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Dillingen

02.12.2019

Ein großer Bahnhof für den Dillinger ICE

Rund 150 Menschen kamen am Montagnachmittag zur Zugtaufe am Dillinger Bahnhof.
Bild: Cordula Homann

Plus Rund 150 Menschen kommen zur Zugtaufe in die Große Kreisstadt. Manche haben ein besonderes Anliegen.

Leuchtend weiß steht der ICE am Dillinger Bahnhof Gleis 1. Ein roter Teppich ziert den Bahnsteig. Handys werden gezückt, die Begeisterung ist groß: Seit Montag fährt ein ICE mit dem Namen „Dillingen an der Donau“ durch Deutschland und Frankreich. Rund 150 Menschen bescheren dem Zug einen richtigen Bahnhof. Die kleine Demo zwischen ihnen fällt erst am Schluss auf.

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Trommelwirbel! Ab jetzt fährt ein Dillingen-Ice durchs Ländle.

Gepostet von Donau Zeitung am Montag, 2. Dezember 2019

Klaus-Dieter Josel betont, Dillingen reihe sich damit ein in Städtenamen wie München, Berlin, Paris und Brüssel. 320 Stundenkilometer kann der 201 Meter lange ICE 3 mit seinen 16 Fahrmotoren maximal erreichen. Der Zug sei „Botschafter einer liebenswerten Stadt“, sagt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern. Und er verkündet, dass 2023 der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs beginnen und im besten Fall auch abgeschlossen werden soll. „Alle Bahnsteige werden dann auch erneuert.“

Was Dillingen am Bahnhof fehlt

Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz freut sich über den „großen Bahnhof“, den die Zuschauer dem Zug bereiten. Mit der Zugtaufe bekomme der Bahnhof Aufmerksamkeit, „die wir mit Blick auf die nichtvorhandene Barrierefreiheit brauchen“.

So sieht er aus - der ICE mit dem Namen Dillingen an der Donau
Bild: Bronnhuber

Der Dillinger Rathauschef sagt auch, dass es nun einen Horizont für die Umbaumaßnahme gibt und lässt das Publikum applaudieren: Das motiviere die Herrschaften vielleicht, damit es noch etwas schneller geht.

Kunz hat etwas Besonderes dabei: Ein ICE-Modell, das künftig im Rathaus stehen wird. Ein zugbegeisterter Bürger hatte es der Stadt mitgebracht. Wer den ICE Dillingen an der Donau irgendwo sieht und fotografiert, kann sein Bild der Stadt schicken. Dort wird es dann zusammen mit dem Zug zu sehen sein. Spontan wirft Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange ein: „Unter den zehn ersten Bildern verlose ich eine Fahrt nach Berlin per ICE.“ Lange wird von allen Seiten dafür gedankt, dass es nun einen Zug mit dem Namen der Großen Kreisstadt gibt. Dillingen, so Lange, dürfe stolz darauf sein. So ein Zug sei eine rollende Werbung.

Unter den Zuschauern steht Albert Dopfer aus Schretzheim. Für ihn war die Zugtaufe ein Pflichttermin. „50 Jahre lang habe ich bei der Bahn gearbeitet“, erzählt er. Eine Modelleisenbahn hat er nicht. Aber da die Kinder alle weiter weg wohnen, sei er auch in der Rente viel im Zug unterwegs.

Blick in den neuen Dillingen-ICE: Viele nutzten diese Gelegenheit.
Bild: Homann

Jürgen Muckenschnabel aus Haunsheim begeistert sich zwar privat seit 1986 mehr für schweizer Modellbahnen, doch den Dillinger ICE findet er auch schick. „Zehn Wagen vom ICE habe ich als Modell ja auch daheim“, sagt er und lacht.

Der 18-jährige Johannes Stuhler aus Lauingen hat auch gleich ein Foto gemacht. Normalerweise fährt er mit dem Bus zur Fachakademie nach Dillingen, erzählt er. Aber wenn der nicht fährt, dann nimmt er den Zug. Helga Lifka ist früher auch viel mit dem Zug in den Urlaub gefahren. „Wenn der Mann so Zug begeistert ist“, sagt sie und schmunzelt. Inzwischen nutzen sie den Nahverkehr vor allem für Kurzstrecken. Die Dillingerin genießt die Zugtaufe trotz der Kälte sichtlich. „Jetzt gibt es zwei Dillinger Züge, einen von der Agilis und einen von der Deutschen Bahn.“

Die Zuschauer dürfen in den ICE einsteigen und sich umschauen

Der Höhepunkt der Veranstaltung ist erreicht, als Dillingens Stadtpfarrer Wolfgang Schneck und der evangelische Pfarrer Manuel Kleiner den Zug gesegnet haben und das blaue Banner weggezogen ist. Dutzende Blitze erhellen die dunkle Szenerie – da leuchtet der Name „Dillingen an der Donau“ auf. Und dann gehen die Türen auf – und alle dürfen rein in den Zug. Ruckzuck entsteht Urlaubsfeeling, weil es sich direkt an der vorderen Tür so staut, dass man gar nicht hineinkommt. Aber klar, wann darf man schon ins Führerhaus eines ICE? Schokolade für die Kinder, viele Zugdetails für die Fans, sogar die Bildschirme im Zug zeigen Dillingen als Halt an. Der zehnjährige Benedikt Jünger aus Dillingen und seine Schwester Johanna, acht Jahre, steigen begeistert aus. „Hinten ist voll der Luxus mit bequemen Sesseln und Kopfkissen“, schwärmt der Schüler. Einen Blick auf die Speisekarte hat er auch geworfen. „Da stand Pizza.“

Das Modell kommt ins Rathaus, der „große“ Zug auf die Schienen: Am Montag wurde ein ICE mit dem Schriftzug „Dillingen a.d. Donau“ getauft. Darüber freuen sich (von links) Landtagsabgeordneter Georg Winter, Oberbürgermeister Frank Kunz, Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange und Bahnvertreter Klaus-Dieter Josel.
Bild: Homann

Marion Kleebauer steht mit ihren Kindern Lena, fünf Jahre, und Felix, sieben Jahre, zwischen den Sitzen. Schließlich sind sie aus Dillingen, da gehöre es dazu, zur Zugtaufe zu gehen, erklärt die Mutter. Sie lacht und blickt zu ihrem Sohn. „Man will ja auch immer mal Lokführer werden – gleich nach Star-Wars-Krieger.“ Die Veranstaltung sei etwas Besonderes. „Jetzt wird die Stadt bekannt.“

"Die DB hat geschlampt"

Auch die Kreisvorsitzende der Grünen, Heidi Terpoorten, sagt, die Dillinger können stolz sein. „Ich freue mich total über die Zugtaufe. Das lenkt die Aufmerksamkeit – so, wie es Oberbürgermeister Kunz gesagt hat – auf die Bahn. Da gibt es in Dillingen und Nordschwaben viel zu tun. Jetzt muss geliefert werden. Die DB hat bislang geschlampt.“

Ein großer Bahnhof für den Dillinger ICE
29 Bilder
Ein ICE wird auf den Namen "Dillingen an der Donau getauft"
Bild: Simone Bronnhuber

Es wird noch dunkler, noch kälter, und die Dillinger Barockbläser, die eben noch „Happy Train“ gespielt haben, packen zusammen. Das Publikum verteilt sich. Manche Zuschauer nehmen in der Bahnhofshalle Häppchen zu sich, die anderen wärmen sich im Zug auf oder sind auf dem Nachhauseweg. Da wird die kleine Demonstration sichtbar. Kerstin Eberwein aus Dillingen sitzt im Rollstuhl am Gleis 1.

Sie kann nichts sehen. Um ihren Hals hängt ein großes Schild, es zeigt Treppen und ein großes Fragezeichen. Kerstins Eltern Achim und Gabriele stehen daneben. „Wir sehen uns als Anwälte unserer Tochter. Wenn wir eine Zugreise machen, müssen wir für uns die Umsteigehilfe zwei Monate vorher anmelden. Unser Platz ist in der Regel besetzt und durch den Gang kommen wir nicht wegen des Gepäcks“, erzählen die Eltern. Es sei alles eine Tortur. Dennoch hoffen sie, dass sie später noch in den Dillinger ICE kommen. „Es liegt alles an den Menschen“, meint Stadtpfarrer Schneck im Vorbeigehen leise. Wo sie anpacken, wo sie helfen, brauche man überhaupt gar keine Treppen oder Umsteigehilfen.

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