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14.10.2010

Ein Bachfestival in der Schlosskapelle

Frenetischen Applaus spendeten die Hörer der Orchestervereinigung Höchstädt, die in der Schlosskapelle Werke der Bachfamilie zur Aufführung brachte. Foto: Greck
Bild: Greck

Höchstädt Die Musikszene des ausgehenden 17. und die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts werde von der Musikdynastie "Bach und Söhne" beherrscht. Mit dieser sinngemäßen Aussage stimmte Orchesterleiter Werner Bürgle die Zuhörerschaft in der Kapelle des Höchstädter Schlosses auf eine Musikrichtung ein, die heute mehr denn je Musikliebhaber fasziniert.

Engagiert und ausdrucksvoll

Auftakt und Schlusspunkt des Konzertabends bildeten namhafte Orchesterwerke aus der Feder Johann Sebastian Bachs. Rein von der Werkstruktur her bildete die Orchestersuite Nr. 1 einen Beginn par excellence, da dieses elfsätzige Werk mit einer Ouvertüre beginnt, bei der sich die einzelnen Instrumentengruppen, Streicher und Bläser, positionieren. Vor allem die beiden Oboen (Gabi Mordstein, Katrin Schreiner) und die Fagottstimme (Matthias Löffelmann) bildeten einen charakteristischen Kontrapunkt zu den Streichern. Engagiert und ausdrucksvoll in der Tongebung umspielten die Holzbläser die Motive der Orchesterviolinen, wodurch das Fugenthema im Mittelteil des Satzes eine starke Präsenz erfuhr.

Auch in den Folgesätzen folgte das gesamte Ensemble sehr dynamisch und konzentriert den Intentionen des Dirigenten. Das Zusammenspiel zwischen dem Part der Streicher und den Passagen der Bläser generierte eine interessante, abwechslungsreiche Symbiose in der Interpretation einer der bekanntesten Kompositionen Johann Sebastian Bachs.

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Weiche, cantilene Tongebung

Carl Philipp Emanuel Bach war zu Lebzeiten berühmter als sein Vater und gilt als einer der bedeutendsten Komponisten in der Zeit zwischen Barock und Wiener Klassik. Christa Mörtl-Maier (Flöte), Thea Waschke (Klavier), Gotthard Lienert (Violoncello) und Franz Heim (Kontrabass) gaben der Sonata in g-Moll eine adäquate instrumentale Stimme. Im Zusammenspiel mit den Streichinstrumenten und dem Klavier brillierte die Flöte durch weiche, cantilene Tongebung und versierte Technik. Das Gesamtensemble beeindruckte durch Homogenität und starken musikalischen Ausdruck in der Interpretation im Adagio- wie Allegro-Satz.

Der jüngste Spross der Bach'schen Musikdynastie war Johann Christian Bach, in dessen Kompositionen sich schon der "neue" Zeitgeist spiegelt, nämlich die sich langsam entwickelnde Klassik. Die schwungvoll-elegante Melodik der Eröffnungssätze seiner sinfonischen Kompositionen gilt in der Fachwelt als "singendes Allegro" und damit als Markenzeichen des sog. "galanten Stils". Diese für den Hörer gefällig und melodisch wirkenden Stilelemente prägen auch die beiden Sätze seiner Sinfonietta in C-Dur. Die flüssige und fein geschliffene Stilistik Joh. Christian Bachs spiegelte sich auch in der Musizierfreude und Gestaltungstechnik des Orchesters. Die dadurch vermittelte Leichtigkeit des musikalischen Ausdrucks fand in anhaltendem Beifall der zahlreichen Besucher lautstarke Anerkennung.

Zum absoluten Höhepunkt des Konzertabends avancierte das Doppelkonzert Joh. Seb. Bachs für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo in d-Moll. Entsprechend der persönlichen instrumentalen Virtuosität des Altmeisters barocker Instrumentalmusik, die sein Sohn Carl Philipp Emanuel als "rein und durchdringend" bezeichnete, darf dieses Kompliment an die beiden Solisten Heike Sirch und Werner Bürgle zurückgegeben werden.

Blindes Verständnis

In jedem der drei Sätze agierten Gesamtorchester und Solisten in beeindruckender Abstimmung und geradezu blindem Verständnis. Wenn die Exposition einer Fuge im Tutti des ersten Satzes das Gesamtorchester in den Raum stellte, antworteten die Soloviolinen mit einem gegensätzlichen Thema. Auch in den Folgesätzen mit dramatischen Höhepunkten agierten vor allem die Solisten mit professioneller Virtuosität und führten das Gesamtensemble am Ende des dritten Satzes zu einem furiosen Finale.

Frenetischer Applaus dankte den Solisten sowie dem Gesamtorchester für eine Konzertdarbietung auf sehr hohem Niveau, ein Ergebnis konsequenter Probenarbeit und eines sich Einlassens auf die Werke großer Meister der Musikgeschichte.

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