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Kultur

11.10.2019

Dreierlei Kunst in der städtischen Galerie

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3 Bilder
Die diesjährige Stipendiatin der Kunststadt Wertingen: Nana Heim-Kwon. Die gebürtige Südkoreanerin erklärt einer Besucherin die Installation „Teahouse“, mit der sie die Geschichte der Koreanerinnen aufgreift.

Der Mensch und sein Sein stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Holz-Körper-Kontext“ in Wertingen. Das Künstler-Trio arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Wie Besucher auf die Werke reagieren

Drei Schlagworte, drei Künstler, drei Länder, so ließe sich die derzeitige Ausstellung „Holz-Körper-Kontext“ in der Wertinger Stadtgalerie im ehemaligen Amtsgericht zusammenfassen. Noch bis Ende Oktober gastiert dort die Schau. Im Mittelpunkt steht der Mensch und alles, was zum Menschsein dazu gehört. Trotz der großen Unterschiede in Material und Verfahren sind es die inhaltlichen Bezüge, die sich wie ein roter Faden durch die Werke ziehen.

Schon im Eingangsbereich sind die ersten Arbeiten der drei Künstler Nana Heim-Kwon, Eugen Wilfried Müller und Maxim Wakultschik zu sehen. Direkt daneben sind ihre Lebensläufe mit Porträtfotos angefügt. Ihre Werke waren schon weltweit zu bestaunen, darunter auch in Großstädten und Kunsthotspots wie Los Angeles, Houston oder Sydney. Aber auch ihr persönlicher Hintergrund ist multikulturell: Heim-Kwon stammt aus Südkorea, Wakultschik aus Weißrussland. Müller aus Augsburg wirkt als lokaler Künstler mit.

Im Wartebereich des Bürgerbüros sind weitere Exponate aufgehängt. Wer aber in den vollen Genuss der Ausstellung kommen möchte, muss die knarrende Holztreppe emporklimmen und die beiden oberen Stockwerke des alten Amtsgerichts erkunden. Die hohen und lichtdurchfluteten Räume mit ihren hellen Holzböden und weiß gestrichenen Wänden sind ideal, um die Arbeiten kontrastreich in Szene zu setzen.

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Ein schwarzes Stockbett aus Metall, das an ein Feldbett aus einer Kaserne erinnert, steht mitten im Raum. Nach einem gemütlichen Schlafplätzchen sieht die Installation mit dem Titel „Teahouse“ von Nana Heim-Kwon aber nicht aus. Die Künstlerin hat unter anderem in Japan studiert und lebt jetzt gemeinsam mit ihrem deutschen Ehemann Jörg Heim in Stuttgart. In Japan, so erzählt sie, hat sie sich eingehend mit dem Schicksal der sogenannten Trostfrauen beschäftigt. Die „Trostfrauen“ waren Frauen aus Korea, die während des Zweiten Weltkrieges von der japanischen Armee zur Prostitution in Teehäusern gezwungen wurden. Das Feldbett ist mit unbequem aussehenden Ästen und Terrakotta-Teekannen mit messerscharfen Klingen am Kannenhals bestückt. Damit will sie sich dem dunklen Kapitel in den Beziehungen zwischen Japan und Korea nähern.

Die spitzen und bedrohlich wirkenden Klingen kommen mehrfach in den Installationen der Wahl-Stuttgarterin zum Einsatz. Heim-Kwon war die diesjährige Kunststipendiatin der Stadt Wertingen, weshalb sie einen Monat vor dem Ausstellungsbeginn schon im „Städtle“ wohnte und schaffte.

Die an der Geschichte interessierte Künstlerin verarbeitet immer wieder historische Themen. So fertigte sie im Rahmen ihres Stipendiums eine Rauminstallation, die den Namen „Poesie des Krieges“ trägt und ebenfalls in der Galerie ausgestellt ist. Spannend an Heim-Kwons Werken ist, dass nicht nur der Zweite Weltkrieg, sondern auch der Korea-Krieg aufgearbeitet wird. Die Hoffnung auf Frieden und Neuanfang schwingt aber in all ihren Installationen mit.

Verschwommene Bilder, die zum Nachdenken anregen, stammen von Eugen Wilfried Müller. Der Künstler ist kein Unbekannter in der Region. Er wurde 1947 in Augsburg geboren und absolvierte von 1962 bis 1965 eine Schriftsetzerlehre. Später studierte er Kommunikationsdesign und ist seit 1979 freischaffend tätig. Noch im selben Jahr erhielt er den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg, eine Auszeichnung, der noch viele weitere folgten. In den Jahren 1984 bis 1991 lehrte er zudem an der Fachhochschule für Gestaltung in seiner Heimatstadt Augsburg. Zur Wertinger Ausstellung steuerte er vor allem C-Prints, Farbabzüge auf Kunststoffträgern, bei, die Figuren und Körper zeigen. Damit greift auch Müller das Thema Mensch auf. Der dritte im Bunde ist Maxim Wakultschik. Der in Düsseldorf angesiedelte Künstler hat neben der Wertinger Ausstellung derzeit noch zwei weitere Schauen im Ausland laufen. Markenzeichen seiner Kunst ist, dass er die Gegenstände zergliedert, aber dabei nie das Realistische verliert. Zudem zeichnet sich der Künstler durch seine große Vielfalt an verschiedenen Techniken und Materialien wie Glas und Holz aus. Eindrucksvoll sind seine Porträts von Gesichtern, die sich aus tausenden kleinen Holzstäbchen zusammensetzen. Wer nicht nur das fertige Kunstwerk, sondern auch den Prozess der filigranen Objekte bestaunen möchte, kann auf Wakultschiks Social-Media-Kanälen dem Künstler über die Schultern schauen.

Die Ausstellung scheint zu gefallen: In der Galerie ist ein Gästebuch ausgelegt und die darin zu lesenden Einträge sind – bis jetzt – ausnahmslos positiv. So schreibt ein Besucher nach seinem Rundgang: „Bilder sollten nicht nur schön sein, sondern auch zum Nachdenken anregen, was hier gelungen ist.“ Ein anderer lobt hingegen die reflektierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Und auch die Organisatorin der Ausstellung, Verena Beese, ist sichtlich zufrieden mit dem Verlauf. Vor allem die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Krieg komme bei den Besuchern gut an, betont Beese. Im Rahmen der Ausstellung ist es möglich, vereinzelte Objekte zu erwerben. Vor allem für die Arbeiten des Augsburger Künstlers Müller liegen bereits mehrere Anfragen vor, sagt Beese auf Nachfrage. Die Stadt Wertingen behält beim Verkauf eine Provision ein, die wiederum der Artothek zugutekommt.

in den Räumen des ehemaligen Amtsgerichts, Schulstraße 10, ist noch bis Sonntag, 27. Oktober, wochentags von 8 bis 12 Uhr, sowie am Montag, Donnerstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Kunstwissenschaftlerin Flora Nieß wird Interessierte am Sonntag, 20. Oktober, um 15 Uhr durch die Ausstellung führen.

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