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Landkreis Dillingen

19.11.2018

Eine 14-Jährige, die mit Drogen handelt - ist das normal?

Eine 14-Jährige aus dem Landkreis Dillingen hat Marihuana konsumiert und weiterverkauft. Der Fall kam in der vergangenen Woche im Rahmen eines Gerichtsverfahrens am Amtsgericht Dillingen zur Sprache, bei dem das Mädchen als Zeugin aussagte.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbol)

Eine 14-Jährige aus dem Landkreis Dillingen konsumiert und verkauft Marihuana. Ist so etwas in diesem Alter normal? Das sagen Polizei und Suchtberatung.

Das Geschäft sollte in Schwenningen über die Bühne gehen. Die 14-Jährige hatte fertig gedrehte Joints dabei, die sie verkaufen wollte. Doch der Deal ging nach hinten los. Die Polizei erwischte das Mädchen. Ihre Strafe, neben dem Ärger mit den Eltern: 40 Sozialstunden.

Die Geschichte der 14-Jährigen kam in der vergangenen Woche bei einem Prozess am Amtsgericht Dillingen zur Sprache. Angeklagt war eine 37-Jährige, die Marihuana an mehrere Minderjährige verkauft hatte – unter anderem an die 14-Jährige aus dem Landkreis, die als Zeugin aussagte. Diese hatte sich Drogen zuvor bei ihrem damaligen Freund, dem Sohn der Angeklagten, besorgt. Als dieser dem Mädchen nichts mehr verkaufen wollte, verwies er es an seine Mutter. Die gab der 14-Jährigen gegen Geld mehrfach Marihuana, für 12,50 Euro das Gramm. Bis zu knapp fünf Gramm kaufte der Teenager pro Besuch ein.

Landkreis Dillingen: 14-Jährige handelt mit Marihuana

Vor Gericht schilderte das Mädchen, wie die Treffen abgelaufen sind. In der Regel habe man sich vorher über WhatsApp verabredet. Dann besuchte das Mädchen die Frau bei ihr zu Hause. Man ging in den Schuppen, um das Gras abzuwiegen. In einer Alufolie bekam das Mädchen die Drogen mit nach Hause. Nach ihrem Alter sei sie nie gefragt worden (lesen Sie hier den kompletten Bericht zur Gerichtsverhandlung). Die 14-Jährige konsumierte das Marihuana selber. Und sie verkaufte es weiter. Bis zu jenem Geschäft in Schwenningen, als die Polizei dazwischenkam.

Ein Teenager, der mit 14 Jahren Drogen konsumiert und auch noch mit ihnen handelt – ist das normal? „In diesem Alter kommt das eher selten vor“, sagt Gunther Hetz von der Polizei Dillingen. Zwar seien der Polizei vereinzelt Fälle bekannt, dass jemand in dieser Altersgruppe mit Drogen handelt. Die Hauptgruppe würden diesbezüglich jedoch die 16- bis 30-Jährigen ausmachen – zumindest bei den Fällen, von denen die Ermittler wissen.

Die Polizei will Jugendliche vor den Gefahren durch Drogen warnen, unter anderem durch Präventionsmaßnahmen an Schulen. „Wir wollen auf junge Leute einwirken“, sagt Hetz. Denn scheitert die Prävention, wird es für die Ermittler zunehmend schwierig hinterherzukommen. Jugendliche bekommen die Rauschmittel nicht mehr nur im Freundes- und Bekanntenkreis, sondern einfach und diskret über das Internet. „Das ist schwierig zu überwachen“, sagt Hetz.

Drogen: Es gibt Brennpunkte im Landkreis Dillingen

Oft komme man Tätern durch Aussagen in einem anderen Fall auf die Schliche. Und dann gibt es, trotz Internet, die ganz klassischen Übergabegeschäfte. Brennpunkte dafür seien etwa der Taxispark und die Rosenstraße in Dillingen. Laut Hetz beobachtet die Dillinger Polizei, dass in den vergangenen Jahren der Konsum von Marihuana zugenommen hat. Grund dafür sei auch, dass synthetische Drogen, wie etwa Kräuter und Badesalze, nach einer Hochphase vor einigen Jahren in der Beliebtheit wieder zurückgegangen sind.

„Zum Glück“, sagt Sabine Schmidt, die Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Dillingen. „Offenbar ist die Erkenntnis angekommen, wie gefährlich diese Drogen sind.“ Stattdessen sei Cannabis derzeit auf dem Vormarsch. „Unter Jugendlichen ist die Droge derzeit ein sehr aktuelles Thema“, beobachtet Schmidt. Dazu trage auch die momentane Legalisierungsdebatte bei, die zu einer höheren Akzeptanz in der Gesellschaft führe. Den Trend zum Gras dürfe man laut Schmidt nicht zu stark kriminalisieren, aber eben auch nicht verharmlosen. „Je früher man damit anfängt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, psychisch zu erkranken“, sagt Schmidt.

Probleme, das Material zu bekommen, gibt es keine

Es drohen beispielsweise Psychosen. Und mit dem Gras fängt so mancher ziemlich früh an. Im Gegensatz zur Polizei bezeichnet Schmidt 14 als „typisches Einstiegsalter“ – für den Konsum, aber auch den Weiterverkauf von Drogen im kleinen Stil. „Wer regelmäßig konsumiert, muss auch schauen, wie er an Geld kommt.“ Vereinzelt gebe es sogar jüngere Beispiele, 12, 13 Jahre. „Je nachdem, wann bei jedem Einzelnen die Pubertät einsetzt“, sagt Schmidt. In dieser schwierigen Zeit der Entwicklung seien Drogen eine Form, um mit den Problemen umzugehen und sich abzugrenzen. Meistens würden Teenager über das Rauchen einsteigen. Über den Tabak folgt dann bei manchem der Umstieg auf Gras.

Probleme, das Material zu bekommen, gebe es auch im ländlichen Raum keine. „Wenn jemand sucht, findet er alles.“ Behilflich sind Freunde, Schulkameraden, bestimmte Lokalitäten und Plätze sowie das Internet. Bei manchem Jugendlichen sei es nur eine Phase. Nach einigen Monaten oder Jahren wendet er Drogen wieder den Rücken zu, erklärt Schmidt. Andere bleiben daran hängen.

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