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Orgelkonzert

24.06.2019

Ein Autodidakt mit großen Fähigkeiten

An der Albertus-Magnus-Orgel wartete der Intonateur Martin Gessner mit beispielhaften Improvisationen auf.
Bild: Walter

Martin Gessner beeindruckt an der Albertus-Magnus-Orgel im Lauinger Münster, die er selbst intoniert hat

Stadtpfarrer Raffaele de Blasi drückte beim zweiten Münsterkonzert seine Freude über den guten Besuch aus. Er bezeichnete den Gastorganisten Martin Gessner als persönlichen Bekannten aus der gemeinsam verbrachten Zeit in Vöhringen an der Iller. Dort hätte er erlebt, wie bei Martin Gessner die Liebe zur Orgelmusik gewachsen und zum Beruf des Orgelbauers und später zum Intonateur geführt habe. Als Chefintonateur war Gessner zehn Jahre bei der Firma Sandtner in Dillingen beschäftigt. Der seit sechs Jahren Selbstständige hat im vergangenen Jahr die 53 Register „seiner“ Albertus-Magnus-Orgel eingerichtet. Aufgrund der beruflichen Tätigkeit konnte er sein Orgelspiel erweitern und verfeinern.

Als Autodidakt ohne klassische Ausbildung hat sich Martin Gessner auf das Improvisieren konzentriert und hier beachtliche Erfolge erzielt. Im Sonntagskonzert trat Gessner den Beweis seines außergewöhnlichen Könnens an. Die Pfarrgemeinde hatte vier Lieder aus dem Gotteslob der katholischen Kirche ausgewählt und je eines aus der Osterzeit, den Marien-, den Heiligen- und den Lobliedern bestimmt. Martin Gessner vermied eine eintönige, nüchterne gleichförmige Spielweise mit stereotyper Registrierung. Sein Vorgehen orientierte sich an den reichen klanglichen Möglichkeiten der Albertus-Magnus-Orgel und am Bestreben nach Abwechslung. So legte er „Jesus lebt“ im altfranzösischen Stil an mit wirkungsvollem Grand jeu, starken Trompeteneinsätzen, Trillergirlanden, Flötenpassagen mit trefflichen Umspielungen und Plenum-Glanz mit 32-Pedalfuß. „Wunderschön prächtige“ erschien als deutsch-romantisches Klanggemälde. Liebliches Rankenwerk umgarnte das Geigenprinzipal des Schwellwerkes und ließ an die „Madonna im Rosenhag“ denken. Das Krummhorn des Positivs brachte eine tänzerische Note ins Spiel ehe Martin Gessner durch eine gewaltige Steigerung der „Himmlischen Zier“ huldigte. Das „Heilig bist du, großer Gott“ erhielt durch die französisch-romantische Anlage ein heiter-belebendes Aussehen. Über der marschähnlichen Grundausstattung erhob sich die temperamentvolle Melodie, die Querflöte trug sie elegant weiter bis sie mit der Schalmei in einen ruhigen Schluss mündete. Tänzerische Elemente, Temposteigerung und riesige Ouvertüre dienten dem „Großer Gott, wir loben dich“.

Eine nachhaltige Staccato-Inszenierung, mächtige Crescendi, virtuose Antriebe bei vollem Hauptwerk kündeten von der Allmacht Gottes. Großer Beifall des Publikums honorierte die Leistung des Orgelimprovisateurs. Die hohe Intensität galt schließlich auch dem Sendungslied „Herr, du bist mein Leben“, das unter fünf Gotteslobliedern per Losentscheid ermittelt wurde. Martin Gessner betonte den Moll-Charakter des 1978 von Pier-angelo Sequeri geschriebenen Liedes und setzte mit dem Schweller und Flöten einen eher meditativen Anspruch um. Die weltliche Zugabe „Rule Britannia“ veranschaulichte in einem groß angelegten Schlusstableau das grandiose künstlerische Vermögen des Improvisationstalents.

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