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Dillingen

12.07.2019

Dillingen: Warum der Zeitdruck bei den Hausärzten zunimmt

Bayerns Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek (links) informierte sich in Dillingen bei Dr. Kristina Schoger und Weiterbildungsassistent Roman Ruef über den Stand der hausarztzentrierten Versorgung.
Bild: Bayerischer Hausärzteverband

Auch Dillingen hat einen großen Bedarf an Hausärzten. Was Bürgerbeauftragter Holetschek bei der Dillinger Allgemeinmedizinerin Dr. Kristina Schoger erfährt.

Im Rahmen des Tages der Hausarztmedizin hat sich Bayerns Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek in der Gemeinschaftspraxis Dr. Kristina Schoger und Dr. Alexander Zaune in Dillingen über die Sorgen und Nöte der Mediziner informiert. Das größte Problem sei, so erklärte Schoger dem CSU-Landtagsabgeordneten, der zunehmende Zeitdruck, da auf immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten kommen. „Die persönliche Betreuung von Mensch zu Mensch droht dabei verloren zu gehen“, wird die Medizinerin in der Pressemitteilung des Bayerischen Hausärzteverbands zitiert.

Dillingen: Großer Bedarf an Hausärzten

Bereits jetzt sei das persönliche Engagement enorm. Dr. Schoger wohnt mit ihrer Familie in München und pendelt nach Dillingen. Ein normaler Arbeitstag beginnt für sie um acht Uhr in der Praxis und endet nach den Hausbesuchen manchmal auch erst spät am Abend. Hinzu kommen die Fahrten von und nach München. „Ich mache das, weil ich mit meinem Bruder Dr. Alexander Zaune die Praxis meiner Eltern weiterführen will.“

Dillingen ist zwar auf dem Papier noch nicht unterversorgt, hat aber laut Pressemitteilung in der Realität einen großen Bedarf an Hausärzten. Deshalb könne die Gemeinschaftspraxis mittlerweile auch keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Aktuell werden die 54754 Bewohner im Planungsbereich Dillingen von 36 Hausärzten versorgt, wobei hier auch Hausärzte mitgezählt werden, die nicht Hausärzte im Sinne einer klassischen hausärztlichen Versorgerpraxis sind. Zudem seien ein Drittel dieser Hausärzte bereits über 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Junge Hausärzte, wie Roman Ruef, der derzeit seine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Schoger und Zaune absolviert, werden deshalb auch in Dillingen dringend gesucht.

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Bürokratie ist ein Problem

Klaus Holetschek betont: „Aufgabe einer verantwortungsbewussten Politik ist es, dass jeder Patient in Stadt und Land wohnortnah versorgt wird. Dabei muss der Hausarzt die wichtigste Anlaufstelle für die Patienten bleiben. Hinzu kommt die weitere Versorgung durch Fachärzte, ein flächendeckendes Angebot an Apotheken und eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung. Gesundheit ist schließlich das wichtigste Gut.“

Ein weiteres Problem, so Dr. Schoger, sei die zunehmende Bürokratie. „Das empfinde ich schon fast als Bedrohung“, klagt die Hausärztin und berichtet von einem schwergewichtigen Patienten, dem sie aufgrund der größeren Körpermasse eine höhere Dosis eines Medikamentes verschrieben hatte. „Die Mehrkosten von 1300 Euro musste ich selbst tragen. Ich hätte das sicher einklagen können, aber dann hätte ich noch weniger Zeit für meine Patienten.“

Thema bei dem Gespräch war auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Wir müssen die Digitalisierung gestalten und den Nutzen sowie den Mehrwert für die Patienten in den Mittelpunkt stellen“, so Holetschek. Schoger warnte, dass unter allen Umständen die Daten der Patienten geschützt werden müssen.

Bundesweit knapp 12000 Versorgungsassistentinnen ausgebildet

Kritisch sah Schoger auch das Thema Physician Assistant. „Hausärzte können nur durch Hausärzte ersetzt werden und nicht durch einen Doctor light, der nur ein Kurzzeitstudium absolviert hat“, stellte die Fachärztin für Allgemeinmedizin klar.

Die Delegation ärztlicher Leistungen sei zwar sinnvoll, aber nur unter ärztlicher Kontrolle. „Dafür haben wir unsere VERAH. Die speziell weitergebildeten Versorgungsassistentinnen in der Hausärztlichen Praxis übernehmen jetzt schon Routinehausbesuche für den Hausarzt und sind eine wichtige Säule in der hausarztzentrierten Versorgung.“ Bundesweit wurden bislang knapp 12000 Versorgungsassistentinnen ausgebildet, davon 2468 in Bayern. (pm)

Lesen Sie hier einen Bericht über die Dillinger Geburtshilfe:

Das „Baby“ Dillinger Geburtshilfe gedeiht

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