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Konzert

24.05.2017

Eine künstlerische Reise durch die Musikgeschichte Europas

Für ein Muttertagskonzert auf hohem künstlerischen Niveau sorgte im Rittersaal des Höchstädter Schlosses das „Trio Fleurs“ mit den aus der Region stammenden Künstlerinnen Barbara Bartmann, Sonja Lorenz-Bayer und Annette Sailer.
Bild: Pawlu

Begeisterter Beifall für das „Trio Fleurs“ im Rittersaal von Schloss Höchstädt

Es mag ja richtig sein, was Psychologen behaupten: Liebestrunkener Jubel und liebesbedingter Jammer seien verklärende Konsequenzen jener Generalanweisung, mit der die Oberbefehlshaberin Natur die Menschheit zur Arterhaltung verpflichtet hat.

Aber ein Konzertabend mit dem „Trio Fleurs“ im Rittersaal des Höchstädter Schlosses erinnerte auch daran, dass die emotionalen Gefühlsausbrüche liebender Menschen die europäische Kulturgeschichte entscheidend mitgeprägt haben. Annette Sailer (Sopran), Sonja Lorenz-Bayer (Flöte) und Barbara Bartmann (Klavier) verdeutlichten mit Kompositionen aus vier Jahrhunderten den ästhetischen Reiz, den die „Facetten der Liebe“ auslösen können.

Das „Muttertagskonzert“, veranstaltet vom Förderkreis Schloss Höchstädt und dem Kulturforum der Stadt Höchstädt, versetzte die Zuhörerschaft im voll besetzten Saal in wahre Begeisterung. Trotz aller Sensibilität der einzelnen Programmnummern äußerte sich die Zustimmung beim Schlussapplaus in marschrhythmischer Lautstärke. Diese Reaktion hatte ihre Gründe: Die drei Künstlerinnen, die in der Region des Landkreises aufgewachsen sind, erwiesen sich bei der Ausdeutung epochaler Stilmittel als meisterhafte Interpretinnen. In bemerkenswerter Koordination sicherten sie den zumeist liedhaften Äußerungen jauchzender, verzweifelnder, hoffender und erotisierter Figuren den jeweils angemessenen Ausdruck. So verwandelte sich selbst die herzzerreißendste Klage im Bewusstsein des Zuhörers zum künstlerischen Genuss.

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Das Trio, dem Michaela Lachenmayr assistierte, verdient Bewunderung auch für die Bereitschaft zur absoluten Präzision. Die renommierte Pianistin Barbara Bartmann, geb. Rieder, unterstrich mit ihrem perfekten Spiel am Flügel mit der Anpassung der Lautstärke und der Klangfarbe die Gefühlstendenzen der kontrastierenden Stücke. Nie drängte sich ihr virtuoser Beitrag in den Vordergrund. Ihre Begleitfunktion aber bewegte sich auf höchstem Niveau.

Annette Sailer demonstrierte eindrucksvoll die Fähigkeit, mit ihrer Stimme allen Nuancen musikalisch umgesetzter Gefühle mühelos Ausdruck zu verleihen. Souverän und mit Charme bewältigte sie anspruchsvolle Koloraturen und schwierige Intervallsprünge, Fortissimo-Stürme und Pianissimo-Elegien.

Dazu kam die Brillanz des Flötenspiels. Sonja Lorenz-Bayer verdeutlichte mit künstlerischer Akkuratesse die Bedeutung ihres Instruments im oftmals heiteren Dialog mit der Sopranstimme, in der Nachahmung des romantisierenden Gesangs von Nachtigallen und im kommentierend-schalkhaften Widerspruch zur Hauptmelodie.

So wurde jeder Programmabschnitt zu einem faszinierenden Rückblick auf die kompositorische Vielfalt der europäischen Musikgeschichte. Händels vitales Lied „Flammende Rose“ vermittelte einen Eindruck auf das Weltbild des Textdichters Barthold Heinrich Brockes, der Religiosität mit irdischem Vergnügen zu verbinden wusste. Die Interpretation von Mozarts „L’amero“-Arie machte verständlich, weshalb diese Inspiration als musikalischer Höhepunkt der Oper „Il re pastore“ gilt. Wunderschön wiedergegeben wurden die bukolischen Verspieltheiten und die überraschenden Effekte, mit denen Jules Mouquet im Jahre 1908 seine Sonate op. 15 „La Flute de Pan“ ausstattete.

Zu den weiteren Höhepunkten der 13-teiligen Vortragsfolge gehörten „Une Flute invisible“ von Saint-Saens, bei dem die Flöte auch im Rittersaal aus dem unsichtbaren Hintergrund mitwirkte, das impressionistische Tongemälde „The Setting Sun“ von R. D’Oyly Carte und das „Porträt“ von Cécile Chaminade, bei dem die Sopranstimme den Kampf einer Frau um ihre Liebe im Walzertakt ausdrückt.

Das Programm war schon einmal im Lauinger Rathausfestsaal zu erleben. Eine Wiederholung schadet der Anziehungskraft des Trios nicht. Auch die Präsentation im Höchstädter Rittersaal erwies sich als taufrisch. Dafür sorgte zusätzlich der Umstand, dass alle drei Künstlerinnen Aufgaben als Moderatorinnen übernahmen. Und am Schluss dankten sie mit Blumen und Geschenken den Veranstaltern und ihrem Helferkreis. Aber ihr eigentliches Adieu an diesem Abend waren zwei großartig gestaltete Zugaben: Die „Annenpolka“ von Johann Strauß und der Hit von Hildegard Knef „Für mich soll’s rote Rosen regnen“.

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