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08.04.2019

Eine Straße mit reicher Vergangenheit

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Die Weiherbrunnenstraße in Blindheim hat eine reiche Geschichte – entlang einer wichtigen Lebensader des Dorfes.
Bild: Heimatverein Blindheim

Woher die „Weiherbrunnenstraße“ in Blindheim ihren Namen hat. Ein Blick in die Geschichte

Beiderseits des Baches, der Blindheim von West nach Ost durchfließt, wurde einst das Dorf gegründet und angelegt. Mit seinem teilweise angerartigen Charakter und den vielen kleineren und größeren Brücken hat der „Bach“ wie er genannt wurde, über Jahrhunderte das Dorfbild geprägt. Die Anwohner bedienten sich seines Wassers. Enten und Gänse waren in ihrem Element.

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Doch mit dem Ausbau der Dorfstraßen Anfang der 1960er-Jahre war der Bach ein Hindernis, er wurde in den Untergrund verbannt. Nach der Fertigstellung suchte man nach Namen für die neuen Straßen. Man erinnerte sich an geschichtliche Zusammenhänge, Namen und Daten. Unter anderem heißt es in einer Beschreibung des Landgerichts Höchstädt aus dem Jahr 1560: „Blinthaim, Müele oben im Dorff, die treybt der Weyerbrunn, so un-geferlich ain Büchssenschus von der Müel entspringt.“ Der Name ist wohl von dem weiherartigen Aussehen seiner Quelle abzuleiten, die rund 600 Meter westlich an einem kleinen Geländeabfall entspringt. – seit 1962 ein Tiefbrunnen der Rieswassergruppe.

Ein passender Name für die Straße vom Kirchplatz in das sogenannte Oberdorf war also gefunden, Weiherbrunnenstraße. Der Bach, der nun der Straße den Namen gab, war schon immer die Lebensader des Dorfes. So musste er bereits nach kurzem Lauf das Wasserrad der Oberen Mühle antreiben. Gleich nebenan, „Oben am Eck des Dorffs am Weyerbrunn gelegen“, konnte der Bader das Wasser für seine Badstube gut gebrauchen, wie in einem Vertragsbrief aus dem Jahr 1501 zwischen der Gemeinde und dem Bader Michael Ruef hervorgeht.

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Bei der Schlacht am 13. August 1704 ist auch das Baderanwesen abgebrannt. Ab 1716 ist nur mehr von der „Söld und klein Gärttle“ die Rede. Die Blindheimer Bader waren fortan in einem Anwesen am Kirchplatz, wiederum direkt am Bach, ansässig. Auch dem Gastwirt und Bierbrauer „Zum Kreuz“ wurde das gute Quellwasser über eine hölzerne Leitung zugeführt, bis dann 1915 die Brauerei abbrannte und nicht mehr aufgebaut wurde.

Noch einmal muss der Weiherbrunnenbach sich anstrengen und das Wasserrad der Unteren Mühle antreiben, bevor er sich nach 1,5 Kilometern in der Donau auflöst. Ein Bach, ein kurzer Weg, und doch könnte er viel erzählen, wenn er eine Stimme hätte. Zum Beispiel über die in jüngerer Zeit durchgeführte Dorferneuerung, die ihm ein kurzes Stück Freiheit zurückbrachte. Nun darf das Bächlein wieder munter am Rat- und Heimathaus vorbeiplätschern, um dann gleich wieder in einem Kanal zu verschwinden. Was bleibt: eine alte, neue Dorfstraße – schöner denn je.

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