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Landkreis Dillingen

17.05.2019

Endete ein Mietstreit mit gebrochener Nase?

Hat ein Vermieter einem 28-Jährigen die Nase gebrochen? Oder behauptet das mutmaßliche Opfer das nur? Darum ging es im Dillinger Gericht. Doch das hörte mehrere Versionen.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand (Symbolfoto)

Ein 28-Jähriger aus dem Landkreis soll sich selbst verletzt und den Vermieter beschuldigt haben. Vor Gericht hört man mehrere Versionen

Streitereien und Auseinandersetzungen mit dem Vermieter sind keine Seltenheit. Bei einem Fall in der Region ist die Situation allerdings eskaliert, dabei wurde ein 28-jähriger Mieter sogar verletzt. Jetzt stand er vor dem Dillinger Amtsgericht, denn er soll seinen Vermieter zu Unrecht beschuldigt haben, ihm die Nase gebrochen zu haben.

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Regelmäßig habe es mit dem Vermieter Streit gegeben

Regelmäßig habe es mit dem Vermieter Streitigkeiten gegeben, erzählte der Angeklagte vor Gericht. Bei der Schlüsselübergabe an einem Tag im August vergangenen Jahres sei die Situation dann eskaliert und der Vermieter habe ihm mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen. Daraufhin sei seine Nase gebrochen und er habe blutend von Sanitätern versorgt werden müssen. Der 62-jährige Vermieter aus dem Landkreis gab jedoch in seiner Aussage bei der Polizei an, dass es zu keinem körperlichen Streit gekommen sei und der Mieter sich selbst die Verletzung zugefügt haben soll. Es würde sich deshalb um eine falsche Verdächtigung handeln. Schon zu Beginn der Verhandlung stellte Verteidiger Thomas Dick klar, dass sein Mandant keinen Grund gehabt habe, sich selbst zu verletzen und den Vermieter zu beschuldigen.

Mit dem Miete im Rückstand

Der 62-Jährige sah das jedoch anders und versuchte, Richterin Alexandra Wittl von der Schuld des 28-jährigen Mieters zu überzeugen. Er erzählte von dem angespannten Mietverhältnis:. „Immer wieder gab es Beschwerden von den anderen Mietern im Haus über zu laute Partys der Wohngemeinschaft.“ Da der Angeklagte und sein Mitbewohner außerdem mit ihrer Miete im Rückstand gewesen seien, habe er ihnen gekündigt. Zum Auszug habe er den beiden angeboten, ihre Möbel im Kellerabteil zwischenzulagern. Deshalb habe er nach Rücksprache zuvor auch das Kellerabteil ausgeräumt, erzählte der 62-jährige Rentner. „Von einer Absprache kann man in diesem Zusammenhang nicht sprechen“, beteuerte der 28-jährige Angeklagte vor Gericht. Stattdessen habe nur ein Brief im leeren Kellerabteil gelegen. Richterin Wittl zitierte aus dem Brief: „Der Keller zur Wohnung ist schon leer, wie Sie bemerkt haben.“ Zudem machte sie auf den, wie sie sagte, rauen Ton des Schreibens aufmerksam. Auch bei der Schlüsselübergabe hätten die Mieter ihre Sachen nicht wie ursprünglich ausgemacht wiederbekommen, erzählte der 28-Jährige weiter. „Die Gegenstände hatten zwar keinen großen Wert, aber einen emotionalen“, sagte er. Als er an jenem Tag im August auf den Vermieter gewartet habe, hätte er ihn bereits durch das Fenster darauf angesprochen und ihn anschließend direkt auf der Straße damit konfrontiert. Dort eskalierte der Streit, erzählte er der Richterin. Die beiden Handwerker, die der 62-jährige Vermieter zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung beschäftigte, sagten als Zeugen aus. Während der Verhandlung stellte sich jedoch schnell heraus, dass die beiden Zeugen in ihren Aussagen schwammig wurden, sobald es ins Detail ging, wie Richterin Wittl feststellte. Auf Nachfrage von Staatsanwalt Patrick Richnow konnte auch keiner der Zeugen eine plausible Erklärung für eine Armverletzung des Vermieters liefern, die er im Anschluss an den Streit im Krankenhaus behandeln ließ.

Endete ein Mietstreit mit gebrochener Nase?

Bei der Schlüsselübergabe sei es zu drastischen Beleidigungen gekommen

Außerdem stellte sich auf Nachfrage des Verteidigers heraus, dass der 62-Jährige in einem freundschaftlichen Verhältnis zu den Handwerkern stand, die als Zeugen aussagten. Der 26-jährige Freund des Beklagten wurde als Letzter vom Gericht vernommen. Er sagte: „Bei der Schlüsselübergabe hatten sich beide Parteien drastisch beleidigt.“ Zwar habe er nicht sehen können, wie der Vermieter seinen Unterarm eingesetzt hatte. Er habe allerdings aus dem Fenster der Wohnung beobachtet, wie sein Freund zu Boden gefallen sei und vor Schmerz aufgeschrien habe, erzählt er vor Gericht. „Ich bin sofort nach unten gerannt und habe ihm aufgeholfen“, sagt er. Daraufhin habe sich der 28-jährige Angeklagte aufgebracht schreiend auf den Weg in die Wohnung gemacht. Als er ihm nachgegangen sei, habe er bereits die Blutspritzer auf den Treppenstufen sehen können, erzählt er weiter. Wenig später hätten sie dann einen Krankenwagen gerufen. In der Notaufnahme sei anschließend die gebrochene Nase feststellt worden, sagt der 26-Jährige.

Vermieter und Zeugen verzetteln sich, sobald es um Details geht

Da die anderen Zeugen schwammig und unpräzise gewesen seien und die Aussagen „abgesprochen und abgekartet“ wirkten, kam Staatsanwalt Richnow zu dem Schluss, dass der Angeklagte nicht schuldig sei. Auch Richterin Wittl schloss sich in ihrem Urteil dieser Meinung an und sprach den 28-Jährigen frei. Sie sagte: „Es war auffallend, dass die ersten beiden Zeugen sowie der Vermieter sich in ihren Schilderungen verzettelten, sobald es in die Details ging.“ Der letzte Zeuge habe dagegen in seiner Aussage nichts beschönigt und detailliert und „erfrischend ehrlich“ den Tathergang beschrieben, ohne seinen Freund schützen zu wollen, sagte Wittl. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

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