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Höchstädt/Dillingen

17.12.2018

Er hat Schüler für die Kunst begeistert

Die Sahara hat Hartmut Pfeuffer nicht mehr losgelassen. Seit 1990 unternahm er zahlreiche Exkursionen in die Wüste, die sich in seinem Werk widerspiegelt. Das Foto zeigt den Künstler vor der Eröffnung der Ausstellung „Extreme Landschaften“ vor acht Jahren im Höchstädter Schloss.
Bild: Berthold Veh

Die Nachricht vom Tod des Künstlers Hartmut Pfeuffer hat nicht nur am Dillinger Sailer-Gymnasium tiefe Betroffenheit ausgelöst.

In die Stimmung der Vorweihnachtszeit drängen sich in diesen Tagen am Sailer-Gymnasium in Dillingen tiefe Trauer und Betroffenheit. Der geschätzte Kunsterzieher und Künstler Hartmut Pfeuffer ist am Donnerstag im Alter von 69 Jahren gestorben. Das Werk des Höchstädters ist mehrfach ausgezeichnet worden. Pfeuffer erhielt unter anderem den Förderpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1986), den Bayerischen Staatsförderpreis für bildende Kunst (1989), den Förderpreis der Stadt Marktoberdorf (1989) und den Kunstpreis des Landkreises Dillingen (1992). Bilder von ihm sind auch im Sitzungssaal im Wertinger Rathaus und natürlich am Sailer-Gymnasium zu sehen.

Dort hatte Pfeuffer am 5. September 1977 seinen Dienst begonnen. Der Höchstädter wirkte mehr als 30 Jahre am Sailer, bevor er am 20. November 2009 in den Ruhestand trat. Pfeuffer gelang es, durch seine engagierte kunstpädagogische Arbeit Schüler zu außerordentlichen Leistungen zu bringen, sie Fähigkeiten entdecken zu lassen, die in manchem von ihnen schlummerten und die ihre Freude am künstlerischen Arbeiten förderten.

Auch jetzt, einige Jahre nach seiner Pensionierung, bleibt die Erinnerung an Hartmut Pfeuffer lebendig. Die Lehrer des Sailer-Gymnasiums werden sich der schmerzlichen Tatsache bewusst, dass die Schule mit ihm einen überaus verlässlichen Kollegen und die ehemaligen Schüler einen Kunsterzieher verloren haben, der weit über die Vermittlung grundlegender Techniken hinaus eine Begeisterung für die bildende Kunst zu vermitteln verstand. Pfeuffer war ein Künstler, der mit großer Bescheidenheit und Zurückhaltung dazu beitrug, der Schule ein wirkungsvolles Gesicht nach außen zu geben.

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In das Gefühl der Trauer mischt sich auch das der tiefen Dankbarkeit

In das Gefühl der Trauer mischt sich auch das der tiefen Dankbarkeit: Denn Hartmut Pfeuffer gelang es zusammen mit seiner Frau Barbara, die Schule in einen Ort zu verwandeln, in dem Ästhetik überall spürbar ist. Es genügt ein Gang durch die Flure, in die Aula, die Bibliothek, ein Blick in so manche Unterrichtsräume, auch ins Direktorat, und man erkennt, dass hier einmal ein Kunsterzieher gewirkt haben muss, dem es ein Anliegen war, Kunst und Leben am Sailer in Einklang zu bringen. Die Schulfamilie durfte an seiner Kunst teilhaben und darf es immer noch. Hartmut Pfeuffer, dessen Landschaftsinterpretationen im In- und Ausland geschätzt werden und der mit zahlreichen bedeutenden Auszeichnungen und Kunstpreisen geehrt wurde, war nicht nur aktiv an der künstlerischen Gestaltung der Aula beteiligt. Er überließ dem Sailer-Gymnasium als weitere großzügige Geste sein Gemälde „Bühnenlandschaft“.

Seine Bilder sprechen ihre ganz eigene Sprache

Selbst der Laie, der seine Kunst betrachtet und sich auf sie einlässt, kann erfahren, welche zutiefst menschliche Haltung Hartmut Pfeuffer wohl sein ganzes Leben begleitet haben mag. Seine monumentalen menschenleeren Landschaftsbilder sprechen ihre ganz eigene Sprache. Wer das Glück hatte, ihn kennenzulernen, weiß, dass der Mensch Hartmut Pfeuffer immer zurücktrat, um dem Gegenstand seiner Betrachtung größtmöglichen Raum zu lassen. Die Künstlerhand aber, die sich dahinter verbirgt, lässt ihrerseits einen Menschen erahnen, der der Natur demütig-bewundernd und mit Ehrfurcht begegnet und ihr mit großer Hingabe ein wunderbares Denkmal setzt.

Bescheidenheit und höfliche Zurückhaltung zeichneten Pfeuffer auch im Umgang mit seinen Kollegen aus. Er hatte wie kaum ein anderer einen Blick für die Schönheit der Natur, die sich auch im noch so Kleinen und Unscheinbaren zeigt. Mit diesen Augen die Welt zu sehen, ihre Schönheit im Detail und mit Akribie zu erfassen, war ihm ein Anliegen, das er auch seinen Schülern überzeugend vermittelte.

Seine Leidenschaft war die Sahara

Seit fast 30 Jahren hatte Hartmut Pfeuffer künstlerisch eine große Leidenschaft – die Sahara. Der Höchstädter, der aus Aschaffenburg stammt, hatte Otl Aichers Buch „Gehen in der Wüste“ gelesen. Mit der Folge, dass Pfeuffer Dutzende Male die Wüste bereiste – zunächst im Tschad, Niger und in Mali, später in Südalgerien. Pfeuffers überdimensionale Bilder sind grundsätzlich ohne Menschen. „Ich möchte die Zeitlosigkeit darstellen. Menschen wären hier ein Störfaktor“, sagte der Künstler einmal unserer Zeitung. Pfeuffer arbeitete bis zu seiner Erkrankung ohne Unterlass. Das Malen war bei ihm eine Sisyphusarbeit, denn seine Gemälde haben mehrere Schichten und hunderttausende Farbpunkte. Mindestens ein halbes Jahr brauchte der Maler für ein einziges Bild.

Hartmut Pfeuffer, der sich der Darstellung einer Natur ohne menschliche Spuren widmete, hat selbst bei seiner Familie, seinen beiden Enkeln, den Kollegen und Schülern viele Spuren hinterlassen.

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