Gemeinderat Buttenwiesen stellt sie fest, „dass die weibliche Sichtweise in Gemeinderäten zu wenig zum Tragen kommt“. Frauen hätten genauso viel Sachverstand wie Männer, würden aber häufig ihr Licht unter den Scheffel stellen. Frauen seien immer noch zu zurückhaltend, arbeiten zwar fleißig in Vereinen mit, aber selten an vorderster Stelle.

Eser-Weidel sieht, „dass man es als Frau nicht leicht hat“. Wenn eine Frau argumentiert wie ein Mann, werde sie als schwierig oder gar als „Mannweib“ wahrgenommen. Dabei würden Frauen schnell zugeben, wenn sie einen Sachverhalt nicht verstehen, Männer hingegen ihre Schwächen überspielen. „Keiner versteht von allem etwas. Männer aber sagen nicht, wenn sie etwas nicht verstehen.“

Auf der Suche nach Frauen, die 2020 antreten

Im Gemeinderat Buttenwiesen kommt die Mutter eines erwachsenen Sohnes gut mit ihren Kollegen klar. Dennoch ist sie derzeit auf der Suche nach Frauen, die sich für die Kommunalwahl im nächsten Jahr aufstellen lassen – ein schwieriges Unterfangen, wie sie zugibt. Was tun? Eser-Weidel plädiert durchaus für Parität auf den Listen: „Das ist eine gute Idee.“ Zunächst aber sieht sie das Problem, bei Frauen das Interesse für die Kommunalpolitik zu wecken, gerade bei jungen Frauen. Es fehle vor allem an 30- bis 40-Jährigen in den Kommunalparlamenten. Denn die seien meist mit Beruf und Familie belastet. Eser-Weidel hofft auf neue Familienstrukturen, in denen junge Väter ihren Frauen auch mal etwas abnehmen, Kinder betreuen, wenn die Frau in den Gemeinderat geht. Um zu wissen, was dort vor sich geht, müssten Frauen aber erst mal Sitzungen besuchen, um zu sehen „dass man sich dort nicht die Köpfe einschlägt“. Und dass es Freude mache und Befriedigung verschaffe, wenn man gemeinsam etwas für die Gemeinde erreichen könne.

Eva Birkholz ist die einzige Frau im Gemeinderat Zusamaltheim. Sie fühlt sich dort als „gleichwertiges Mitglied“ und sogar „in besonderer Funktion aufgrund meines Berufs“ akzeptiert. Denn die 56-Jährige ist Forstbeamtin und besitzt im Gemeindegebiet eigenen Wald. Das verschafft ihr Kompetenz und Akzeptanz unter den Männern – eine Frau, die weiß, wovon sie spricht. Eva Birkholz ist aber auch eine „Zugereiste“, die mit einem anderen Selbstverständnis agiert, als die alteingesessenen Frauen in der Gemeinde. Auch sie beobachtet, dass Frauen viele Funktionen im Dorf besetzen, aber keine mit Außenwirkung. Bei den Frauen fehle es an Bereitschaft, offizielle Funktionen zu begleiten – „sie lassen sich erst gar nicht aufstellen“. Ein Rezept gegen diese „Tradition“ kennt auch Birkholz nicht.

Drei Bürgermeisterinnen gib es im Landkreis Dillingen

Als Ingrid Krämmel das erste Mal in den Bachhagler Gemeinderat gewählt wurde, war es für sie etwas Besonderes. Früher habe es mitunter die Mentalität gegeben, dass ein solches Gremium ausschließlich Männern vorbehalten sei, erinnert sich Krämmel heute. „Als ich in den Gemeinderat kam, war es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.“ Doch Krämmel ließ sich davon nicht beirren. 2008 stieg sie zur Bürgermeisterin der Bachtalgemeinde auf – und ist es nur noch bis zu den nächsten Wahlen, wie sie kürzlich bekannt gab. Neben ihr gibt es momentan mit Miriam Gruß in Gundelfingen und Katja Müller in Lauingen zwei weitere Frauen im Landkreis, die eine Kommune leiten.

Krämmel weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es manchmal sein kann, sich als Frau in einem männerdominierten Gremium durchzusetzen. „Gerade am Anfang muss man schon kämpfen, um anerkannt zu werden“, sagt sie. Frauen hätten es diesbezüglich schwerer. Während so mancher Männern von Natur aus mehr Durchsetzungsfähigkeit attestiere, müssten Frauen erst beweisen, dass sie ebenfalls dazu fähig sind, große Projekte durchzusetzen und zu realisieren. Bei ihr selbst sei dies mittlerweile alles kein Problem, berichtet Krämmel. Sie leitet die Geschicke Bachhagels inzwischen seit mehr als zehn Jahren. Die Tatsache, dass sie eine weibliche Bürgermeisterin ist, sei dabei längst kein Thema mehr. Nachholbedarf sieht sie dagegen in ihrem Gemeinderat. Nach dem Abgang von Katja Müller nach Lauingen konnte sie mit ihrer Tochter Sophia Krämmel die Stelle im Gremium immerhin mit einer weiteren Frau besetzen. Aber sie ist – neben ihrer Mutter – die einzige im Gemeinderat. „Ich hoffe und würde es mir wünschen, dass wir unseren Anteil steigern können“, sagt Ingrid Krämmel. Es sei wichtig, dass sich mehr Frauen für ein ehrenamtliches Engagement in der Lokalpolitik bereiterklären würden, auch wenn eine solche Aufgabe viel Zeit in Anspruch nimmt. Doch die Gemeinde würde davon profitieren. Frauen könnten Diskussionen beleben, da sie so manche Themen, etwa im sozialen Bereich, aus einem anderen Blickwinkel sehen, sagt Krämmel.

In zwei Räten sitzt keine einzige Frau

Mancherorts in der Region sind Frauen in der Kommunalpolitik nicht nur unterrepräsentiert, sondern sogar überhaupt nicht vertreten. Zum einen ist das in Lutzingen der Fall. Zum anderen sitzt auch in Ziertheim keine einzige Frau im Gemeinderat. Warum das so ist, sei eine „schwierige Frage“, sagt Ziertheims Bürgermeister Thomas Baumann – er vermutet, dass schon auf der Liste für die vorige Wahl kaum Frauen standen, das müsste er aber nachprüfen. Dass keine Frau in seinem Rat sitzt, ist aber durchaus ein Thema – und könnte sich bald ändern: „Ich habe heute mit einer Dame telefoniert, die sich aufstellen lassen will“, verrät Baumann. Sie will bei der Kommunalwahl 2020 antreten und Baumann werde sie unterstützen. Denn der Gemeinderat würde sicher gewinnen. „Frauen haben vielleicht ab und zu einen anderen Blickwinkel“, sagt der Bürgermeister. Das Ziertheimer Kommunalparlament soll also kein reiner Männerverein bleiben.

Eine Gemeinde kommt zumindest beinahe auf 50 Prozent

Dass es beim Thema Frauenquote auch anders gehen kann, zeigt im Landkreis vor allem eine Gemeinde: Bächingen. Dort gibt es mit Elke Hegele, Renate Häußler, Monika Suckut, Margit Bendele und Carmen Rommel fünf Frauen im Gemeinderat. Bei insgesamt zwölf Mitgliedern bedeutet dies zumindest fast die Hälfte. Bächingen hat damit landkreisweit den höchsten Frauenanteil in Gemeinde- oder Stadträten.

Elke Hegele ist gleichzeitig Zweite Bürgermeisterin in der Brenzgemeinde. Sie freut sich über den vergleichsweise hohen Frauenanteil in ihrem Gremium – und betont, dass dies schon länger so ist. Vor dem jetzigen Gemeinderat mit fünf habe es bereits einen mit vier weiblichen Mitgliedern gegeben. „Es ist von Vorteil, dass wir im Gemeinderat fast geteilt sind“, sagt die 50-Jährige. Schließlich würden sich Frauen anders einbringen, hätten auch mal andere Ideen und Meinungen. Und es gehe nicht nur um Diskussionen und Entscheidungen im Gemeinderat, sondern auch um die Vertretung nach außen. „Es gibt Bürger, die sich mit ihrem Anliegen lieber an eine Frau wenden“, sagt Hegele. „Vielleicht, weil sie sich dort verstandener fühlen.“

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