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Sonderkonzert

16.11.2011

Erlösungsglaube als musikalische Botschaft

Ein imposantes Bild boten in der Basilika Chor und Orchester bei der Aufführung des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart.
Bild: Fotos: Walter

Basilikachor, Solisten und Orchester unter der Gesamtleitung von Axel Flierl beeindruckten mit Requiem von Mozart

Dillingen Als Schirmherr der 5. Dillinger Basilikakonzerte drückte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert beim festlichen Abschlusskonzert den Beteiligten seine besondere Wertschätzung für das engagierte Wirken aus. Er würdigte dabei die Arbeit des Fördervereins mit Hans-Jürgen Weigl, die Aufgeschlossenheit von Stadtpfarrer Monsignore Gottfried Fellner und den Einsatz des Basilikaorganisten Axel Flierl. Dieser hatte sich mit seinem Chor an Mozarts letztes und unvollendetes Werk KV 626 gewagt – und gewonnen.

Professionelle Bläser

Ihm stand ein ausgezeichnetes Orchester mit Musikern aus dem Stuttgarter Raum und einheimischen Instrumentalisten zur Verfügung, das sich aus versierten Streichern, professionellen Bläsern, Pauken und Truhenorgel zusammensetzte. Die Qualität des Kammerorchesters zeigte sich zunächst in dem „Adagio for strings“ op.11 des amerikanischen Komponisten Samuel Barber. Der langsame Satz aus einem ursprünglichen Streichquartett wurde unter der sicheren Leitung von Flierl wegen der brillanten, virtuosen Führung der einzelnen Stimmen zu einem ausdrucksstarken Prolog.

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Danach nutzte der Basilikachor die tragende Akustik zum ergreifenden Gotteslob. Es war etwas von der Größe der Musik zu erleben. Ein stimmlich hervorragendes Vokalquartett unterstützte Axel Flierl bei der Interpretation. Seine überlegene Leitung erspürte die künstlerische Reife der Komposition, die seelische Verfassung Mozarts als Sterbender, und machte die immanente Jenseitigkeit des Ausdrucks erfahrbar. Davon sprach auch Stadtpfarrer Fellner in seiner Begrüßung im sehr gut besuchten Gotteshaus und ließ zu Ehren Mozarts nach dem „Lacrimosa“ das Sterbeglöckchen läuten.

Vor 220 Jahren verfasst

In seinem Todesjahr hat Mozart vor 220 Jahren das Requiem verfasst. Tiefe Trauer erfüllt den ersten Teil mit der Bitte um die ewige Ruhe der Verstorbenen. Fagotte und Klarinetten tragen klagend das ernste Motiv vor, ehe vier herbe Akkorde der Posaunen die Einleitung kurz abschließen. In düsterem Forte setzen die Chorstimmen ein, in engen Überschneidungen bringen sie das Requiemthema, von den Geigen in flehenden Synkopen begleitet. In klarer, suggestiver Diktion befähigte Flierl seinen homogenen Chor zur ersten großen Steigerung im „Lux perpetua luceat eis“, das flammend im Sopran aufbrach und im Piano seiner Sängergemeinschaft verlosch. Überaus kraftvoll der anschließende Einsatz der Doppelfuge des „Kyrie“. Schlüssig arbeitete Flierl die barocken Themen heraus, ließ die gebannten Zuhörer die seltsame Unruhe des Stimmengewoges, die angstvolle Erregung nachempfinden.

Im „Dies irae“ (Tag des Zorns) führte der Dirigent in greller Ausdrucksplastik die Chorstimmen ein, welche das jüngste Gericht in all seiner Gewalt aufzeigen. Das „Tuba mirum“ hat Mozart den Solostimmen übertragen. Das majestätische Motiv der Posaune greift der Solobassist Holger Ohlmannn mit Emphase auf, der Tenor Sebastian Schmid wandelt das Thema in der Verkleinerung nach Moll ab, mit dem Eintritt der Altstimme Margret Hausers klärt sich die Stimmung langsam auf, leuchtend hell wirkt dann der Sopraneinsatz durch Annette Sailer-Heidel und bringt fromme Zuversicht. Das Soloquartett harmonierte bestens; warmherzigen Empfindungsreichtum verströmte die Altistin, dramatisch schlank leuchteten die Sopranmelodien, der Bass gefiel durch seine ausgeglichene sonore Stimme, während der Tenor ausdrucksstarke lyrische Akzente setzte. Als wunderbaren Höhepunkt trug das Solistenquartett das „Recordare“ vor.

Hohem musikalischem Anspruch wurde das Orchester gerecht: außerordentliche rhythmische Präzision, Ausgewogenheit im Klang, müheloses Bewältigen der technischen Anforderungen, eigengestaltete Ausstrahlung sowohl in der beredten Begleitfunktion als auch in der thematischen Entwicklung. Flierl gehorchten Chor und Orchester gleichermaßen intensiv.

Überwältigende Aufführung

Ein außergewöhnliches Werk Mozarts hatte in der Basilika eine überwältigende Aufführung erlebt, wobei die Leistung des Chores besonderer Erwähnung bedarf, der klangrein bis zum Schluss ohne Ermüdung und mit fortdauernder Strahlkraft in der Höhe sang, sehr gute Artikulation und engagiertes Mitgestalten zeigte. Überaus beeindruckt vom Dargebotenen dankten die Besucher den Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus.

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