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Blindheim

06.07.2019

Ein Kapuzinerpater aus Blindheim kennt Rezepte gegen Glaubenszweifel

Pater Siegbert Mayer kümmert sich als Wallfahrtsseelsorger in Altötting um die Pilger. Der Kapuziner stammt aus Blindheim. Dort feiert der 78-Jährige am Sonntag sein goldenes Priesterjubiläum.
Bild: Roswitha Dorfner/Altöttinger Liebfrauenbote

Der Kapuzinerpater Siegbert Mayer, der jetzt goldenes Priesterjubiläum feiert, stammt aus Blindheim und ist heute Wallfahrtsseelsorger in Altötting. In Krisen hilft ihm vor allem eines.

Als gebürtiger Blindheimer feiern Sie am Sonntag Ihr goldenes Priesterjubiläum in Ihrer Heimat. Können Sie uns am Telefon verraten, wie da Ihre Gefühlslage ist?

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Pater Siegbert Mayer: Wenn ich auf mein Leben schaue, empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit. Und diesen Dank will ich vervielfältigen. Im Übrigen wurde ich im früheren Dillinger Krankenhaus geboren, dem heutigen Altenheim der Dillinger Franziskanerinnen. Mein Vater, ein Schmied, war damals beim Militär in Dillingen eingezogen und hat Pferde beschlagen. So kam ich dann als Johannes Mayer am 21. Mai 1941 in Dillingen zur Welt.

Vor 50 Jahren wurden Sie zum Priester geweiht. Warum wollten Sie denn Kapuzinerpater werden?

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Mayer: Ich hatte die Oberrealschule in Dillingen besucht, und die Schule haute nicht so richtig hin. Die Kapuziner, die es damals noch in Dillingen gab, wiesen mich auf ihr Privatgymnasium in Bregenz hin. Und dort machte ich 1963 das Abitur – oder die Matura, wie man dort sagt. Beruflich hatte ich eine Vorliebe fürs Gärtnern und Kochen. Ich überlegte auch, ob ich Krankenpfleger werden sollte.

Es kam aber anders.

Mayer: Ja, der heilige Franziskus hat mich gepackt. Ich bin auf eine Lebensbeschreibung dieses Mannes gestoßen, er hat mich nicht mehr losgelassen.

Gab es zuvor schon Entwicklungen, die in diese Richtung wiesen?

Mayer: Ich traue es mich fast nicht zu sagen. Als ich bei meinem Onkel als Erst- oder Zweitklässler bei der Ernte half, fragte meine Tante: „Hansi, was willst du denn einmal werden?“ Und ich weiß heute noch nicht, warum ich darauf antwortete: „Ich werde etwas ganz Armes mit einem langen Bart!“ Als ich dann 1969 in Blindheim Primiz feierte, hat meine Tante diese Erinnerung aufgefrischt. Und als ich einmal in Dillingen eine Priesterweihe besucht hatte, fragte mich ein Mädchen, das in der Landjugend engagiert war: „Wäre das nicht etwas für dich?“ Diese Frage hat mich danach immer wieder beschäftigt. Und heute muss ich sagen: Ja, das war etwas für mich.

Nach Ihrem Theologie-Studium in Eichstätt wurden Sie vor 50 Jahren zum Priester geweiht. Haben Sie das nie bereut?

Mayer: Das Leben spielt sich immer auch mit Anfechtungen und Zweifeln ab. Ich hätte mir auch ein Leben in Ehe und Familie gut vorstellen können, zumal ich in der Abizeit einmal schwer verliebt war. Aber bereut habe ich meine Entscheidung für ein zölibatäres Leben im Kloster nie.

Was empfinden Sie, wenn Sie heute ins Dillinger Land kommen?

Mayer: Dillingen ist eine sehr liebenswürdige Stadt. 1979 war ich hier für ein Jahr Seminardirektor im Kapuzinerkloster, das es heute leider nicht mehr gibt. Ich bin sehr gerne bei den Franziskanerinnen, und in meiner Heimat in Blindheim helfe ich immer wieder gerne als Aushilfspfarrer.

Jetzt sind Sie Wallfahrtsseelsorger in Altötting. Was sagen Sie denen, die an der christlichen Botschaft und an der Kirche zweifeln?

Mayer: Glauben heißt, ein Leben lang seine Zweifel auszuhalten. Menschen können die Erfahrung wie Petrus machen, der zu Jesus übers Wasser geht. Solange der Jünger Christus im Blick hat, ist er gerettet. Sobald er auf die aufgepeitschten Wellen blickt, droht er unterzugehen. Christus im Blick zu haben, ist das Entscheidende. Auch der heilige Franziskus ging durch viele Anfechtungen, aber er behielt Christus im Blick.

Wie groß ist Ihr Kloster in Altötting?

Mayer: Ich lebe in St. Konrad, dort sind wir sechs Kapuziner. Und in St. Magdalena leben 22 Kapuziner. Wir sind überaltert, aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Drei junge Männer wollen bei uns in den Kapuzinerorden eintreten.

Bedrückt Sie der Schwund an Gläubigen und Priestern?

Mayer: Manchmal schlägt einem das schon aufs Gemüt. In der Diözese Augsburg gab es früher sechs Kapuzinerklöster, jetzt existiert keines mehr. Ich selbst habe zwei Klöster auflösen müssen, St. Sebastian in Augsburg und das Käppele in Würzburg, das war sehr schmerzlich. Aber wir haben ja mit Franziskus, nach dessen Regel wir leben, einen sehr modernen Heiligen. Die Achtung der Schöpfung steht bei ihm ganz weit oben, und Papst Franziskus hat ihn zum Vorbild genommen.

Viele Menschen treten aus der Kirche aus. Werden trotz des Jakobsweg-Booms auch die Wallfahrer weniger?

Mayer: Die Zahl der Wallfahrer geht zurück. Aber über Pfingsten waren wieder 25000 Wallfahrer in Altötting. Zwei Drittel von ihnen kamen zu Fuß. Das waren überwiegend Jüngere. Einige Pilger legen 100 Kilometer und mehr zurück, sie nehmen große Strapazen auf sich.

Was sagen Sie den Wallfahrern?

Mayer: Zum Menschsein gehört das auf dem Weg sein. Und unser Leben im Glauben endet nicht ziellos, im Aus, im Nichts. Es ist ein Ankommen an unserem letzten Ziel, wofür wir geschaffen sind – das Daheimsein bei Gott. Bei ihm kommt unser Pilgerweg ans Ziel.

Was macht Sie da so sicher?

Mayer: Ich habe die feste Zuversicht und die Gewissheit in mir, dass wir in Gott ans Ziel kommen dürfen. Durch unser Menschsein dürfen wir teilhaben an der Menschwerdung Gottes in Christus. Ansonsten müsste man an dem Leid und der Sinnlosigkeit dieser Welt verzweifeln.

Ankommen und am Ziel sein bei Gott – es gibt Menschen, die mit diesen Gedanken nichts anfangen können.

Mayer: Vielleicht wird es mit Karl Valentin klarer. Beim Ausrufen einer Haltestelle gibt der Komiker auf die Frage eines Fahrgasts „Oh, sind wir schon da?“ die Antwort: „Nein, da sind wir erst, wenn wir dort sind.“
Interview: Berthold Veh

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