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Lauingen

18.09.2020

Er prägte Bochum und veränderte Lauingen

Am Freitag feiert Roman Reiser seinen 100. Geburtstag.
Bild: Picture People

Plus Roman Reiser feiert 100. Geburtstag. Als Architekt errichtete er so manche Landmarke in Bochum. Seine Wurzeln hat er aber in Lauingen. Dort hat er Spuren hinterlassen.

Wenn Roman Reiser am 18. September auf stolze 100 Lebensjahre zurückblickt, dann hat er mehr als 50 davon der Architektur gewidmet. Als selbstständiger Architekt startete der gebürtige Lauinger 1954 mit einem eigenen Büro in Bochum. Das Ruhrgebiet sollte seine architektonische Heimat werden: Dort errichtete er Wohnhäuser, Büro- und Verwaltungsbauten ebenso wie Sozial- und Bildungseinrichtungen. Es sind rund 330 Bauten, die sein 2015 erschienenes Werkverzeichnis zusammenfasst. Doch auch in seiner Geburtsstadt Lauingen war Reiser aktiv: In den 1940er Jahren baute er Wohnhäuser und eine Metzgerei um, später baute er dort mehrere Wohnhäuser und ein Hotel in der Bahnhofstraße.

Bauboom der 1950er Jahre erlebt

Auf die Frage, welche Gebäude ihm am wichtigsten sind, antwortet er nach kurzem Überlegen: „Alle. Sie sind mir alle lieb und wichtig.“ Dass einige seiner Schöpfungen seit 2001 unter Denkmalschutz stehen, unterstreicht die Relevanz seines architektonischen Schaffens. Auf der Liste der geschützten Bauwerke findet sich auch sein eigenes, von 1960 bis 1963 erbautes Wohnhaus, in dem er heute seinen 100. Geburtstag verbringt. „Die Familie wird sich hier versammeln“, so Reiser, „mal sehen, wer noch vorbeischaut.“

Mit Blick auf seine bauliche Tätigkeit erinnert sich der Architekt: „Ich hatte eigentlich immer Glück.“ Es war zunächst der wirtschaftliche Aufschwung samt Bauboom seit Mitte der 1950er Jahre, der Roman Reiser viele Aufträge bescherte. Dass er auch mit seinen Entwürfen überzeugen konnte, beweisen bereits die frühen Architekturprojekte. „Eines meiner ersten Häuser hat schon für Furore gesorgt“, so Reiser, „es wurde viel veröffentlicht.“ Lange galt das „Europahaus“ (1959-63) gegenüber dem Bochumer Hauptbahnhof mit seinen rund 60 Metern Höhe als einziges Hochhaus der Stadt. Und noch heute ist das 77 Meter hohe verglaste „Bomin-Haus“ (1972-76) ein echter Hingucker für Passanten – mittlerweile allerdings mit veränderter Glasfassade.

Bund Deutscher Architekten

„Ich habe meine Bauherren zudem immer überzeugt, dass Bauen eine kulturelle Frage ist“, wird Reiser in einer Pressemitteilung des Bundes Deutscher Architekten zitiert. Beeinflusst durch die Architekturtendenzen der jeweiligen Jahrzehnte hat der Architekt seine Bauten stets behutsam auf die vorhandene Umgebung abgestimmt. „Für mich hat immer die Maxime gegolten, dass meine Architektur ein Zusammenspiel aus den Bedürfnissen der Bauherren, der städtebaulichen Bedingungen und dem eigenen architektonischen Ansatz sein sollte.“

Gleichzeitig war klar: „Wer zum Reiser geht, muss schriftlich formulieren, was er haben will.“ So stellte er stets sicher, dass auch die Bauherren immer das bekamen, was sie sich wünschten. Über die Jahrzehnte hinweg hat Reiser Bochum auf diese Weise baulich geprägt und hier seine Spuren hinterlassen. „Die Stadt ist eine andere geworden,“ blickt der Architekt zurück: „Durch kluge Maßnahmen von Stadt- und Bauverantwortlichen hat sie sich positiv gewandelt und ist heute ein erfolgreicher Wissenschaftsstandort.“

Bauausschuss der Stadt Bochum

Wie erfolgreich Reiser war und wie ihn auch die Kollegen schätzten, zeige die Aufnahme in den Bund Deutscher Architekten (BDA) einige Jahre später. Seit 1961 ist Reiser Mitglied des BDA Bochum – mittlerweile ist er Ehrenvorsitzender. Als Gründungsmitglied der Architektenkammer hat er sich ebenso engagiert wie im Bauausschuss der Stadt Bochum. Mit über 70 zog sich der Architekt 1991 aus seiner aktiven Tätigkeit zurück. Als Reiser und Partner Architekten BDA besteht sein Büro bis heute und blickt in diesem Jahr auf 66 Jahre Bürogeschichte zurück. (mit pm)

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