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Dillingen/Heimerzheim
09.08.2021

Ein Dillinger steht nach der Flut in Nordrhein-Westfalen vor dem Nichts

Blick in die Nachbarschaft – nach der Flut. Gemeinsam mit Bekannten, Verwandten, Freunden und Bundespolizisten räumte Robert Manz die Trümmer weg.

Robert Manz lebt in einem frisch sanierten Haus in Heimerzheim. Dann kommt die Flut. Eingeschlossen vom Wasser wartet der Dillinger mit seiner Familie eine Nacht und einen Tag im ersten Stock auf Hilfe.

Das Handy, auf dem Robert Manz erreichbar ist, funktioniert nicht mehr richtig. „Die Hörmuschel ist kaputt. Wasserschaden“, sagt er knapp. Doch das ist wohl noch das geringste Übel. Seit der Flutkatastrophe im Juli steht Manz mit seiner Freundin und der zehn Monate alten Tochter vor dem Nichts. Das Haus, das der Dillinger in Swisttal-Heimerzheim erst kurz zuvor saniert hatte, ist unbewohnbar. Wie er die Nacht erlebt hat und wie es für die Familie jetzt weitergeht, hat er unserer Redaktion erzählt.

Am Tag der Flut ist Manz bei der Arbeit, einer Kunsthochschule in der Nähe seines neuen Heimatorts nahe Bonn. „Es hat den ganzen Tag geregnet. Das Wasser lief den Berg runter“, sagt er. Als Gebäudemanager sei er deshalb den ganzen Tag beschäftigt gewesen. Es ist 22.30 Uhr als er nach Hause aufbricht, teilweise stehen da schon Landstraßen unter Wasser. Immerhin schüttet Tief Bernd zwischenzeitlich 150 Liter Wasser pro Quadratmeter über Westdeutschland. Zuhause angekommen sieht Manz immer wieder nach dem Wasserstand an dem Bach Swist, der nur 100 Meter von seinem Haus entfernt vorbeifließt. Der Pegel steigt. „Da gab es erste Stimmen im Ort, die meinten, dass die Steinbachtalsperre gerade überläuft.“ Was Manz und seine Nachbarn da noch nicht wissen: „Das war schon fünf Stunden vorher passiert.“ Die Älteren im Ort, die vor genau 60 Jahren bereits eine große Flut erlebt haben, hätten noch gewarnt: „Wenn das überläuft, saufen wir alle ab.“ Doch von offizieller Seite sei niemand gewarnt worden. Keine der beiden Warn-Apps, die Manz auf seinem Handy installiert hat, hätten reagiert.

Robert Manz und Alina Schneider mit der gemeinsamen Tochter Emilia. Das Bild entstand an Weihnachten.

Der 39-Jährige versucht noch, das alte Fachwerkhaus, das er mit seiner Freundin über zwei Jahre hinweg kernsaniert hat und erst seit einem Jahr bewohnt, zu sichern. Er nimmt alles, was brauchbar aussieht und verschließt damit Öffnungen. Gegen 3 Uhr steht die Straße 30 Zentimeter unter Wasser. Als Manz vor dem Haus noch etwas abdichten will, hört er einen Nachbarn rufen. Gemeinsam hieven sie eine 80-jährige Frau aus dem Erdgeschossfenster ihrer Wohnung und bringen sie nach oben in ein anderes Gebäude. Zum Glück. Manz ist sich sicher: „Die wäre sonst in ihrem Haus ertrunken.“

1,70 Meter stand das Wasser in seinem Haus

Dann geht alles schnell. Immer mehr Wasser rast die Straße entlang, reißt Sandsäcke und Bodenplatten mit sich. Innerhalb von Minuten läuft der Keller voll. Die frisch gefüllten Heizöltanks – das Einzige, was Manz nach der Sanierung noch nicht erneuert hatte – schwemmen auf. Öl läuft aus. Der Gestank verbreitet sich im ganzen Haus. Manz, seine Freundin Alina Schneider und Tochter Emilia retten sich in den ersten Stock. „Es gab ein paar kritische Situationen“, erzählt er überraschend nüchtern. Immer wieder schießen Autos, die von den Wassermassen mitgerissen wurden, auf das Haus zu. „Ich hatte Angst, das da was in die Mauer kracht.“ Denn die, sagt Manz, der die ganze Nacht hindurch Videos macht, hätte das nicht ausgehalten. Doch die Familie hat Glück.

Der Dillinger Robert Manz lebt in Nordrhein-Westfalen. In seinem frisch sanierten Haus erlebt er die Flut im Juli 2021 live mit - und filmt.

Dann ist da eine Situation, die der 39-Jährige immer noch „total absurd“ findet: Aus dem Grundstück seines Nachbarn schwemmt es erst ein Auto, dann einen Wohnwagen. „Und dann schwimmt plötzlich ein Boot vorbei. Das ist eigentlich ein Witz“, erzählt er. In der Ecke des Nachbarhauses schlägt indes Geröll ein. Manz erinnert sich an die Schreie, die er hört. Todesangst, sagt der gebürtige Dillinger.

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1,70 Meter hoch steht das Wasser im Haus. „Noch fünf Treppenstufen mehr und wir hätten in den Dachboden gehen müssen.“ Als es hell wird, kommen die Helfer nach Heimerzheim: fünf oder sechs Hubschrauber kreisen über dem Ort. Später schweben sie über den Hausdächern und bergen Verletzte, Alte und Kranke. „Ich dachte, ich bin in einem Film.“ So surreal sei das alles gewesen.

Manz und seine Familie müssen noch bis 18 Uhr in ihrem Haus ausharren, bis sie mit einem Boot gerettet werden. Was sie den Tag über machen? Die Eltern haben einige Spielsachen der kleinen Emilia retten können. „Die hat sich tierisch gefreut, dass Mama und Papa den ganzen Tag da sind und mit ihr spielen“, erzählt Manz und lacht. Als die Familie endlich an einem Ort ankommt, wo das Telefonnetz funktioniert, ruft der 39-Jährige als erstes seine Eltern an, die noch in Dillingen leben.

Im Haus war nach der Flut nichts als Zerstörung.

Am Tag danach – eigentlich gilt wegen dem drohenden Bruch der Steinbachtalsperre noch eine Warnung – kehren die ersten Einwohner nach Heimerzheim zurück. Auch Manz begutachtet den Schaden an seinem Haus. Eine Mauerecke ist unterspült, der Lehmputz und die Holzfaserdämmplatten sind abgebrochen, der Boden aufgeweicht, Möbel zerstört, überall klebt Schlamm und Öl. Er fängt an, das Gebäude zu sichern. „Ich hatte immer im Hinterkopf, wenn die Sirene geht, müssen wir weg.“ Dann kommt das Gerücht auf, die Talsperre sei gebrochen. Innerhalb von Minuten sind die Straßen wie leer gefegt. Doch sie hält. Manz vermutet, dass das Gerücht von Plünderern in die Welt gesetzt wurde.

Robert Manz denkt schon wieder an den Wiederaufbau

Der 39-Jährige beschreibt sich als „sehr rational“. Entsprechend seien ihm die Aufräumarbeiten leichter gefallen. Während seine Freundin in den Trümmern noch nach brauchbaren Überresten sucht, räumt er alles weg. „An die Existenz habe ich in dem Moment nicht gedacht. Das sollte einfach alles raus, damit nicht noch größerer Schaden entsteht.“ Nach vier Tagen ist das Gebäude entkernt. Nach dem Unglück sind die drei bei einem Freund in Köln untergekommen. Manz geht davon aus, noch einige Monate dort zu wohnen. Zurück nach Heimerzheim und das Haus wieder aufbauen will er trotzdem. „Die Finanzierung steht aber noch in den Sternen.“ Er hofft, dass das Land NRW und der Bund finanzielle Hilfen bereitstellen. Denn eine Elementarschadenversicherung hat er nicht. Im Internet hat sein Schwager zu Spenden aufgerufen.

Eines habe die Flut deutlich gezeigt: Es braucht mehr Hochwasserschutz. Im Swisttal habe man das lange vernachlässigt. Eine Diskussion über mehr Schutz habe es dort – wie im Landkreis Dillingen über die Flutpolder – auch gegeben. Passiert sei nichts. „Das ist ein mahnendes Beispiel, dass man das auch in Dillingen umsetzen sollte“, sagt Manz.

Trotz allem – dem zerstörten Haus, der 150.000 Euro Schaden – blickt er zuversichtlich in die Zukunft. Den Wiederaufbau will er unbedingt schaffen.

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